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Deutsche Flussfähren:Ein ewiges Hin und Her

Flussfähren in Deutschland haben eine lange Tradition und sind weit mehr als nur touristische Fotomotive.

Es muss schnell gehen, wenn Karsten Grunow seine Tussy II belädt: links ein Auto, rechts ein Auto, bis alle acht Stellplätze belegt sind, dann kommen Fahrräder und Fußgänger. Doch Grunow hat vor dem nächsten Fahrgast noch ein paar Sätze für jeden übrig: Mit denen, die er kennt geht's um die Familie, mit den Auswärtigen um alles Mögliche. Und am Ende sagt er den Autofahrern: "Handbremse anziehen." Schließlich soll niemand während der Fahrt von Bord rollen.

Fährmann, hol über: Die Tussy II schippert zwischen Geltow und Caputh über die Havel.

(Foto: Foto: Müller)

Karsten Grunow ist Fährmann. Gemeinsam mit seiner Mutter betreibt er in der Nähe von Potsdam die gut 23 Meter lange Seil-Fähre Tussy II, die zwischen den Orten Caputh und Geltow über die Havel schippert. Bis zu 100 Mal fährt der flache, sogenannte Prahm mit zwei Lade-Rampen jeden Tag die 80 Meter hin und her. Geradezu malerisch landet er auf der Caputher Seite neben dem alten Fährhaus an, dessen Terrasse auf Bohlen über dem Fluss schwebt. Dort bekam die alte Fähre zu DDR-Zeiten an einem Stammtisch auch ihren Namen, weil sie sich wegen technischer Probleme vermeintlich wie eine "Tussy" aufführte. Der Ort Caputh hat einige Berühmtheit dadurch erlangt, dass einst der Physiker Albert Einstein hier sein Sommerhaus hatte. Die ältere Touristenattraktion aber ist die kleine Fähre, die schon um 1900 auf Postkarten gedruckt wurde.

Zwar ist die seit 1853 bestehende Familientradition der Caputher Fähre noch recht kurz, doch sie ähnelt den anderen 339 in Deutschland existierenden Binnenfähren. Diese mögen zwar bei den heute möglichen, immer längeren Brückenschlägen so wirken, als seien sie etwas aus der Zeit geraten, aber sie halten sich, meist an den ursprünglichen Anlegestellen, oft schon sehr lange.

Die Familientradition sei typisch, erklärt Friedrich-Wilhelm Brandt von der Arbeitsgemeinschaft (AG) Binnenfähren des Deutschen Schifffahrtsmuseums in Bremerhaven. Diese führt Buch über die Fähren und erforscht deren Geschichte auf Flüssen, Seen, Kanälen und in Häfen von der Flensburger Förde bis zum Bodensee.

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