Affäre um Landrat Adam So geht es nicht mehr weiter

Der Regener Landrat Michael Adam bei der Pressekonferenz.

Mit 23 Jahren jüngster Bürgermeister Bayerns, mit 26 Jahren jüngster Landrat Deutschlands - und mit 29 Jahren arbeitslos? Der Regener Landrat Adam weiß selbst, dass er sich mit seiner Sexaffäre in ganz Deutschland lächerlich gemacht hat. Kann er sein Amt behalten?

Ein Kommentar von Sebastian Beck

Mit 23 Jahren jüngster Bürgermeister Bayerns, mit 26 Jahren jüngster Landrat Deutschlands - und mit demnächst 29 Jahren arbeitslos? Wie es mit dem Regener SPD-Landrat Michael Adam weitergeht, vermag derzeit niemand zu sagen, auch wenn er selbst an seinem Amt festhalten will. Nur eins ist klar: So wie bisher geht es nicht mehr weiter. Der Nachwuchspolitiker aus dem Bayerischen Wald hat sich jahrelang gerne als politischer Oberlehrer aufgespielt. Das Ziel seiner Kritik war meist die eigene Partei.

Inhaltlich hatte er oft recht, aber im Ton lag er stets daneben: "Ich habe heute zum ersten Mal CSU gewählt", bekannte Adam nach der Landtagswahl im September. Dafür hätte ihn die SPD eigentlich rauswerfen müssen, doch Adam gilt immer noch als Nachwuchshoffnung und steht daher unter Artenschutz. Er hat offenbar auch die trügerische Erfahrung gemacht, dass er unantastbar ist, weshalb er sich erst kürzlich zu der Beleidigung verstieg, wonach die Türsteher im Bayerwald in der Mehrheit "gehirnamputiert seien".

Adam braucht sich daher nicht zu wundern, wenn ihm in der Sex-Affäre wenig Mitleid zuteil wird. Ja, sie hat zum Teil schwulenfeindliche Untertöne. Und ja, wären es auf der Ledercouch Frauen und nicht junge Männer gewesen, hätte der Fall wohl kaum für ein solches Aufsehen gesorgt. Andererseits waren seine Büroliebschaften offenbar doch keine Ausrutscher, wie er am Mittwoch zugeben musste. Sie spiegeln eine Maßlosigkeit wider, die den jugendlichen Aufsteiger Adam charakterisierte und zuletzt Züge von Größenwahn annahm.

Ob Sex im Büro und Promiskuität moralisch verwerflich sind, muss jeder für sich beurteilen. Genau darin liegt aber das Problem: Das Intimste ist nun einmal öffentlich geworden und Gegenstand der Diskussion. Adams Verhalten spaltet die Bürger im Landkreis Regen und schädigt das Image der Region.

Er weiß selbst nur zu gut, dass er sich in ganz Deutschland lächerlich gemacht hat. Ob er damit sein Amt als Landrat weiter ausfüllen kann, das wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Es hängt auch davon ab, ob er ausnahmsweise mal den Mund hält und so etwas wie Demut an den Tag legt, eine Eigenschaft, für die Adam bisher nicht bekannt war. Seine Amtszeit dauert noch vier Jahre - ein ziemlicher langer Zeitraum für jemanden, der sich von nun an keinen einzigen Fehler mehr leisten kann.