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Hauptversammlung in Lübeck:ADAC beschließt seine Dreiteilung

  • Mit überwältigender Mehrheit hat die Hauptversammlung des ADAC die Aufsplittung von Europas größtem Automobilclub in drei Teile beschlossen, um Vereinsarbeit und wirtschaftliche Aktivitäten künftig klar zu trennen.
  • Die Dreiteilung soll dem ADAC den Status "Verein" sichern, der vom Registergericht in München in Frage gestellt wird.
  • Es ist eine wichtigsten Entscheidung, die der mit 19,2 Millionen Mitgliedern größte deutsche Verein in seiner 113-jährigen Geschichte getroffen hat.

Eigentlich sollte die ADAC-Hauptversammlung im Lübecker Kongresszentrum tagen, doch dort ging das Dach kaputt und solange die Schäden nicht repariert sind, bleibt die Halle geschlossen. Also wich der mit 19,2 Millionen Mitgliedern größte deutsche Verein für eine der wichtigsten Entscheidungen seiner 113-jährigen Geschichte in den Festsaal eines benachbarten Hotels aus. Der Vorgang entbehrte nicht gewisser Symbolik, denn auch der ADAC ist eine Großbaustelle. Zumindest aber gibt es für den Umbau jetzt einen konkreten Plan.

Mit überwältigender Mehrheit hat die Hauptversammlung die Aufsplittung von Europas größtem Automobilclub in drei Teile beschlossen. Vereinsaktivitäten und wirtschaftliche Aktivitäten werden künftig klar getrennt. Als dritte Säule übernimmt eine gemeinnützige Stiftung unter anderem die Luftrettung und gemeinnützige Forschung. Für dieses von Präsident Markl monatelang vorangetriebene Modell stimmten 188 Delegierte, 33 waren dagegen, elf enthielten sich.

Monatelanger Streit um die Reform

Das klare Votum ist erstaunlich, gingen ihm doch monatelange, massive Kontroversen voraus. Bis zuletzt kämpften Kritiker um Markls Vorgänger Peter Meyer heftig gegen die nun beschlossene Dreiteilung. Sie soll dem ADAC den Status als "Verein" sichern, der angesichts der unübersichtlichen Vermischung von Vereinsarbeit und profitorientierten Geschäften vom Registergericht in München in Frage gestellt wird. In den vergangenen Tagen eskalierte der Streit; sowohl Markl und das Präsidium, als auch Meyer als Vorsitzender des größten Regionalclubs Nordrhein positionierten sich mit zahlreichen juristischen Gutachten. Markl betonte dabei, er habe "keinen Plan B" sollte die Dreiteilung scheitern. Meyer und seine Getreuen wiederum lehnten sie als für den Erhalt des Vereinsstatus unnötig ab. Zudem würden hunderte Millionen Euro Vereinsvermögen der Kontrolle durch die Mitglieder entzogen.

Nichts von alledem war mehr in der Hauptversammlung zu hören. Am Ende blieb Peter Meyer nur der Rückzug. Bei der überhaupt einzigen Wortmeldung bei der Aussprache zur Reform kündigte er an, jede Entscheidung der Lübecker Hauptversammlung zu akzeptieren und nicht dagegen zu klagen. In den vergangenen Tagen hatte es Spekulationen gegeben, der Regionalklub könnte im Falle einer Abstimmungsniederlage vor Gericht ziehen. Vor den Delegierten gab sich Peter Meyer kleinlaut. Ihm und seinem Regionalklub sei es nicht um eine prinzipielle Ablehnung der Aufsplittung gegangen, sondern nur "um die Art der Umsetzung".

Der Beschluss ist ein klarer Sieg für Meyers Nachfolger August Markl. Vor der Abstimmung redete er den 221 Delegierten ins Gewissen und warb teilweise emotional für seine Reform. "Im Kern geht es um eine einfache Frage", sagte er, "nämlich ob Deutschlands größter Verein eine Zukunft hat." Ohne die Reform sei diese "konkret gefährdet". Das habe das Münchner Registergericht unmissverständlich signalisiert. Es prüft auf eine anonyme Anzeige hin seit Ende 2014, ob der ADAC sich noch zu Recht "Verein" nennen darf. Entscheiden will das Gericht erst nachdem klar ist, ob sich der ADAC reformiert und wie stark. Markl sprach von einem "erheblichen Risiko", dem der ADAC "aktiv begegnen" müsse. "Wenn wir nicht selbst über unsere Zukunft entscheiden, tun es andere", sagte Markl.

Die Hauptversammlung hatte am Morgen zäh begonnen. Ein witzig-eloquentes Grußwort des Lübecker Bürgermeisters, eine Festrede von EU-Digitalisierungskommissar Günther Oettinger, der "zwölfspurige digitale Autobahnen" verlangte und dem ADAC riet, "lieber Schlaglöcher zu akzeptieren als Funklöcher". Danach die üblichen Regularien und die Berichte der einzelnen Präsidiumsmitglieder über ihre Fachgebiete. Doch egal, ob das Thema gerade Tourismus, Motorsport, Technik oder Finanzen hieß - kein Präsidialer, der nicht den Wandel anmahnte. Den Takt gab von Anfang an Präsident August Markl vor. Schließlich wolle der ADAC nach all seinen Affären und trüben Geschäften wieder das werden, was er vor der Krise gewesen sei: "Die vertrauenswürdigste Organisation Deutschlands."

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