Körpersprache Augen verraten keine Lügen

Wir senden ständig unbewusst Signale aus, die ein gewitzter Beobachter interpretieren kann. Die Blickrichtung eines Menschen soll zum Beispiel verraten, ob er lügt. Doch darauf sollte man sich besser nicht verlassen.

Von Sebastian Herrmann

Der Verdächtige schwitzt. Er rutscht auf seinem Stuhl hin und her, verhaspelt sich, stockt und strengt sich in seinen Ausführungen offensichtlich an. Sind das zuverlässige Zeichen, dass der Mann lügt? Oder versetzt die Verhörsituation nur einen Unschuldigen in Angst?

Trotz unzähliger Versuche bleibt es schwer bis unmöglich, an der Körpersprache abzulesen, ob ein Mensch lügt. In starkem Kontrast dazu steht die Gewissheit, mit der manche Menschen behaupten und einige Methoden versprechen, sie könnten mit großer Zuverlässigkeit Lügen entlarven.

Anhänger des Neurolinguistischen Programmierens (NLP), einer umstrittenen Methode der Lebensoptimierung, beharren seit Jahrzehnten darauf, dass sich Lügen an den Augenbewegungen ablesen ließen. Psychologen um Caroline Watt von der Universität Edinburgh und Richard Wiseman von der Universität Hertfordshire haben diese Behauptung überprüft und keinen Hinweis darauf gefunden, dass die Annahme zutrifft (PLoS One, Bd. 7, S. e40259, 2012).

Die unter NLP-Anhängern verbreitete Vorstellung ist simpel: Sagt ein Mensch die Wahrheit, blickt er nach links, lügt er, bewegen sich seine Augen nach rechts. Die Behauptung lässt sich ziemlich leicht überprüfen - was laut Watt bislang trotzdem nicht passiert war.

Die Psychologen zeichneten nun die Augen von Probanden per Video auf, die entweder logen oder Wahres berichteten. Dann wurden die Filme von Kollegen ausgewertet, die über den Inhalt der Studie nicht unterrichtet waren. Sie fanden keine Übereinstimmung zwischen Wahrheitsgehalt einer Aussage und den Augenbewegungen.

In einem zweiten Versuch sollten Probanden mithilfe der NLP-Methode Menschen beim Lügen entlarven, ebenfalls ohne Erfolg. Ihre Trefferquote lag auf Zufallsniveau.

Schließlich überprüften die Psychologen die NLP-Methode in einem dritten Versuch: Sie analysierten die Augenbewegungen in 52 Videos aus verschiedenen Ländern, in denen Menschen öffentlich um die Freilassung entführter Verwandter bitten. Bei der Hälfte der Fälle tauchten später Hinweise auf, dass die Bittsteller selbst die Täter waren. Abermals fanden sich keine eindeutigen Augenbewegungen.