Bienensterben Kampf um ein Insektengift

Viele Pflanzen, die für die Ernährung der Menschen wichtig sind, werden von Insekten bestäubt. Die Zahl dieser Insekten hat stark abgenommen.

(Foto: REUTERS)

Sind moderne Pestizide schuld am Bienensterben? Die EU muss bald erneut über ein Verbot entscheiden. Aber manche Wissenschaftler befürchten, dass die Alternativen noch schädlicher sind.

Von Tina Baier

Es war ein jahrelanges Hickhack. Erst 2013 konnte sich die EU-Kommission schließlich dazu durchringen, jene Pflanzenschutzmittel zu verbieten, die in Verdacht stehen, für das Bienensterben in Europa und den USA verantwortlich zu sein.

In Deutschland dürfen viele dieser "Neonicotinoide" seither nicht mehr verkauft werden. Mehrere Produkte der Firma Bayer aus Leverkusen, die für den Privatgebrauch in Gärten und auf Balkonen entwickelt wurden, mussten vom Markt genommen werden. Ebenso das Mittel "Cruiser", der Schweizer Firma Syngenta, mit dem Bauern das Saatgut von Raps behandelt haben.

In einigen Monaten, im Dezember 2015, endet das Moratorium der EU. Bis dahin muss die Kommission entscheiden, ob die Neonicotinoide - kurz Neonics - wieder zugelassen werden, weiterhin verboten bleiben oder ob das Verbot vielleicht sogar noch ausgeweitet wird. 13 Forscher des EU-Wissenschaftsnetzwerks Easac, das Entscheidungsträger in der EU berät, haben jetzt eine Untersuchung veröffentlicht, in der die Neonics nicht besonders gut wegkommen. Der Bericht könnte dazu beitragen, dass die EU das Verbot aufrechterhält.

Pestizide könnten auch Hummeln schaden

"Es gibt immer mehr Hinweise darauf, dass der weitverbreitete prophylaktische Einsatz von Neonicotinoiden schwere negative Auswirkungen auf Nicht-Zielorganismen hat", schreiben die Wissenschaftler. Sie befürchten, dass die Pestizide Hummeln, Wildbienen, Schwebfliegen und Schmetterlingen, die ebenfalls wichtig für die Bestäubung von Pflanzen sind, sogar mehr schaden als den Honigbienen. "Der Fokus auf die Honigbiene hat die Debatte um die Neonicotinoide verzerrt", heißt es in dem Bericht. Honigbienen könnten Verluste nämlich besser "abpuffern" als andere Insekten, etwa indem die Königin mehr Eier legt.

Außerdem sei "der präventive Einsatz von Neonicotinoiden unvereinbar mit dem Grundsatz der integrierten Schädlingsbekämpfung in der Europäischen Union", schreibt Peter Neumann, Leiter der Easac- Arbeitsgruppe und Bienenforscher an der Universität Bern, in der Fachzeitschrift Nature.

Bei der integrierten Schädlingsbekämpfung geht es darum, durch die Kombination verschiedener Methoden den Einsatz von Pestiziden auf das unbedingt notwendige Maß zu begrenzen. Die Neonicotinoide werden in der Landwirtschaft aber oft auch dann eingesetzt, wenn weit und breit kein Schädling in Sicht ist.