Jubiläum Frauen in Fahrt

Vor 80 Jahren wurde in Berlin der Deutsche Damen Automobil Club gegründet. Schon damals scheuten die Frauen keine fahrerische Herausforderung.

Von Marion Zellner

Das Berlin der zwanziger Jahre: eine pulsierende Stadt, die Gesellschaft tanzte ausgelassen Charleston, die Damen ließen sich Bubikopf-Frisuren schneiden, die Herren frönten dem noch jungen Motorsport. Eine Gesellschaft in Bewegung, offen für verwegene Ideen und Pläne. So gesehen überrascht es auch nicht, dass vor 80 Jahren ausgerechnet in Berlin der Deutsche Damen Automobil Club (DDAC) entstand.

Ehrenmitglied im DDAC: Elly Beinhorn, deutsche Pilotin und Schriftstellerin, bei einer Flugveranstaltung auf dem Flugplatz Berlin-Staaken im Jahr 1929

(Foto: Foto: Scherl/SZ)

Lucy Elisabeth Freifrau von Linsingen gründete ihn am 18.Mai 1926 mit sechs weiteren couragierten Damen der Gesellschaft. Das Ziel des Clubs waren sportliche Veranstaltungen, gemeinsame Auto-Ausflüge eingebettet in ein reges Club-Leben - exklusiv für Frauen.

"Es ist dies der erste Club in Deutschland, der auch den Damen Gelegenheit gibt, auf diesem Gebiete ihren Sportsgeist geschlossen zu betätigen, sich ihren Platz im sportlichen Wettstreit zu sichern und in der exklusivsten Gesellschaft eine Kultur des vornehmsten Sportzweiges zu pflegen", heißt es in einem Schreiben, das Lucy von Linsingen gleich nach der Club-Gründung an potenzielle Mitglieder verschickte.

Männliche Unterstützung

Trotz einer zunehmend aufgeklärten Gesellschaft war der DDAC eine sehr mutige, freiheitlich orientierte Idee, auch wenn er prominente männliche Unterstützung bekam. "Von den Frauen empfängt der Autosport eine besondere Prägung: Würde es sonst die vielen wunderschönen, mit höchstem Komfort und Luxus eingerichteten Wagen geben, wenn nicht unzählige Frauen diese Leidenschaft kultivierten", schrieb Erich Maria Remarque zur Gründung im Continental Echo.

Doch Frau mit Auto war damals keineswegs selbstverständlich - obwohl die gemeinsame Geschichte so alt ist wie das Auto selbst. Schließlich hatte es Carl Benz auch seiner Frau Bertha zu verdanken, dass die Öffentlichkeit auf seine bahnbrechende Erfindung aufmerksam wurde.

Sie fuhr in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts - ohne Erlaubnis ihres Mannes - mit ihren zwei Söhnen im dreirädrigen Motorwagen nach Pforzheim. Damit war sie die erste Frau der Welt hinter dem Steuer eines Automobils. Kein Wunder also, dass Bertha Benz Ehrenmitglied des DDAC wurde.