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Krankenwagen im Rückspiegel:Auch für Autofahrer eine Stresssituation

Bei einem anderen Einsatz später in der Stadt will Rodewald aus einer Nebenstraße in eine etwas belebtere Straße einbiegen - ihre Ampel zeigt Rot, der querende Verkehr hat Grün. Eine knifflige Situation. Mit Blaulicht und jeder Menge Martinshorn-Radau tastet sie sich langsam auf die Kreuzung vor. Und dennoch rauscht knapp vor ihr eine Fahrerin in einem weißen Mini noch über die Kreuzung. "Die hat uns gesehen", sagt Rodewald. Und dennoch scheint die Mini-Fahrerin lieber einer Art Fluchtreflex zu folgen, statt einfach stehen zu bleiben und den Rettungswagen passieren zu lassen. "Natürlich ist das auch eine Stresssituation für die Autofahrer", räumt Diana Rodewald ein. Dennoch sei es eben am besten, möglichst rasch rechts ran zu fahren, zu halten und die Retter passieren zu lassen. Es dauert eh nur wenige Sekunden - dann sind die beiden vorbei.

Denn unterwegs sind Rodewald und Winklhofer schon relativ flott. 80 oder 90 Stundenkilometer innerorts sind bei einer Einsatzfahrt keine Seltenheit, auf der A 8 in Richtung Ramersdorf brausen die beiden auch mit 130 oder 140 Sachen in einem Abschnitt, in dem - unter anderem zum Schutz der Anwohner - eigentlich Tempo 60 gilt. Am Autobahnende, dort, wo die Autobahn in den Mittleren Ring einmündet, muss sich Rodewald zwischen den Autos, die auf mehreren Spuren an den Ampeln warten, entscheiden.

Blaulicht-Blitzer in der Frontscheibe

Wie schlängelt sie sich am besten durch den Verkehr? Die erhöhte Sitzposition im Rettungswagen ermöglicht ihr einen relativ guten Überblick, um entscheiden zu können, welcher Weg der beste ist. Nicht immer allerdings haben auch die Autofahrer vor ihr diesen Überblick - und stellen sich dann den Rettern mitten in den Weg.

Winklhofer und Rodewald wie auch den vielen anderen Einsatzkräften von Polizei, Feuerwehren, Rettungsdiensten und Technischen Helfern, die Tag für Tag mit Blaulicht durch die Stadt eilen, bleibt daher kaum etwas anderes übrig, als noch besser auf sich aufmerksam zu machen. Die Lautstärke des Martinshorns ist - aus Gründen des Gesundheitsschutzes - begrenzt auf höchstens 110 Dezibel, heißt es beim Auto-Club Europa.

Um wenigstens besser gesehen zu werden, haben die Johanniter seit Kurzem einen zusätzlichen Blaulicht-Blitzer in ihrer Frontscheibe installiert. "Das hat sich aus der Praxis heraus entwickelt", sagt Winklhofer. Denn wenn sie mit ihrem Rettungswagen bereits relativ dicht hinter einem Pkw steht, dann sieht der Fahrer das auf dem Dach installierte Blaulicht in seinem Rückspiegel nicht - und auch die an der Front des Rettungswagens angebrachten Blaulicht-Blitzer kann er dann nicht mehr erkennen. Sie sind zu tief angebracht. Der zusätzliche Frontscheiben-Blitzlicht dagegen leuchtet auf Höhe des Rückspiegels auf. "Das hilft uns wirklich", sagt Winklhofer. Andere Rettungsdienstbetreiber hätten mittlerweile den zusätzlichen Blitzer übernommen.

© SZ vom 04.03.2013/goro
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