Ist ein Vierjähriger der Schlüssel zum Ursprung der Schweinegrippe? Die Bewohner einer mexikanischen Kleinstadt machen eine riesige Schweinefarm für den Ausbruch der Krankheit verantwortlich.
Es war Ende März, als die Erkrankungen begannen: Fast jeder sechste Einwohner der mexikanischen Kleinstadt La Gloria im Bundesstaat Veracruz litt an schweren Atemwegserkrankungen. Und die Ursache hatten die Bewohner schnell ausgemacht: Die Belastungen durch den Dung und die Gülle einer nahegelegenen Schweinefarm machen sie für den Ausbruch der Krankheit verantwortlich.
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Bewohner von La Gloria stehen vor dem Haus des Vierjährigen, der auf die Schweinegrippe positiv getestet wurde. Sie sind sich sicher: Die Seuche nahm hier ihren Ausgang. (© Foto: AP)
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Die Einwohner beschweren sich schon seit Jahren über den schrecklichen Gestank, der von dem rund 8,5 Kilometer entfernten und in direkter Windrichtung liegenden Betrieb ausgeht. Dort werden in 18 Riesenställen insgesamt 15.000 Schweine gehalten.
Seit dem Ausbruch der Schweinegrippe sind sich die Bewohner denn auch sicher: Die Krankheit stammt aus ihrer Stadt. Mexikanische Stellen bestätigen dies nicht. Für sie steht der Entstehungsort der Seuche noch nicht fest. Einer der ersten nachgewiesenen Fällen von Schweinegrippe war allerdings der eines Vierjährigen aus La Gloria. Der Junge, Edgar Hernandez , wurde auf denselben Erregerstamm positiv gestestet, der in Mexiko bereits mehrere Todesopfer forderte.
Die Erkrankung des Jungen fiel in die Zeit der Atemwegserkrankungen. Der Junge wurde in einem Krankenhaus behandelt und überlebte. Aber zwei Säuglinge aus derselben Kleinstadt starben. Die Erkrankten klagten über Symptome wie Fieber, starken Husten, Muskelschmerzen und Durchfall, berichtet der Guardian.
"Als wir die Berichte im Fernsehen gesehen haben, haben wir uns gesagt: 'Das ist, was wir hatten'", sagt Jose Luis Martinez. Für den 34-jährigen Einwohner von La Gloria steht fest: "Es kam alles von hier ... Die Symptome an denen die Leute leiden, sind die gleichen, die wir hatten." Zudem arbeitet nach seinen Angaben jeder Zweite aus dem Ort in Mexiko-Stadt und könnte die Krankheit leicht in die Hauptstadt verbreitet haben, wo die meisten Krankheitsfälle gemeldet werden.
Die Bewohner befürchten zudem, dass ihr Wasser und ihre Luft von den Misthaufen verseucht werden. Nach Medienberichten soll ein örtlicher Gesundheitsbeamter eine bestimmte Fliegenart, die sich in Schweinemist vermehrt, für den Ausbruch einer Krankheit in La Gloria nachgewiesen haben.
Die Betreiberfirma Granjas Carroll de Mexico, die zur Hälfte dem US-Konzern Smithfield Foods und damit einem der weltweit größten Produzenten von Schweinefleisch gehört, kann keinerlei Zusammenhang mit dem Betrieb und den Krankheitsfällen in La Gloria und der Schweinegrippe erkennen. Vielmehr handele es sich um ein "unglückliches Zusammentreffen", erklärt Betriebsmanager Victor Ochoa.
Und er zeigt Journalisten eine große schwarze Plastikplane, die über riesige Zement-Misthaufen gebreitet ist, um sie von der Außenluft abzuschirmen. "All unsere Schweine sind ausgereichend geimpft, und ihre Haltung entspricht den neuesten Anforderungen", betont Ochoa. Nach Angaben von Smithfield Foods gibt es keine Anzeichen oder Symptome für Schweinegrippe in seinen Partnerbetrieben in Mexiko, weder bei den Tierbeständen noch bei den Beschäftigten.
Das mexikanische Landwirtschaftsministerium konnte bislang ebenfalls keine Hinweise auf die Seuche in den Beständen der Farm im Staat Veracruz feststellen. Zudem wurden nach diesen Angaben auch sonst noch keine infizierten Schweine gefunden. Allerdings waren die Untersuchungen des Ministeriums möglicherweise nicht ausführlich genug. Nach Angaben von Farmmanager Ochoa wurde sein Betrieb bislang noch nicht untersucht.
Die UN-Welternährungsorganisation FAO bestätigt gleichwohl, dass es bislang noch keine Hinweise auf kranke oder sterbende Schweine in Mexiko gebe. Zugleich hält UN-Experte Juan Lubroth das mexikanische Überwachungssystem für ausreichend. Schließlich habe es zuvor eine andere Schweine-Seuche erkannt und ausgemerzt.
Für die mexikanischen Gesundheitsbehörden haben die Grippefälle in La Gloria nichts mit der Schweinegrippe zu tun. Von 30 untersuchten Menschen mit Atemwegserkrankungen sei lediglich bei einem, dem bereits genannten Vierjährigen namens Edgar Hernandez, das neue Virus nachgewiesen worden, wie Gesundheitsminister José Angel Córdova erklärt. Die Übrigen hätten an einer "normalen" Grippe gelitten.
Aber die Bewohner der Kleinstadt wollen sich damit nicht zufriedengeben. Für sie war Edgar, der wieder gesund wurde, nicht das einzige Opfer der Schweinegrippe in ihrem Ort. Die Grundschullehrerin Concepcion Llorente meint: "Sie sagen, dass wir hier eine untypische Grippe hatten, aber wenn der Junge positiv auf Schweinegrippe getestet wurde, bleibt die Frage, woher hatte er sie?"
(sueddeutsche.de/AP/hai)
Erster Arbeitstag als Chef der Deutschen Bank
habs grad schon gelesen (http://kommunikat.blog.de/2009/04/29/schweine-image-6030031/). man kann halt nicht genug auf die richtige namenswahl achten... ;)
Den Zusammenhang mit der Gentechnik kann ich nicht nachvollziehen. In welchem besseren Biologiebuch soll das denn stehen?
Neue Viren entstehen evolutiv auch völlig ohne Gentechnik. Einen Zusammenhang der grünen Gentechnik mit der Entstehung von humanpathogenen Viren ist mir bisher nicht über den Weg gelaufen und exististiert meines Wissensstand auch nicht.
Wissen wir doch schon lange: Schuld ist auch daran der amerikanische Imperialismus und der Präsident der Imperialisten und Faschisten Hussein B. Obama - oder ?
Mein Eindruck nach Lektüre des Beitrags:
Wenn da die Bewohner die Schweinegrippe mal nicht gegen die (natürlich lästige) riesige Schweinefarm instrumentalisieren. Sprich versuchen das Ärgernis mit Hilfe des Arguments: "Die Schweinegrippe kam von dort" wegzubekommen.
Denn die Erfahrung mit den Ausbrüchen der Vogelgrippe lautet: Mensch und Tier müssen zur Übertragung möglichst eng zusammenleben. Was sie in so einem Riesenbetrieb eben nicht machen.
Und als "Brutreaktor" reicht ja auch schon ein einzelnes Schwein aus.
Klar, in einem Land wie Mexiko werden schon mal Testergebnisse nicht so weitergegeben wie hier in Deutschland ... aber was ist wenn in dem Großbetrieb wirklich und nachweisbar KEIN Schwein erkrankt ist?
So sehr man über die frühkapitalistischen Zustände in der Produktion schimpfen mag ... der Produzent hat keinerlei Interesse dass seine Tiere krank werden. Und hat auch das know-how eine Erkrankung zu verhindern oder zu unterdrücken ... keep that in mind ...
Halten denn die Einwohner des Dorfes selbst keine Schweine?
"Qualitätspolitik
Der weitaus größte Teil der Produktion liegt in einem autarken System. ANIMEX besitzt eine geschlossene Produktionskette: von der Saat, über die Aufzucht, den Futtermittelanbau über die verschiedenen Aufzuchtsstufen hinweg, bis hinein in die Schlachtung, Zerlegung und Verarbeitung.
"...Hier werden keine Bescheinigungen von abhängigen Vorstufen eingefordert...", sondern im eigenen Betrieb Qualität eigenverantwortlich definiert und kontrolliert."
Quelle: Homepage Smithfield Foods
Animex gehört zum großen Teil Smithfield Foods, dem wiederum Granjas Carroll gehört.
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