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Tesla Roadster:Beginn einer neuen E-poche

Dennoch: Autos ohne Verbrennungsmotor sind ein ganz neues Erlebnis. Der Tesla ist mit 90 Prozent Wirkungsgrad nicht zu schlagen; herkömmliche Autos lassen zwei Drittel der Energie in Form von Reibung und Abwärme verpuffen. "Eine Entwicklung wie vor 100 Jahren - statt schwerer Wellen und Transmissionsriemen benötigen wir Antriebssysteme wie bei Robotern; klein, leicht und direkt dort, wo sie gebraucht werden", erklärt Bernd Gombert vom Entwicklungszentrum für Mechatronik. Tatsache ist aber, dass der Tesla noch keine Radnabenmotoren in den Rädern einsetzt; zudem wiegen die Batterien stolze 450 Kilo, vom Kofferraum bleibt nur eine Ablagefläche übrig. Fakt ist aber auch: Kommt der getankte Strom aus einem Gaskraftwerk, verbraucht dieser Roadster umgerechnet so wenig Energie wie ein konventionelles Ein-Liter-Auto.

Tesla Roadster

210 km/h mit Elektromotor

Ze'ev Drori, Präsident von Tesla Motors, spricht davon, "das Beste aus Detroit und Silicon Valley" zu kombinieren. Doch der Roadster ist kein Großserienauto gewohnter Qualität, sondern ein Prototyp, den man für 99000 Euro jetzt auch in Europa bestellen kann - nach dem Bananenprinzip reift der Tesla beim Kunden. Das merkt man besonders beim selbstentwickelten Ein-Gang-Getriebe: Denn wirklich ausgereift ist dieses "Update 1.5", das das vorherige Zwei-Gang-Getriebe abgelöst hat, aber auch nach einem Jahr Verzögerung noch nicht - im Testwagen ruckelte es noch gehörig beim Gaswegnehmen. Noch problematischer ist die Lebensdauer der Hochenergie-Akkus, die bis zu 90 Prozent entladen werden. Tesla gibt drei Jahre oder knapp 60000 Kilometer Garantie, für happige 5000 Dollar lässt sich die Gewährleistung um ein Jahr verlängern.

"Paradigmenwechsel im Individualverkehr"

Tesla plant weitere Modelle. Für eine Limousine im Format des Mercedes CLS wird derzeit Investorengeld gesammelt, rund 10000 Stück sollen von 2010 an von dem Elektro-Viertürer pro Jahr gebaut werden - dann wird sich zeigen, ob Tesla den Sprung hin zum Serienhersteller schafft. Denn die Frage ist, ob sich der geplante Zweitonner von den Bauraumzwängen heutiger Fahrzeuge lösen und bei gleicher Grundfläche mehr Platz für die Fahrgäste schaffen kann. Noch entscheidender für den Erfolg ist, ob die Lithium-Ionen-Batterien mit 80 kW/h Kapazität wirklich die Qualitätsstandards über Lebenszeit erfüllen, die man von einem 60.000-Dollar-Auto erwarten kann. "Wir wollen einen Paradigmenwechsel im Individualverkehr", so Tesla - jetzt müssen der E-Revolution nur noch die Taten folgen.