Umstrittene Studie Ehemänner + Hausarbeit = weniger Sex

Wer die Hausarbeit seiner Frau überlässt, hat besonders viel Sex mit ihr - behaupten spanische und amerikanische Wissenschaftler. Allerdings sind nicht alle Fachleute von der Studie übezeugt.

Von Christina Berndt

Erleichtert werden sich viele Männer die Lektüre zu Gemüte führen, die an diesem Mittwoch über allerlei Ticker läuft:

Ehemänner, die besonders wenig Hausarbeit erledigen, haben besonders viel Sex mit ihren Frauen. Das ist tatsächlich das Ergebnis einer wissenschaftlichen Studie, die im Original "Vive La Difference? Egalitarianism, Housework, and Sexual Frequency in Marriage" heißt und nun im American Sociological Review erscheint - einer angesehenen Fachzeitschrift.

Wenn alle Grenzen zwischen den Geschlechtsrollen aufweichen, folgern die Wissenschaftler, sei es eben kein Wunder, dass die sexuelle Attraktivität und das Verlangen leiden.

Männer, die ölverschmiert an Autos schrauben, ihre Muskeln beim Rasenmähen spielen lassen und das Bezahlen der Rechnungen übernehmen - sie bekommen der Studie zufolge statt der durchschnittlichen 5,2 Sexualkontakte pro Monat fast siebenmal Sex mit ihren Frauen.

Und es sei auch nicht so, dass diese Machos, die ihren Angetrauten das Kochen, Putzen und Einkaufen überlassen, ihre Frauen zum Sex zwingen, betonen die Wissenschaftler von der Juan-March-Stiftung in Madrid und der University of Washington in Seattle. Ganz im Gegenteil: Die Ehefrauen der Auto-Schrauber und Rasen-Mäher waren zufriedener mit ihrem Sexualleben als die der Geschirr-Spüler und Staub-Sauger.

Die Studie basiert auf Daten, die vor 20 Jahren im Rahmen des National Survey of Families and Households an 4500 repräsentativen Paaren in den USA erhoben wurden. Der Zusammenhang gelte aber heute gewiss immer noch, zeigen sich die Autoren überzeugt. Der Madrider Sabino Kornrich warnt Männer trotzdem davor, fortan nichts mehr im Haushalt zu tun - denn das könne die Zufriedenheit ihrer Partnerinnen torpedieren und statt eines besseren Sexlebens das Ende der Ehe einläuten.

Von den Schlussfolgerungen seiner Kollegen ist Thorsten Benkel weniger überzeugt: Es sei immer schwierig, von Menschen wahrheitsgetreue Antworten auf Fragen zu ihrem Sexualleben zu erhalten, gibt der Soziologe von der Universität Frankfurt zu bedenken. Und selbst wenn die Angaben stimmen, sei längst kein Kausalzusammenhang nachgewiesen: "Ob die Alltagsgestaltung eines Paares überhaupt etwas mit seinem Sexualleben zu tun hat?", fragt Benkel. "Ich bin da skeptisch."

Ohnehin steht das Ergebnis im Widerspruch zu bisherigen Studien, denen zufolge Ehemänner mehr Sex haben, wenn sie sich im Haushalt engagieren. Das hat zum Beispiel der Soziologe Scott Coltrane von der Riverside-Universität in Kalifornien im Jahr 2008 berichtet. "Je mehr die Männer Hausarbeiten übernehmen, desto glücklicher sind die Frauen", erklärte er seinen Fund.