Renault Twingo Easy Der linke Fuß ist arbeitslos

Halbautomatik in Verbindung mit dem 'Elektrik-Paket'

(SZ vom 03.12.1994) Seit etwa zwei Jahren begeistert der Twingo durch sein unkonventionelles Design - weniger ungewöhnlich war hingegen die Technik (1,2 Liter Vierzylinder mit 40 kW/55 PS und Fünfgang-Getriebe) für 16 000 Mark. Seit Oktober existiert quasi als Top-Modell mit gleicher Motorisierung die leer 820 Kilogramm schwere Halbautomatik-Variante Easy, die eigentlich nur 800 Mark Aufpreis erfordert. Aber mit dem Elektrik-Paket - einer Kombination von elektrischen Fensterhebern, elektrisch verstellbaren Außenspiegeln sowie Zentralverriegelung mit Fernbedienung - sind 17 700 Mark anzulegen. Beim Easy gibt es zwar auch eine Fünfgang-Schaltbox, aber es fehlt das Kupplungspedal. Im Schalthebelknauf befindet sich ein Sensor, der auf den beim Schalten ausgeübten Druck und Zug anspricht. Hier geschieht das Ein- und Auskuppeln über ein Hydraulik-Element, das elektrische Impulse von einem rechnergesteuerten Zentrum erhält.

Nach Abgleichen von Geschwindigkeit, Drehzahl und Saugrohrdruck wird das Kuppeln ermöglicht - das heißt, geschaltet wird normal, aber der linke Fuß des Fahrers ist pensioniert. Da das von der britischen Firma Borg & Beck entwickelte System ohne Drehmomentwandler auskommt, ändert sich nichts an der Fahrleistung (150 km/h Höchstgeschwindigkeit) und am bescheidenen Verbrauch (6,5 Liter Super bleifrei auf 100 Kilometer). Nach unserer Beobachtung muß beim Einlegen des ersten Ganges mit einer leichten Zeitverzögerung gerechnet werden. Das Schalten selbst geht zwar nicht so spielend leicht wie bei einem normalen Fünfgang-Getriebe: Die Gänge wollen im bekannten Schema bewußt geführt werden. Aber daran gewöhnt man sich schnell. Wichtig ist nur, daß vor jedem Schalten zwischen den Gängen das Gas etwas zurückgenommen wird.

Sollte einmal unter erschwerten Bedingungen nicht der richtige Gang eingelegt werden, reagiert das System mit Warntönen. Für schaltfreudige Autofahrer, die jede Getriebeautomatik ablehnen, ist die Halbautomatik ohne Kupplungsbetätigung zweifellos gewöhnungsbedürftig, aber durchaus kein Handicap. Der Twingo Easy bietet eine Bedienungserleichterung - Renault schätzt, daß 15 Prozent der Twingo-Käufer die Halbautomatik wählen werden. Vielleicht ist es aber auch eines Tages der Übergang zu einer stufenlosen Automatik mit elektronischer Regelung der Schaltvorgänge. Das bleibt aber vorerst nur eine Mutmaßung.

Wer die Standard-Ausführung verbessern will, kann ein ABS zu 1500 Mark, ein manuell betätigbares Faltschiebedach für 750 Mark oder eine Klimaanlage zu 2200 Mark als Extra erstehen. Das skizzierte Elektronik-Paket kostet 900 Mark. Fahrerairbag und Servolenkung existieren leider noch nicht, sollen aber im kommenden Modelljahr angeboten werden. So beeindruckend das Twingo-Konzept und so großartig das Raumangebot ist, um so unverständlicher sind die sehr schmalen, umklappbaren vorderen Einzelsitze, die offenbar für Kleinwüchsige konzipiert wurden. Sie sehen zwar ganz gut aus, die gewölbte Lehne gibt auch etwas Seitenhalt, aber die Sitzfläche ist viel zu kurz. Zudem ist die Sitzlehnenverstellung via Hebel mit abklappender Lehne nicht ideal, die unverkleideten Sitzschienen zeugen von unangebrachter Sparsamkeit. Vorn sind in der Höhe verstellbare Kopfstützen Serie, hinten fehlen sie.

Von Eberhard Seifert