Serie: Alternative Heilverfahren Ganzheitliche Verschleierungs-Strategien

Ein Nachwort zur Serie "Alternative Heilkunde" kann kurz ausfallen: Lassen Sie im Interesse Ihrer Gesundheit die Finger von den in dieser Serie beschriebenen Verfahren!

Von Colin Goldner

Für alle Verfahren, die in der hier vorliegenden Serie beschrieben wurden gilt: Das Risiko ist zu groß, dass Sie eine falsche oder irreführende Diagnose erhalten.

Darüber hinaus besteht die Gefahr, dass durch den Einsatz einer der genannten Praktiken - die über einen (allemal möglichen) unspezifischen Placeboeffekt hinaus im besten Fall überhaupt nichts bewirken - der rechte Zeitpunkt zum Einsatz einer verfügbaren und sinnvollen Therapie verzögert oder verhindert wird.

Im schlimmsten Fall können einzelne dieser Praktiken durchaus auch Schaden anrichten.

Skepsis ist allemal geboten, wenn von "Schwingungen" oder "Lebensenergien" die Rede ist, die da "gemessen", "gesteigert" oder "harmonisiert" werden sollen; desgleichen bei Begriffen wie "sanfter", "unkonventioneller", "komplementärer", "biologischer", "natürlicher", "spiritueller" oder sonstig "alternativer" Heil- oder "Erfahrungs"-Heilkunde.

In der Regel soll durch derlei Begriffe lediglich verschleiert werden, dass das jeweilige Verfahren durch nichts belegt ist.

Insbesondere der in der Szene ständig anzutreffende Begriff der "Ganzheitlichkeit", meist verbunden mit "...von Körper, Geist und Seele", der ein umfassenderes Herangehen suggeriert, als dies die wissenschaftlich abgesicherten Ansätze zu bieten haben, ist nichts als Phrase.

Verdächtig ist es auch, wenn Anbieter stets nur Anekdoten wundersamer Heilungsverläufe vortragen oder Heilsbekundungen begeisterter Anwender zitieren, anstatt seriöse und nachprüfbare Untersuchungen vorzuweisen. Abstand zu halten ist in jedem Falle von Therapieanbietern, die Gesundung beziehungsweise tiefgreifenden Wandel in kürzester Zeit versprechen.

Vorsicht bei fehlenden Wirksamkeitsnachweisen

Grundsätzlich ist von Verfahren abzuraten, die sich bislang einer seriösen Wirksamkeitsüberprüfung entzogen haben, beziehungsweise keinen ausreichenden Wirksamkeitsnachweis vorlegen können.

In der Tat fehlt für sämtliche der in der Serie aufgeführten Verfahren jede stichhaltige Wirksamkeitsuntersuchung, beziehungsweise wurde solche quantitativ und/oder qualitativ nur in völlig unzureichendem Maße vorgenommen. Oder aber sie fiel alles andere als überzeugend aus.

Abzuraten ist ferner von Anbietern, die über kein abgeschlossenes akademisches Fachstudium verfügen.

Ausreichende Qualifikation des Therapeuten und Wirksamkeitsnachweis des eingesetzten Verfahrens geben zwar keine Garantie für Erfolg, aber das Risiko seitens des Rat- und Hilfesuchenden ist minimiert.

Colin Goldner ist klinischer Psychologe. Er setzt sich seit etlichen Jahren kritisch mit alternativen Heilverfahren auseinander.