Auch wenn Gewalt nicht grundsätzlich ein Ausländerproblem ist: Programme zur Vorbeugung von Jugendgewalt sollten auf Migrantenfamilien zugeschnitten werden, fordert Lösel.

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Solche Programme gibt es. Und sie wirken. Lösels Team hat in den vergangenen Jahren die Entwicklung von Kindern in mehr als 600 Familien beobachtet, von denen jede zweite von Erziehern, Sozialarbeitern und Psychologen unterstützt wurde.

"Die Eltern wurden trainiert, den Kindern Grenzen zu setzen und ihre Probleme wahrzunehmen", sagt Lösel. Kindergartenkinder wurden darin gefördert, sich in andere einzufühlen, deren Motive zu verstehen und die eigenen Aggressionen zu kontrollieren.

"Das Erziehungsverhalten der Eltern in der Trainingsgruppe hat sich tatsächlich verbessert", fasst der Psychologe die Ergebnisse zusammen. "Den Eltern rutschte zum Beispiel seltener die Hand aus. Und die Kinder waren weniger aggressiv."

Programme vor dem Aus

Trotz der Erfolge stehen die Programme vor dem Aus. Ihnen fehlt das Geld. Statt Konzepte umzusetzen, beschäftigen sich Politiker offenbar lieber mit "vordergründigen Erklärungen und kurzfristigen Interventionen", monieren die Psychiater in ihrem Manifest.

Zudem erlischt das Interesse am Problem Jugendkriminalität meist schnell wieder, sobald eine aufsehenerregende Gewalttat wie die von München ein paar Wochen zurückliegt.

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(SZ vom 24.6.2008)