Umweltbundesamt Stickstoff-Grenzwerte in Städten kaum einzuhalten

Der Straßenverkehr tut das Seine dazu. In Verbrennungsmotoren, vor allem mit Diesel, entstehen Stickoxide, Kurzformel: "NOx". Stickstoffdioxid gilt als gesundheitsgefährdend, es reizt die Atemwege. Europaweit gilt daher seit 2010 ein Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Doch reihenweise verlangten deutsche Städte und Ballungsräume zuletzt eine Fristverlängerung für die Einhaltung der NOx-Grenze, München ebenso wie Berlin, Hamburg ebenso wie quasi das komplette Ruhrgebiet.

Diesen Mittwoch läuft sie aus. Selbst in Umweltzonen mit ihren schärferen Vorgaben an Fahrzeug-Emissionen ist der Grenzwert offenbar nicht einzuhalten. Zuletzt waren Abgas-Tests des Umwelt-Thinktanks ICCT zu dem Ergebnis gekommen, dass selbst beim neuesten Diesel-Standard Euro 6 die NOx-Emissionen um das siebenfache über dem Grenzwert liegen - und damit auch weit über den jeweiligen Hersteller-Angaben.

Die neue EU-Kommission reagierte auf das Problem unlängst auf ihre Art: Sie schoss eine ursprünglich geplante Verschärfung der Luftreinhalte-Regeln kurzerhand ab. Einen entsprechenden Entwurf hatte noch die alte Kommission erarbeitet, er sollte die Höchstmengen der schädlichen Emissionen senken. Doch auch ein Appell von elf EU-Umweltministern, darunter die Deutsche Barbara Hendricks, konnte an der Entscheidung der Juncker-Kommission (Titel: "Neustart für Wachstum") nichts ändern. Aus Brüssel ist offenbar für die Lösung des N-Problems einstweilen nicht viel zu erwarten.

So wird sich am meisten in der Landwirtschaft erreichen lassen. Schon jetzt gibt es eine Zielmarke für Stickstoff, sie findet sich in den Nachhaltigkeitszielen der Bundesregierung. Schon seit 2010 soll sich der "Stickstoffüberschuss" bei 80 Kilogramm je Hektar eingependelt haben - er misst den Saldo zwischen dem eingesetzten Stickstoff und jenem, der sich schlussendlich in Nahrungsmitteln wiederfindet. Erreicht wurde dieser Wert nie, zuletzt lag er bei 95 Kilo.

Dabei ließe sich durch effizientere, gezieltere Düngung weitaus mehr erreichen, wirbt auch die Studie des Umweltbundesamtes - und schlägt neben einer Verschärfung der Düngeverordnung auch eine neue Zielmarke für das Jahr 2040 vor: maximal 50 Kilogramm je Hektar. Eine Lösung des N-Problems, so schreiben die Autoren, sei "äußerst lohnend". Schließlich würden so "eine Vielzahl von Umweltproblemen gleichzeitig angegangen".