Schnabelkürzen von Legehennen Revolution im Hühnerstall

Legehennen sollen sich zukünftig zum Beispiel mit "Picksteinen" beschäftigen können.

(Foto: dpa)

Mal ist es ein 800 Grad heißes Messer, mal ein Laserstrahl, mit dem Legehennen die Schnäbel gekürzt werden. Bald wird das wohl generell verboten sein. Die Entscheidung hat auch Einfluss auf den Eierpreis.

Von Marc Widmann, Hamburg

Mal geschieht es archaisch mit einem 800 Grad heißen Messer, mal modern per Lasertechnik: Millionenfach kürzen Geflügelhalter ihren Legehennen die Schnäbel, weil sich die Tiere sonst ob des Stresses in den Ställen gegenseitig an- oder gar totpicken würden. Vor allem die letzten Wochen der Legeperiode, wenn die Hennen groß sind und der Platz rar wird in den Massenställen, sind besonders blutig. Je stärker der Stress für die Tiere, desto heftiger picken sie zu, schon weil sie in vielen Ställen kaum Möglichkeiten haben, sich anders abzureagieren.

Das massenhafte Kürzen der sensiblen Schnäbel galt Tierschützern schon lange als barbarischer Akt - doch nun bahnt sich eine Zeitenwende an. Zuerst verbot Niedersachsen das Kupieren der Schnäbel vom Jahr 2017 an. Zehn weitere Länder bekundeten, sich anschließen zu wollen. Und jetzt, so jubilieren Tierschützer, scheint tatsächlich der Durchbruch erreicht: In diesen Tagen informierte der "Verein für kontrollierte alternative Tierhaltungsformen" (KAT) seine 2500 Mitgliedsbetriebe per Rundbrief darüber, dass das Verbot von 2017 an auch für sie alle gelten werde: "Wir möchten Sie bitten, sich rechtzeitig auf die Umstellung der Herden vorzubereiten."

Es handelt sich nicht um irgendeinen Nischenverein. Praktisch alle deutschen Supermarktketten verlangen von ihren Eierlieferanten, dass sie von KAT zertifiziert sind. Kurzum: Was dieser Verein beschließt, betrifft praktisch alle Eier in deutschen Supermärkten.

Eier werden wohl teurer

"Die KAT-Entscheidung ist ein erfreulicher Durchbruch für mehr Tierschutz", sagt Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer (Grüne). "Die schmerzhafte Praxis des Schnäbelkürzens bei Küken wird damit einheitlich in Deutschland und voraussichtlich auch in den Niederlanden beendet. Es kann nicht sein, dass Tiere amputiert und an die Ställe angepasst werden."

Etwa 5000 Ställe mit mehr als 70 Millionen Hennen sind bei KAT zertifiziert, in Boden-, Freilandhaltung oder Biobetrieben. Viele davon auch in den Niederlanden. Produzierte Eier: 20 Milliarden im Jahr.

Für die Hühnerhalter bedeutet das Verbot eine große Umstellung. Es wird nicht reichen, einfach das Licht in den Ställen zu löschen, damit die Tiere das blutige Picken stoppen. Vielmehr müssen Einstreu und Futterqualität verbessert werden; die Hennen brauchen "Beschäftigungsmaterial", wie es in der Fachsprache heißt. Picksteine zum Beispiel, die nicht viel kosten, manchem aber bislang zu teuer waren.

Ein Ei wird aufgrund der neuen Maßnahmen wohl teurer, vermuten die Tierschützer der Albert-Schweitzer-Stiftung. Um vier Cent.