Straßenbahn als Magnetbahn:Der Strom kommt aus dem Boden

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Für die drahtlose Tram wurden auf einem Teil einer 850 Meter langen Versuchsstrecke in Bautzen solche Stromschleifen im Gleis verlegt. Eine unter dem Fahrzeug installierte Aufnahmespule wandelt das dort erzeugte Magnetfeld in elektrischen Strom um, der dann den Motor mit Energie versorgt. Fahrgäste und Passanten haben - beispielsweise in Fußgängerzonen - dem Vernehmen nach keine unbeabsichtigte Stromzufuhr zu befürchten.

Kontrollabschnitte im Pflaster sorgen dafür, dass das Magnetfeld nur dann aktiviert wird, wenn das System erkannt hat, dass das gewünschte Fahrzeug darüber fährt. Nicht genutzte Segmente werden abgeschaltet und bleiben stromlos. "Völlig neue Perspektiven", sieht Carsten Struve, Leiter der Entwicklungsabteilung bei Bombardier Transportation, auch darin, dass die neue Technik mit modernen Energiespeichersystemen aus sogenannten "Supercaps" kombiniert werden kann. Es sind dieselben Superkondensatoren, wie sie von Siemens versuchsweise bereits an verschiedenen Stadtbahn- und Straßenbahnhaltestellen in Köln, Madrid und Dresden installiert wurden.

Diese Superkondensatoren nehmen die in elektrischen Strom umgesetzte Bremsenergie herannahender Züge (deren Motor in diesem Moment als Generator arbeitet) auf, um sie bei kurzfristigen Spannungsspitzen, beispielsweise beim Beschleunigen, wieder an das Fahrzeug abzugeben. Nur, dass sie diesmal an Bord der Straßenbahn selbst untergebracht und die Hauptkomponenten unauffällig auf dem Dach montiert sind. Bombardier hat das System seit 2003 in Mannheim getestet und spricht von bis zu 30 Prozent an Energieeinsparung.

"Bautzen baut die Straßenbahn der Zukunft", meldete die Sächsische Zeitung kürzlich anlässlich der Testfahrten begeistert. Die 42.000-Einwohner-Stadt selbst verfügt über keine Straßenbahn. Hauptsache, die wird hier ihren Draht los.

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