Wetterbilanz Sommer ohne Sonne

Zu kalt, zu nass - vor allem in Bayern und Baden-Württemberg haben die Deutschen Grund zur Klage über das Wetter.

(Foto: dpa)

Zu kalt, zu nass, zu dunkel: Die Deutschen klagen über das schlechte Sommerwetter. Dabei sieht die Statistik gar nicht so schlecht aus. Zumindest, wenn man sehr unterschiedliche Monate und Nord- und Süddeutschland in einer Bilanz zusammenwirft. Alles Einbildung?

Von Christopher Schrader

Für die Meteorologen ist mit diesem Wochenende der Sommer vorbei. "Willkommen im Club", murmeln vermutlich viele, insbesondere süddeutsche Bürger grimmig. Denn der Sommer verabschiedete sich dieses Jahr, so zeigt es die am Freitag veröffentlichte Statistik des Deutschen Wetterdienstes (DWD), praktisch pünktlich mit dem Beginn der Sommerferien: Er war im Vergleich zu Durchschnittswerten mit 272 Millimetern Regen etwas zu nass; Sonnenschein (628 Stunden) und Temperaturen (17,2 Grad Celsius) übertrafen die Mittelwerte höchstens knapp.

Und diese Aussage ist auch nur zu halten, wenn man mit den Methoden der Statistik drei sehr unterschiedliche Monate und vor allem das sehr verschiedene Wetter im Norden und Süden zusammenführt. Die Schere zwischen den Regionen offenbart sich vor allem in den Disziplinen Wärme, Sonnenschein und Regenmenge. Bayern war über den Sommer gemittelt das kälteste Bundesland, Baden-Württemberg das nasseste und Nordrhein-Westfalen das dunkelste. Die meiste Sonne hatte Mecklenburg-Vorpommern, die höchsten Temperaturen und am wenigsten Regen gab es in Berlin.

Besonders im Juli und August haben Bundesländer im Süden oft Wetter abbekommen, das zumindest nicht zum Besuch von Biergarten und Freibad einlud. Baden-Württemberg war im Juli sogar das nasseste, dunkelste und kälteste Bundesland zugleich - eine solche Ballung kommt selten vor. Im August fielen zwei Extreme auf das Saarland, das zur kältesten und sonnenärmsten Region wurde. Weniger Sonnenschein gab es nur direkt am Alpenrand, wo im Hochsommermonat weniger als 120 Stunden gemessen wurden.

Selbst das Wetter im Norden konnte die Mittelwerte nicht mehr retten. Zum ersten Mal seit 2006 war der August hier mit genau 16 Grad kühler als der langjährige Vergleichszeitraum - gemessen an den Jahren 1981 bis 2010 sogar um 1,5 Grad. Er war zudem reicher an Regen und ärmer an Sonne als die statistische Norm. Das angenehmste Ferienwetter hatte laut DWD ein bogenförmiger Streifen von Hannover über Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg bis nach Berlin. Und auch hier schaffte es fast keine Region, ihre Monats-Sollwerte an Wärme und Sonnenschein zu erfüllen. Das knapp neben dem Streifen liegende Schleswig-Holstein wurde sogar zum nassesten Bundesland.