Ohnehin sagt das Adjektiv "gemeinnützig" wenig über Ehrhaftigkeit und Gewinnstreben aus. "Das Label Gemeinnützigkeit allein bürgt für wenig", sagte Ralf Heyder vom Verband der Universitätsklinika Deutschlands während der Tagung der DGFG. Den Gewinnen ist dann zwar eine Grenze gesetzt, aber dennoch werden die Preise (im Branchenjargon Aufwandsentschädigungen genannt) von den Organisationen selbst kalkuliert, ebenso wie die Gehälter der beteiligten Manager.

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Die Hornhautbank München zum Beispiel gibt Hornhäute, die sie aus den USA für maximal 1200 Euro inklusive Transportkosten importiert, für 1500 Euro weiter, wie Martina Keller recherchiert hat. Der Unterschied entspreche den tatsächlich entstehenden Kosten, so die Geschäftsführerin der Bank.

Die Würde von Leichen

Vor diesem Hintergrund forderte die Hamburger Sozialwissenschaftlerin Ingrid Schneider einen offeneren Umgang mit den Aktivitäten rund ums menschliche Gewebe. Es müsse dafür gesorgt werden, "dass die Verwertungskette entkommerzialisiert wird", so Schneider.

Sie forderte zudem zur "Gewebesparsamkeit" auf. "Mit Rücksicht auf die Würde von Leichen sollten Gewebe nur verwendet werden, wenn es nichts anderes gibt oder wenn sie den Alternativen deutlich überlegen sind." Die Medizin müsse sich in ihrem immer größer werdenden Gewebebedarf selbst beschränken.

Manches hat sich bei der Verwertung menschlicher Leichen aber auch zum Guten verändert. Noch vor wenigen Jahren bedienten sich Ärzte nach Belieben - auch wenn sich der Spender lediglich zur Organspende bereiterklärt hatte. Dabei gab schon das Transplantationsgesetz von 1997 eine spezielle Einwilligung für Gewebespenden vor; diese Erfordernis macht das neue Gewebegesetz nun noch einmal zweifelsfrei klar.

Die Botschaft ist allerdings nicht überall angekommen. Allen Ernstes ließ sich der eigens für das Ethik-Referat geladene Soziologe Wolfgang van den Daele in Berlin zu der Bemerkung hinreißen, Ärzte dürften einem Organspender ruhigen Gewissens auch allein wegen der Herzklappen sein Herz entnehmen.

"Die Klappe wird ja zu demselben Zweck verwendet wie das Herz", sagte er; dabei vergaß er zu erwähnen, dass auch künstliche Klappen und solche von Tieren ihren Zweck erfüllen, während ein gespendetes Herz nicht zu ersetzen ist: "Wenn jemand die Klappen entnimmt", so das frühere Mitglied des Nationalen Ethikrates, "denke ich, dass niemand was dagegen hat."

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(SZ vom 12.11.2008/mcs)