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Opel-Nostalgie:Tief, breit, hart

Ganz Deutschland ist besorgt um den Rüsselsheimer Opel-Konzern. Auch Ingo Hartmann drückt die Daumen. Er ist Vorsitzender des Manta-Clubs Lindau-Harz.

"Jeder Popel rettet Opel" titelte die Berliner Tageszeitung kürzlich. Tatsächlich ist ganz Deutschland besorgt um den Rüsselsheimer Konzern (Kadett, Manta, Senator). Ein Gespräch mit dem Baumarkt-Mitarbeiter Ingo Hartmann, 44, Vorsitzender des Mantaclubs Lindau-Harz, über die neuentdeckte Liebe einer ganzen Nation.

Der Opel Manta B, hier als GTE aus dem Jahr 1975, wird heute von Sammlern händeringend gesucht.

(Foto: Foto: Opel/dpa/gms)

SZ: Hallo Herr Hartmann, sind Sie besorgt wegen der Opelkrise?

Ingo Hartmann: Wieso denn? Da wird doch übertrieben. Alle schreien jetzt rum: Banken, Konzerne, ich kann es nicht mehr hören. Sorgen mach ich mir, wenn mein Autohaus um die Ecke schließt. Aber ich bin sauer auf General Motors. Die haben einen soliden Konzern ausgebeutet.

SZ: Solide - macht das die Marke Opel aus? Bieder, aber dafür zuverlässig?

Hartmann: Sicher. Ich bin viele Opeltypen gefahren: Omega, Rekord, Vectra, Kadett, Manta - Probleme gab es nur in der Saison 83/84 - wegen der Polenbleche.

SZ: Polenbleche?

Hartmann: Ach, das war so ein blöder Spruch. Weil damals eine Fahrzeuggeneration schon im Autohaus wegrostete.

SZ: Ist es nicht erstaunlich, dass sich viele immer über Opel lustig gemacht haben und nun in der Krise alle sentimental werden, vor allem viele junge Leute?

Hartmann: Die Sentimentalität kommt auch daher, dass wohl keine andere Marke so viele Autoclubs hat. Können Sie sich solche Fans bei Mercedes vorstellen? Ich nicht! Opel stellt bezahlbare Autos her, die Leute sind mit ihnen groß geworden.

SZ: Und warum bedienen viele Opelfans bis heute bereitwillig alle Klischees? In Clubs gibt es Spitznamen wie "Mantamaus Doreen" oder "GT-Günni".

Hartmann: Na, wir nehmen uns da auch selbst ein bisschen hoch. Ich bin zum Beispiel der Superingo, das steht auch vorn auf meinem Wagen. Wegen der DEA-Werbung, wo so ein Typ - Ingo - im Manta vorfährt und Super tankt.

SZ: Haben Sie Ihren Manta getauft?

Hartmann: Können Sie Englisch?

SZ: Ich denke schon.

Hartmann: "Flame of Desire".

SZ: Ach, ist der rot? Mit Spoiler und Flammenoptik?

Hartmann: Nee, hatte ich aber mal: Tief, breit, hart, sagt man bei uns.

SZ: Fuchsschwanz?

Hartmann: Nein, das nicht, aber sonst mit allen Schikanen. Anfang der 90er war das. Meine härteste Manta-Zeit. Der jetzige ist ein Cabrio. Graumetallic.

SZ: Opel hatte ja immer ein Image-Problem. Der Rekord, der Senator. Aber vor allem der Manta. Leidet man darunter?

Hartmann: Also hier im Harz ist die Akzeptanz für meinen Manta groß. Anders ist es bei Freunden von mir in der Düsseldorfer Region. Die sind öfter mal an Ampeln angepöbelt worden. Einmal wollte jemand denen sogar mit einem Baseballschläger die Kühlerhaube zertrümmern.

SZ: Dann leben Opelfans gefährlich?

Hartmann: Ach was, das meiste sind harmlose Scherze: Da kann ich drüber lachen. Oft hat es sogar Spaß gemacht. Als die Fans im Film "Manta Manta" veralbert wurden, sind wir zur Uraufführung nach Frankfurt gefahren, mit 1400 Mantas; Til Schweiger und Tina Ruland waren auch da, das war toll. Über welches Auto gibt es denn sonst noch einen Film?

SZ: Til Schweiger soll der Film heute ziemlich peinlich sein.

Hartmann: Na, dann tut er mir leid, wenn er nicht zu seinem Karrieresprungbrett steht. Heute hat sich das ja alles geändert. Wenn ein 24-Jähriger im Rekord vorfährt - früher mal Inbegriff des Spießertums - gilt er als cool. Und mich hat die Polizei auf der Autobahn rausgewunken. Als ich fragte, warum, sagten die: "Wir wollten nur mal ihren tollen Manta angucken." Es gibt ja kaum noch welche. Und die Fans werden auch immer älter.

SZ: Der Manta-Fan gilt als besonders besessen. Was macht die Faszination aus ?

Hartmann: Also, wenn Sie beim Manta unter die Motorhaube gucken, ist dort alles offen und ehrlich. Der Wagen ist einfach Lebensgefühl. Herzensblut! Ein Auto, das zur Familie gehört. Spötter sagen: Maurerporsche, aber das mag ich ja gerade. Der hat einen Charakter, den sie bei Opel heute kaum noch finden.

SZ: Wieso das nicht?

Hartmann: Über Opel stundenlang philosophieren - das geht nicht mehr. Opel baut derzeit leider fast nur noch Massenautos, denen es an Individualität fehlt. Eine Ausnahme ist der neue GT - die kleine Corvette sagte man früher. Das ist ein tolles Auto! Das ist der richtige Weg.