Umweltbundesamt Stickstoff bedroht Pflanzen und Tiere

Landwirte nutzen Stickstoffverbindungen wie Ammoniumnitrat, um Felder damit zu düngen

(Foto: dpa)
  • 4,2 Millionen Tonnen sogenannten reaktiven Stickstoffs gelangen allein in Deutschland Jahr für Jahr in den Stickstoffkreislauf.
  • Das geht aus einer Studie des Umweltbundesamts hervor, die der SZ vorliegt.
  • Der erhöhte Stickstoffeinsatz führt zu erheblichen Umweltschäden.
Von Michael Bauchmüller, Berlin

Mit dem Stickstoff, dem chemischen Element N, ist es ein bisschen wie mit dem Kohlendioxid: Ohne N ist alles nichts. Wie CO₂ ist es Grundlage allen Lebens, Stickstoff macht 78 Prozent der Atemluft aus. Und wie das Treibhausgas Kohlendioxid birgt er auch eine ganze Menge Probleme, seit Menschen die Massenproduktion für sich entdeckt haben. "Wie so oft gilt: Die Dosis macht das Gift", sagt Maria Krautzberger, die Chefin des Umweltbundesamtes. Es gibt da eben auch ein ziemliches Problem namens N.

Jetzt schlägt die oberste Umweltbehörde Alarm. In einer Studie untersuchte sie die Auswirkungen des verstärkten Stickstoff-Einsatzes in der Landwirtschaft. Ergebnis: 4,2 Millionen Tonnen sogenannten reaktiven Stickstoffs gelangen allein in Deutschland Jahr für Jahr in den Stickstoffkreislauf, 60 Prozent davon in der Landwirtschaft. Dies aber führe "zu einer Reihe von Problemen, die dringend gelöst werden müssen", heißt es in der Studie, die der Süddeutschen Zeitung vorliegt.

Die Probleme freilich liegen nicht an dem Stoff an sich, sondern an den Verbindungen, die Menschen daraus haben entstehen lassen. Sie nutzen Stickstoffverbindungen wie Ammoniumnitrat, um Felder damit zu düngen - bis hin zu Gülle, Jauche und Mist, die ihrerseits Stickstoff enthalten. Je Bundesbürger gelangen so jährlich 50 Kilogramm solchen "reaktiven" Stickstoffs in den Stickstoffkreislauf.

Landwirtschaftliche Nährstoffe bedrohen seltene Arten

Nur ein Teil davon findet sich anschließend in der Nahrung wieder. Der Rest gelangt in die Luft oder verbleibt in Böden, wandert in Grundwasser, Flüsse und Meere. Bei der Hälfte aller Pflanzenarten, die wegen ihrer Gefährdung auf der "Roten Liste" gelandet seien, trügen erhöhte Nährstoffeinträge die Verantwortung, heißt es in der Studie. "Je mehr reaktiven Stickstoff wir unseren Ökosystemen zumuten, desto mehr seltene Arten drohen wir zu verlieren", sagt Amtschefin Krautzberger.

Die Nitratbelastung des Grundwassers nahm vielerorts zuletzt wieder zu, und in Nord- und Ostsee zählen Nährstoffe aus der Landwirtschaft nach wie vor zu den größten ökologischen Problemen - neben der Überfischung.