Versteckte Wärme Atlantik soll Klimawandel gebremst haben

Die Erde erwärmt sich gerade nicht so schnell wie in früheren Jahrzehnten. Das könnte an den Weltmeeren liegen. US-Forscher bestätigen das nun mit Daten - aber woanders als vermutet.

Von Christopher Schrader

Der Atlantik hat in seinen Tiefen in den vergangenen 15 Jahren offenbar eine große Menge Wärme gespeichert, die in absehbarer Zeit wieder an die Oberfläche kommen könnte. Ursache seien veränderte Strömungen, behaupten zwei Forscher von der University of Washington in Seattle. Sie haben Daten der sogenannten Argo-Bojen ausgewertet, die seit einigen Jahren durch die Weltmeere treiben. Mehr als 3000 der Messroboter tauchen in Zehn-Tage-Zyklen bis auf 2000 Meter Tiefe und wieder auf, um Daten über Strömungen, Temperatur und Salzgehalt über Satelliten an die Forscher zu funken.

Die Studie von Xianyao Chen und Ka-Kit Tung führt mitten hinein in die aktuelle Debatte, welcher Mechanismus die globale Erwärmung seit rund 15 Jahren bremst. Der Weltklimarat IPCC hatte im Herbst 2013 festgestellt, die Durchschnittstemperatur sei seit 1998 etwas weniger als halb so schnell gestiegen wie in den Jahrzehnten davor. Schnell wurde tiefes Wasser der Ozeane als wichtiger Grund genannt: Es habe sich besonders erwärmt, sodass der Oberfläche und der Atmosphäre Energie entzogen wurde. Dies haben Chen und Tung nun einerseits mit Daten bestätigt - andererseits den Blick auf den Atlantik gelenkt und weg vom bisher verdächtigten Pazifik. Dort betreffe die Erwärmung des Wassers vor allem oberflächennahe Schichten, sagen die Forscher aus Seattle (Science, Bd. 345, S. 897, 2014).

Damit ist die Debatte keineswegs beendet, vielmehr nimmt sie Schwung auf. Erst am vergangenen Sonntag haben Wissenschaftler vom National Center for Atmospheric Research in Boulder, Colorado, ihre Sicht bekräftigt, der Pazifik sei der Ort der versteckten Wärme. Dort hätten die Passatwinde zugenommen, was womöglich Wärme ins Wasser gedrückt hat. Außerdem gab es in den vergangenen Jahren mehr der kühlenden La-Niña-Großwetterlagen als erwärmende El-Niño-Ereignisse. Beide Gruppen sind sich aber einig, dass die Wärme im Ozean - in welchem auch immer - nur zwischengespeichert wird und mit Wucht an die Oberfläche zurückkehren wird. Sie würde dann den derzeit zum Teil maskierten Klimawandel verstärken. Das könnte laut Verfechtern der Pazifik-Theorie schon in Kürze beginnen, wenn sich kräftige El Niños bilden. Oder in vielleicht 15 Jahren, wenn sich im Atlantik die Strömungen im Rahmen eines Zyklus wieder ändern, wie Chen und Tung annehmen.