Umgekehrt verhält es sich mit Eulen und Nachtschwalben, die aufgrund ihrer Nachtaktivität beide große Augen haben. Die DNS-Analyse ergab, dass sie ansonsten nicht viel gemein haben, außer, dass beide Vögel sind.

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So ist es auch bei den Tyrannen, die in Amerika die Fliegenschnäpper Eurasiens vertreten, aber keine sind; oder die Steißhühner Amerikas, die europäischen Rebhühnern ähneln und wie diese leben, aber keine Hühnervögel sind.

Vergangenes Jahr wies Claus König nach, dass der Rocky-Mountains-Sperlingskauz, den man für eine Unterart des Sperlingskauzes aus Mitteleuropa gehalten hatte, von diesem nicht nur geographisch, sondern auch verwandtschaftlich meilenweit entfernt ist. "Die Unterschiede im Erbgut sind derart groß, dass man ihn für eine andere Gattung halten kann", sagt König.

Manchmal jedoch führt auch der Blick ins Erbgut zunächst auf eine falsche Fährte. So war es bei einer sehr prominenten Tierart, dem Andenkondor. Er galt lange Zeit mit seiner Flügelspannweite von bis zu 3,20 Metern als der größte Neuweltgeier und damit größte Greifvogel überhaupt. In jedem Zoo, jedem Schulbuch und in Brehms Tierleben wurde der Kondor als der größte Greif der Welt beschrieben.

Dann hieß es plötzlich, er sei ein Storch. Denn im Gegensatz zu anderen Greifvögeln kann der Kondor keine Gegenstände ergreifen und anders als alle Greifvögel ist er stimmlos. Dafür spritzt er sich zur Kühlung Kot auf die Beine, wie es Störche tun. "Im Kondor, dem Abbild des Geiers schlechthin, haben wir es somit mit einem der spektakulärsten Fälle von Konvergenz in der Vogelwelt zu tun", schrieb Claus König aufgrund dieser Erkenntnisse in einer früheren Arbeit.

Die Aufregung in Fachkreisen war groß. Forscher der Universität Gießen zählten daraufhin die Chromosomen der Altwelt-Greifvögel und Neuweltgeier und fanden ebenfalls Hinweise darauf, dass der Kondor ein Storch sein könnte: Neuweltgeier haben 20 Makrochromosomen, genauso viele wie der Storch.

Umso erstaunlicher sind die neuesten Erkenntnisse, wonach die Neuweltgeier nun doch Greifvögel sind. "40 verschiedene Gene wurden jetzt bei einzelnen Organismen untersucht und verglichen", sagt Michael Wink. "Diese Methode ist eindeutiger und aussagekräftiger als das Chromosomenzählen." Die Neuweltgeier stehen demnach als eigene Linie neben den Altweltgeiern, die in zwei Gruppen unterteilt werden.

Getrennt hätten sich diese Linien vor etwa 40 Millionen Jahren, sagt der Molekularbiologe Wink. Das heißt: Neuweltgeier und Altweltgeier sind miteinander verwandt. Die Geschichte des Kondors zeigt, wie schwierig es ist, Lebewesen systematisch zu ordnen - 270 Jahre nachdem Carl von Linné damit begonnen hat.

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(SZ vom 27.03.2009/beu)