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Umweltpolitik in den USA:Amerika dreht bei

Strengere Klimavorgaben und der weitere Ausbau der Elektromobilität: US-Präsident Barack Obama will sein Land ökologischer machen - aus ökonomischen Gründen.

Michael Bauchmüller

Zwei Nachrichten, ein Thema: US-Präsident Barack Obama will der amerikanischen Autoindustrie strengere Klimavorgaben machen - und die Hersteller protestieren nicht einmal. Und am selben Tag steigt Daimler bei Tesla ein, einem Hersteller emissionsarmer Batterieautos mit Sitz in Kalifornien. Beides für sich genommen wird am Klimawandel noch nicht viel ändern. Aber es zeigt: Endlich kommt Bewegung auch in die US-Industrie, von innen wie von außen.

Umweltpolitik in den USA Obama

Obama will die USA auf den Pfad einer effizienten Ökonomie bringen.

(Foto: Foto: afp)

Jahrzehntelang waren amerikanische Straßenkreuzer Sinnbild eines Lebensstils der Verschwendung, subventioniert von billigem Öl. Strenge Vorgaben galten als unpopulär und wurden deshalb nicht erlassen. Gemessen an europäischen Standards ist selbst Obamas Grenzwert ein Witz. 6,6 Liter Benzinverbrauch bis 2016, das entspricht einem Ausstoß von knapp 160 Gramm je Kilometer. Also ziemlich genau dem Durchschnitt der deutschen Autoflotte - heute.

Die USA auf den Pfad einer effizienten Ökonomie zu bringen, die mit endlichen Rohstoffen sorgsam umgeht, ist eine Herkulesaufgabe. Obama hat viele kleine Schritte unternommen, die in die richtige Richtung gehen. Der Dampfer Amerika dreht bei - zu spät, zu langsam, aber immerhin.

Die größte Aufgabe aber liegt noch vor Obama. Er muss sein Land überzeugen, dass es auf dem neuen Pfad langfristig nur gewinnen kann. Die Bedingungen sind nicht schlecht: Amerikas Autoindustrie braucht Staatshilfen und gibt derzeit wenig Widerworte; für viele Autofahrer war der Ölpreis von 140 Dollar je Barrel 2008 ein Weckruf. Ob die USA zu einer sauberen Wirtschaftsmacht werden, entscheidet nicht Obama - sondern eine Gesellschaft, die die Verschwendung zu lieben gelernt hat.

© SZ vom 20.05.2009/gf
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