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Jubiläum des Motorrollers:70 Jahre Vespa - kein Roller, sondern ein Lebensgefühl

Enrico Piaggio wollte nach dem Zweiten Weltkrieg ein billiges Fortbewegungsmittel für die Italiener bauen. Stattdessen schuf er einen Kult.

Von Felix Reek

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70 Jahre Vespa

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Es gibt wohl kein Fortbewegungsmittel, das das italienische Lebensgefühl so passgenau einfängt, wie die Vespa. Egal in welcher Stadt, überall knattern die Roller lautstark durch die engsten Gassen.

Doch das war nicht immer so. Enrico Piaggio baute vor 70 Jahren vor allem Flugzeuge. Seine Idee nach dem Zweiten Weltkrieg war so simpel wie genial: Da für die meisten Italiener Autos zu teuer waren, beauftragte er den Luftfahrtingenieur Renzo Spolti, ein leichtes motorisiertes Zweirad zu entwerfen. Spolti hatte zuvor Kriegsflugzeuge entwickelt und ging, in Motorradtechnik wenig bewandert, vollkommen unvoreingenommen an den Auftrag heran. Der erste Prototyp MP5 stieß auf wenig Begeisterung bei Piaggio. Wegen seines ungewöhnlichen Designs bekam er den Spitznamen "Donald Duck" (Paperino).

70 Jahre Vespa

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Erst der von Corradino D'Ascanio entworfene Nachfolger sollte die Legende begründen. "Sembra una Vespa!", rief Piaggio aus, als er die MP6 zum ersten Mal sah, "es sieht aus wie eine Wespe". Die Vespa war geboren und erhielt den Namen, den sie 70 Jahre später immer noch trägt.

70 Jahre Vespa

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Am 23. April 1946 meldeten die Italiener das Patent für den Roller an, die ersten Serienfahrzeuge verließen nur wenige Monate später das Werk in Pontedera in Italien.

Gerade einmal 60 Kilogramm wog die erste Generation der Vespa, drei PS leistete ihr Zweitakter. Damit beschleunigte sie immerhin auf maximal 60 km/h. Durch den direkten Antrieb am Hinterrad benötigte sie im Gegensatz zum Motorrad keine Antriebskette.

Christiansen und Wowereit in der Hepburn-Ausstellung

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Schnell entwickelte sich ein Kult um den Roller. Besonders Jugendliche verhalfen der Vespa zu immer neuen Absatzrekorden.

Unsterblich wurde Piaggios Wespe spätestens mit ihrem Auftritt im Hollywood-Klassiker Ein Herz und eine Krone, in dem Audrey Hepburn und Gregory Peck durch die Straßen Roms fahren.

Im Bild: Die Vespa aus dem Film bei einer Ausstellung in Berlin 2009 mit dem damaligen Bürgermeister Klaus Wowereit.

70 Jahre Vespa

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Bereits Ende der Vierzigerjahre gründeten sich die ersten Vespa-Clubs. Einen weiteren Popularitätsschub lieferte die britische Jugendbewegung der Mods in den späten Sechzigerjahren, die sich durch die italienischen Roller von den Motorrad fahrenden Rockern abgrenzten.

Im Bild: Der Vespa-Club Frankfurt

70 Jahre Vespa

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Rein optisch veränderte sich die Vespa über die Jahrzehnte kaum. Piaggio schuf mit dem Roller einen Design-Klassiker, der viele Nachahmer fand.

Im Bild: Die 5. Internationale Fahrrad- und Motorradausstellung (IFMA) im September 1962 in Frankfurt am Main

Vespa PK 50

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1963 brachte Piaggio die Vespa 50 auf den Markt, die sich bis 1990 vier Millionen Mal verkaufte. Sie sollte vor allem Jugendliche ansprechen, denn in Italien darf man die 50-Kubikzentimeter-Maschine ab einem Alter von 14 Jahren ohne Führerschein fahren.

Im Bild: Das Nachfolgemodell PK 50.

Vespa ET

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Zum 50. Geburtstag des Rollers brachte Piaggio 1996 die Vespa ET heraus. Das Design blieb retro, doch erstmals gab es Automatik und zum Teil Viertaktmotoren. 460 000 Exemplare setzte Piaggio von der modernisierten Vespa ab.

Nach einer Flaute zu Beginn der 2000er Jahre läuft es für Piaggio heute so gut wie nie. Die Jahresproduktion verdreifachte sich von 2005 bis 2015 auf 170 000 Vespas pro Jahr.

© Süddeutsche.de/harl/jobr

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