SZ Verkehrsforum:Der Fahrer ist das schwächste Glied

Lesezeit: 4 min

Sicherheitssystem von Continental

Sicherheitsysteme im Auto erkennen schon heute Fußgänger und bremsen selbständig.

(Foto: Continental)

Im vergangenen Jahr starben 3338 Menschen auf deutschen Straßen. Das sind immer noch zu viele. Was können Assistenzsysteme leisten, um die Zahl der Verkehrsopfer weiter zu senken? Eine Expertenrunde auf der Suche nach Antworten.

Von Gernot Sittner

"Keiner kommt um, alle kommen an" - auf dem Weg zu diesem Ziel haben Deutschlands Autofahrer schon eine gehörige Strecke hinter sich gebracht. Starben Anfang der Siebzigerjahre noch mehr als 20 000 Menschen jährlich auf deutschen Straßen, waren es im vergangenen Jahr nur 3338. Aber weil 3338 immer noch 3338 zu viel sind, will der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) sein ehrgeiziges Projekt "Vision Zero" nicht in den Bereich der schönen Utopie abschieben. Warum auch? Weder befinden sich Deutschlands Straßen in einem Zustand, der jedes Unfallrisiko minimieren würde, noch zeichnen sich die Benützer dieser sanierungsbedürftigen Verkehrsinfrastruktur durch ein besonderes Maß an Disziplin und Rücksicht aus. Da wäre es mehr als frivol, sich damit abzufinden, dass auf deutschen Straßen weiter gestorben wird.

Die Auto Mobil International (AMI) in Leipzig, eine Messe, auf der sich die Sachsen auch in diesem Jahr wieder vom Auto und dem vielen Zubehör faszinieren ließen, bot für den DVR, das Verkehrsparlament der Süddeutschen Zeitung, den TÜV Süd, den Verband Internationaler Kraftfahrzeughersteller (VDIK) und die Verkehrswacht Sachsen das geeignete Forum, der Frage nachzugehen, ob und wie Fahrerassistenzsysteme dazu beitragen können, sich "Vision Zero" weiter zu nähern.

Fahrerassistenzsysteme tragen zu mehr Verkehrssicherheit bei

Mit Zahlen lässt sich die Antwort darauf nicht so leicht unterfüttern. Studien haben immerhin ergeben, dass bis zu einem Drittel der schweren Unfälle durch geeignete Fahrerassistenzsysteme vermieden werden könnten. Und in Leipzig kamen die Experten auch schnell überein: Fahrerassistenzsysteme tragen zu mehr Verkehrssicherheit bei. Nicht nur das. In einem Feldversuch, der europaweit über mehrere Monate lief, stellte sich heraus: Autofahrer, die über einen Abstandsregler (ACC) in ihrem Wagen verfügten (und ihn auch eingeschaltet hatten), verbrauchten zehn Prozent weniger Sprit, waren mit etwas höherer Durchschnittsgeschwindigkeit unterwegs, mussten deutlich weniger bremsen und seltener stärker aufs Gas treten als die Testfahrer ohne Assistenzsysteme.

Die Experten auf dem Leipziger Forum äußerten starke Zweifel, dass solche Ergebnisse der Mehrheit der deutschen Autofahrer vertraut sind. ABS, ESP, ACC, ASR und ähnliche Kürzel sind für viele von ihnen böhmische Dörfer, sogar dann, wenn ihr eigenes Auto darüber verfügt. Wer heute den Führerschein erwerben will, kann, ja soll sich - so berichtete Andreas Grünewald, der Vorsitzende des Sächsischen Fahrlehrerverbandes, auf dem Forum - beim Fahrtraining aller Assistenzsysteme im Fahrzeug bedienen, auch bei der Prüfung. Wenn es dann an den Autokauf geht, steht der Anfänger allerdings ohne Assistenz, ohne Fahrlehrer, alleine und oft ratlos da. Gerade dann sei aber heute viel Aufklärung geboten - darüber, was Assistenzsysteme leisten, wie man mit ihnen umgeht und was man von ihnen nicht erwarten darf.

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