Abtreibungspillen, Panzerkomponenten, tierquälerische Kosmetiktests - bislang geben die Patentämter Erfinderschutz für fast alles, was den Menschen einfällt. Ausgerechnet bei der Stammzellen-Forschung kommen Skrupel auf: Nach einem Grundsatzurteil des Europäischen Gerichtshofs dürfen Verfahren mit menschlichen embryonalen Stammzellen nicht patentiert werden. Dies ist schwer nachvollziehbar.
Bislang scherten sich Patentrichter weltweit wenig um die Moral. Zwar sind Erfindungen, die gegen die guten Sitten oder die öffentliche Ordnung verstoßen, in Europa schon seit fast 40 Jahren vom Patentschutz ausgenommen.
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Mikroskopische Aufnahme embryonaler Stammzellen: Das oberste europäische Gericht hat entschieden, dass kein Patent auf ein Verfahren mit menschlichen Stammzellen angemeldet werden kann, wenn dies die Zerstörung eines Embryos erfordert. (© REUTERS)
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Doch in der Praxis stießen Erfinder kaum einmal an diese Grenze. Ungerührt vergaben die Patentämter Erfinderschutz für fast alles, was den Menschen einfiel. Patente wurden für Abtreibungspillen genauso erteilt wie für Panzerkomponenten, Einschläferungsmittel oder für tierquälerische Kosmetiktests - obwohl sich über deren Anwendung ebenso trefflich streiten lässt wie über die Forschung mit embryonalen Stammzellen. Ausgerechnet bei diesem Thema aber kamen moralische Skrupel auf.
Dabei handelt es sich bei der Methode zur Herstellung von Nervenzellen aus Embryozellen, die nun Anlass für das ablehnende Urteil des Europäischen Gerichtshof war, zweifellos um eine Innovation, die allen Anforderungen des Patentrechts genügt. Sie ist neu, originell und würde sich unternehmerisch verwerten lassen. Ärzte träumen schließlich schon lange von neuen Therapien gegen Parkinson, Herzinfarkt und Querschnittslähmung mit Hilfe solcher und ähnlicher Zellen. Ein Milliardenmarkt täte sich auf.
Die Erfindung verstoße aber gegen die guten Sitten, meinten Patentrichter. Bei der Gewinnung der Stammzellen würden Embryonen zerstört - ein Angriff auf die Menschenwürde.Stammzellen nein, Föten ja Der Europäische Gerichtshof hat mit seinem Urteil nun diese Sicht der Dinge bestätigt. Aus menschlichen Embryonen gewonnene Stammzellen und daraus abgeleitete Innovationen dürfen in Europa nicht patentiert werden.
Die Arbeit mit embryonalen Stammzellen scheint in den Augen der Richter also moralisch verwerflicher zu sein als etwa die Entwicklung von Schnellfeuerwaffen oder die Herstellung gentechnisch veränderter Pflanzen, welche die Flora dieses Planeten womöglich für immer verändern.
Die neue Sonderstellung der embryonalen Stammzellen im Patentrecht ist absurd - auch deshalb, weil es Dutzende Patente auf Zellen menschlicher Föten gibt, die rund um die zwölfte Woche der Schwangerschaft abgetrieben wurden. Die Menschenwürde, welche die Richter zur Begründung anführen, ist ohne jeden Zweifel eines der höchsten Rechtsgüter.
Doch nicht jede Forschung mit Stammzellen bedeutet einen Angriff darauf, wie Parlamente und Gerichte nach keineswegs leichtfertigen Diskussionen längst entschieden haben. Die Forschung mit embryonalen Stammzellen ist in den meisten Ländern Europas legitimiert.
Viele erlauben auch die Gewinnung der Stammzellen aus Embryonen, die in Fruchtbarkeitskliniken zurückgeblieben sind.
Es ist moralisch durchaus fragwürdig, dass sich der Europäische Gerichtshof nun über diese mühsam gewonnenen Entscheidungen hinwegsetzt - und damit auch über die Rechte und die Menschenwürde jener Patienten, die auf neue Therapien hoffen.
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(SZ vom 19.10.2011/hai)
Mubarak-Prozess in Ägypten
Nur die Überschrift finde ich unpassend, der Fehler des Europäischen Gerichtshofes entstand nicht durch zu viel Moral, sondern durch zu wenig Vertrautheit mit relevanten moralphilosophischen Argumenten. Dass die Menschenwürde sinnvollerweise nur Personen zukommt und Personen notwendig bestimmte Eigenschaften haben, die Stammzellen nicht haben, kam dem Gericht leider nicht in den Sinn. Ich plädiere daher für "noch mehr Moral" in dem Sinne, dass solche Entscheidungsträger die vorliegenden moralphilosophischen (und m.E. schlagenden) Argumente zur Kenntnis nehmen, die zeigen, dass Stammzellen keine Menschenwürde zukommen kann.
Grüße,
der blinde Hund
http://derblindehund.wordpress.com
Liebe Teilnehmer(inn)en, verehrte Redaktion&IT-Management,
Bisweilen, das beobachten wir, schneidet das System Texte (von variabler Länge) einfach ab! Das scheint also nicht an der Länge des Beitrags zu liegen.
Könnten Sie bitte so nett sein und dem einmal technisch nachgehen? Der ganze Eindruck eines Beitrages geht davon nämlich baden!
Im Voraus auf jeden Fall vielen Dank!
Hier jetzt die Ergänzung nach dem gestrigen Abbruch:
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Schlussfolgerung: Man kann entweder nur alles oder gar nichts haben, sofern es sich um den gesamten genetischen Satz handelt mit der MÖGLICHKEIT, dass daraus ein Mensch entsteht. Sonderfälle wie Gefahr für die Mutter schließe ich zunächst hier aus.
Ich möchte nur sauber argumentieren: Nur der Wert, den der Mensch für uns selbst hat, entscheidet, was ich machen darf, und nicht irgend ein Zeitpunkt mit 'wäre vielleicht' oder 'könnte noch sein'!
Mit den besten Wünschen
Ihr
L-M
Absurd ist nicht das Urteil. Absurd sind die meisten Vergleiche, die hier gezogen werden: Dass die Menschenwürde bei Tierversuchen oder Genpflanzen kein Argument ist, bei Embryonen aber schon, halte ich nicht für absurd.
Dass Gerichte politische Entscheidungen überprüfen ist alles andere als fragwürdig.
Lediglich in einem Punkt kann ich zustimmen: Patente auf Föten aus Abtreibungen sollten auch verboten sein.
Verehrte Teilnehmer(inn)en,
Mir scheint, die Betrachtungsweise bei uns, mit was da experimentiert/umgegangen wird, gestaltet sich etwas schwierig, weil Emotionen hier eine große Rolle spielen.
Ich meine Folgendes: Die einen sehen in der Haltung dazu eine 'katholische' oder sonst religiöse Komponente und die anderen meinen, mit den Worten 'Nur Zellhaufen' punkten zu können. Religiöse Leute treten bisweilen fundamentalistisch auf und bringen dadurch sofort ihre Gegner auf den Plan, sie 'verbieten' dann gleich zu viel wie z.B. einige sogar das Blutspenden.
Ich spreche jetzt keinen von Ihnen persönlich an sondern berichte auch, was ich sonst in dieser Diskussion höre.
Ich möchte hier einmal die wichtigen Begriffe 'Zeit' sowie 'Möglichkeit' und 'Wirklichkeit' behandeln.
Letztendlich bestehen wir alle aus Elementarteilchen der Materie, aus solchen, die wir schon erkannt haben und sicher noch unbekannten Komponenten.
Es ist bei einem 'Zellhaufen' zunächst die MÖGLICHKEIT, zu einem Menschen zu werden, genau dann wenn der gesamte Gensatz nach der Verschmelzung zur Verfügung steht. Das ist - pardon - keineswegs 'katholisch' sondern rein wissenschaftlich wahr. An jedem von uns kann man das sehen!
Nun kommt die ZEIT ins Spiel: Durch die Komponenten, die wir alle halbwegs kennen, entwickelt sich der 'Zellhaufen' zu einem Menschen. Irgendwann ist er dann (wann eigentlich?) in der WIRKLICHKEIT angekommen. Das ist ebenso wenig katholisch oder irgendwie ideologisch.
Wenn man also - von welcher Seite auch immer - genau definieren will, ab wann ein 'Mensch' beginnt, begibt man sich zumindest auf gefährliches Glatteis!
Wenn nun religiöse Leute (zufällig auch die Katholiken, die durch die Missbrauchsfälle ohnehin beschädigt sind) mit der 'Verschmelzung von Samen und Eizelle' argumentieren müssen wir genau so fair sein wie bei Agnostikern oder anderen, die sagen, 'Von einer Seele zu sprechen ist zu keinem Zeitpunkt zulässig'.
Was ich aber definitiv ganz schlecht finde, ist die Behauptung, ab diesem oder jenem Zeitpunkt sei das erst ein Mensch! Hier fehlen uns schlichtweg die geeigneten Kriterien! Wie misst man das?
Schlussfolgerung: Man kann entweder nur alles oder gar nichts haben, sofern es sich um den gesamten genetischen Satz handelt mit der MÖGLICHKEIT, dass daraus ein Mensch entsteht. Sonderfälle wie Gefahr für die Mutter schließe ich zunächst hier aus.
Ich möchte nur sauber argumentieren: Nur der Wert, den der Mensch für uns sel
"... Schon allein deshalb nicht, weil eine mögliche Therapie der überwältigenden Mehrheit der Menschen verwehrt bliebe, weil sie schlicht zu teuer wäre".
In welcher Welt leben Sie eigentlich? Die Entwicklung eines Medikamentes kostet im Schnitt mehr als eine Milliarde Dollar. Die Entwicklung von Stammzelltherapien (und ich meine nicht die vielen klinischen Versuche, sondern ein ausgereiftes, zulassungsfähiges Therapeutikum) dürfte ebenso teuer sein. Wer soll das bezahlen? Ohne Patent macht das keine Firma, und der Staat ist ja wohl mehr als pleite. Man kann natürlich, wie offenbar Sie, gegen jedwedes Patent sein. Dies ist eine sicherlich ehrenwerte, aber vollkommen blauäugige Position, die in der Konsequenz zu Stillstand führt. Wie bereits geschrieben, unter dem Deckmantel des Moralischen von "christlichen" Politikern und Richtern hier vertreten, da keine realen wirtschaftlichen Interessen (anders als bei Panzern oder Abtreibungspillen) gefährdet sind!
Paging