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Cabrios von Renault:Futter für Visionen

Mit knappen Bikinis verbindet man auch eine andere Renault-Ouverture - den R4 Plein Air von 1969. Hatte man den normalen R4 bei der Präsentation 1961 noch als "höchste Evolutionsstufe des Regenschirms" verballhornt, zucken die Designer nur mit den Schultern und kürzen beim Cabrio das Dach radikal weg. Das spartanische Auto für Surfer und Blumenkinder verzichtet sogar auf Türen, damit beim Fahren die Oberschenkel knackig braun werden.

Kurz nach dem Plein Air schiebt Renault den Rodéo nach. Der Strandflitzer mit offener Kunststoffkarosse hat große Ähnlichkeit mit Citroëns Mehari. Die Frontscheibe kann man nach vorn umklappen und die klapprigen Türen ganz aushängen. Eine filigrane Strebenkonstruktion mit flatternder Segeltuchplane sorgt dafür, dass man bei Regen etwas weniger nass wird als draußen. Aber wen stört das schon in einer Zeit, in der viele nach dem Rauchen mehr Farben sehen als üblich.

1986 holt der Renault 5 das Cabriolet vom Strand wieder in die Stadt zurück. Während der offene VW Golf mit Schutzbügel zum "Erdbeerkörbchen" wird, verzichtet der R5 auf den Henkel. Zur Serienfertigung kommt es aber nicht, es entstehen mit offiziellem Segen nur ein paar Exemplare in Belgien.

Der Wagen bleibt nicht das einzige "Custom Car". 1976 kreiert ein Künstler den R5 Cacharelle mit Stoffverdeck in psychedelischen Farben, in den achtziger Jahren schneidet ein deutscher Händler dem Sportcoupé Fuego das Dach ab, und sogar aus dem berühmten Renault 16 machen Bastler ein Cabriolet.

Futter für Visionen liefert Renault immer wieder selbst mit Studien wie dem Flügeltürer-Cabrio Nepta, dem Laguna Roadster oder dem futuristischen Strandflitzer Zo. Zur Serienfertigung fehlt den Franzosen aber meist der Mut, der Spider von 1995 bleibt die Ausnahme.

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