Von Markus C. Schulte v. Drach

Sauberes Trinkwasser ist eine knappe Resource. Manche Fachleute befürchten, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis darum Kriege geführt werden.

Mehr als eine Milliarde Menschen hat keinen Zugang zu sicherem Trinkwasser - häufig mit tödlichen Folgen: Nach Angaben der Vereinten Nationen sterben jedes Jahr rund vier Millionen Menschen an Krankheiten, die durch verschmutztes Trinkwasser verursacht werden.

Der Atatürk-Staudamm. In den 90er Jahren hatte die Türkei diesen Damm als Druckmittel gegen Syrien eingesetzt. (© Foto: dpa)

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Das sind etwa 10.000 Menschen täglich - davon fast 4000 Kinder. Selbst alle Kriege weltweit fordern jedes Jahr weit weniger Todesopfer.

"Mit keiner einzigen Maßnahme, hatte der frühere UN-Generalsekretär Kofi Annan erklärt, "ließen sich in den Entwicklungsländern Krankheiten besser bekämpfen und Leben retten, als mit sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen."

Doch die Zahl der Menschen auf unserem Planeten wächst - bis zum Jahr 2050 gehen die UN von etwa 9,2 Milliarden Weltbürgern aus - und damit wächst auch die Konkurrenz um den Zugang zur lebenswichtigen Ressource Wasser.

Flucht vor der Trockenheit

Zwar ist die Oberfläche unseres Planeten zu 70 Prozent von Wasser bedeckt, doch nur 3,5 Prozent davon sind Süßwasser - und davon steckt das meiste im Eis der Polkappen. Knapp ein Prozent des Süßwassers steht dem Menschen derzeit zur Verfügung - 0,02 Prozent des Wassers der Erde.

Und die Wüsten dehnen sich aus, Süßwasser wird verschwendet. Vielerorts sinken die Grundwasserspiegel aufgrund falschen Trinkwasser-Managements, Süßwasser-Seen trocknen aus und Flüsse werden weiterhin und sogar in zunehmendem Maße - etwa durch Pestizide und Dünger - verschmutzt. In 80 Ländern herrscht derzeit bereits Wasserknappheit, und die Zahl der betroffenen Menschen wird nach Angaben der UN bis 2030 auf 5,4 Milliarden steigen.

Genug Gründe, mit einer Zunahme von Konflikten und sogar Kriegen um das wertvolle Nass zu rechnen. So warnte Kofi Annan, dass bis zu 135 Millionen Menschen in den nächsten Jahren vor Trockenheit aus ihrer Heimat fliehen könnten - in Gebiete, in denen sie mit den Einheimischen um das dort vorhandene Wasser in Konkurrenz treten werden.

Manche Fachleute gehen deshalb davon aus, dass Wassermangel schon bald zur Hauptursache von Konflikten in Afrika werden könnte. Bereits vor mehr als zehn Jahren warnte die Weltbank, dass die Kriege des nächsten Jahrhunderts nicht um Öl, sondern um Wasser geführt würden.

Tatsächlich kämpfen bereits jetzt Bauern und wandernde Viehzüchter in der Sahel-Zone und Nordafrika, in Kenia, Somalia, dem Tschad, im Niger, in Nigeria, Burkina Faso und Mali um die Ressource Wasser. Es regnet zu wenig, die Wälder werden zerstört, die Armut wächst.

Hinzu kommt, dass weltweit 261 Flüsse durch mindestens zwei Länder fließen, die sich das Wasser der Ströme teilen müssen. Um das Nilwasser streiten sich zum Beispiel seit Jahren gleich neun Länder mit Ägypten. Und 1995 hatte Ägyptens Präsident erklärt, sein Land werde keine Kriege mehr führen - außer um Wasser.

Streit um die Flüsse

Konfliktpotential stecken auch in den Grenzregionen zwischen der Türkei, Syrien und dem Irak, die sich das Wasser von Euphrat und Tigris teilen, und im Nahen Osten, wo Israel, Jordanien, der Libanon und die Palästinenser im Westjordanland den Jordan und seine Nebenflüsse nutzen.

Und auch in Asien, etwa an den Grenzen zwischen Indien, Pakistan und Bangladesh, die sich über Ganges und Indus versorgen, müssen sich erbitterte Gegner die wertvolle Ressource teilen. Um die Entwicklungen in diesen Regionen zu beobachten, haben Nato, USA und OECD spezielle Arbeitsgruppen eingerichtet.

Doch sowohl diese Experten als auch Fachleute von den Vereinten Nationen und vom Pacific Institute in den USA halten es für unwahrscheinlich, dass es tatsächlich zu Kriegen um Wasser kommen wird.

Ein Krieg in 4500 Jahren

Bislang hat man sich in Streitfällen fast immer einigen können - sogar vor dem Hintergrund akuter Konflikte.

Das bestätigten vor einiger Zeit Experten von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH). Seit den 90er Jahren, so haben Kurt Spillmann und seine Kollegen von der ETH festgestellt, gibt es sogar einen stärkeren Trend zur Kooperation.

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