Mythos Was es mit Kornkreisen auf sich hat

In dem Kinofilm Signs - Zeichen werden die mysteriösen Gebilde Außerirdischen zugeschrieben. In der Realität stecken dahinter Menschen.

Von Markus C. Schulte von Drach

Sie erscheinen über Nacht - riesige rätselhafte Zeichen und Symbole, und in dem gerade angelaufenen Film "Signs" sind es Spuren, die Außerirdische auf den Feldern eines von Mel Gibson gespielten Farmers hinterlassen.

Doch auch im wirklichen Leben tauchen die mysteriösen Piktogramme immer wieder auf, bevorzugt in Getreidefeldern, weshalb sie auch Kornkreise genannt werden.

So war es auch vor rund drei Wochen bei Gerlfangen im Kreis Saarlouis. Doch wer gehofft - oder gefürchtet - hatte, dies wäre ein Hinweis auf galaktischen Besuch, der wurde enttäuscht: Es handelte sich um die Demonstration zweier Männer aus Landau und Saarbrücken, die vorführen wollten, wie leicht sich ein Kornkreis unbemerkt legen lässt.

Moderner Mythos

Tatsächlich sind die häufig wie außerirdische Schriftzeichen wirkenden Kunstwerke von irdischen Künstlern angelegt worden. Ein Geheimnis ist das schon lange nicht mehr, meint Werner Walter von der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP). Walter hat das Auftreten der Kornkreise verfolgt, seit sie durch die Medien bekannt gemacht wurden. Für ihn ist das Phänomen ein "moderner Mythos".

Plasmatische Luftwirbel

Trotzdem haben sich selbst Wissenschaftler an natürlichen Erklärungen für die Piktogramme versucht. So gibt es etwa Veröffentlichungen in Fachzeitschriften wie Science. Doch die immer wieder angeführten so genannten plasmatischen Luftwirbel als Ursache sind durch die Komplexität der Muster im Korn selbst widerlegt, meint Walter. Das wäre ja ein künstlerisch veranlagtes Naturphänomen.

Circlemakers outen sich

Obwohl das Interesse der Medien an den Kornkreisen nach der Selbstbezichtigung der ersten Getreide-Künstler stark nachgelassen hat ist die Zahl der Piktogramme - und ihre Komplexität - weiter gestiegen. Doch nicht etwa, weil nun Außerirdische die Idee aufgegriffen hätten. Ganze Gruppen von Kornkreis-Legern haben sich offenbar zusammengefunden, die sich in einem regelrechten Wettbewerb gegenseitig zu übertreffen versuchen.

Eine dieser Gruppen, die sich als ,circlemakers' bezeichnet, betreibt sogar eine gleichnamige Internetseite. Unter ihnen ist der renommierte britische Grafik-Designer John Lundberg. "Wir wollen einfach nur sehen, wie sich Mythen und die Folklore darum entwickeln", erklärte er die heimlichen Aktionen.

Doch viele Menschen glauben trotzdem an natürliche, nicht von Menschen produzierte Kornkreise. "Wir gehen von einem Kornkreisphänomen aus, das viel länger existiert, als die natürlich ebenfalls vorhandenen menschlichen Kopien", erklärt Andreas Müller, der sich als "Kornkreisforscher" mit dem Thema beschäftigt. "Wir sehen unsere Forschungsansätze aber nicht in der Idee, die Kornkreise seien Landespuren von Aliens", so der Saarbrückener. Für ihn sind es Rätsel der bekannten oder unbekannten Natur. Dafür, so Müller, gibt es zahlreiche, naturwissenschaftlich fundierte Beweise.

Unterschiedliche Kristallinität im Boden?

Ein solcher Beleg ist für Müller unter anderem eine Studie des BLT Research Team Inc. in Cambridge, USA. Die Wissenschaftler des Instituts haben Bodenproben aus einem kanadischen Kornkreis untersucht und mit Proben aus der Umgebung verglichen. Dabei stellten sie eine erhöhte Kristallinität in den Tonmineralien aus dem Kornkreis fest, die sie als Hinweis auf eine kurze und extrem hohe Temperatureinwirkung interpretieren.

Doch die Proben, so kritisiert Walter, wurden von Kornkreis-Fans in die USA geschickt, und von der Entnahme der Proben bis zum Einreichen beim BLT-Team ist ihr Weg "mehr als schlecht dokumentiert". Auch seien die Ergebnisse von externen Wissenschaftlern als nicht wiederholbar beurteilt worden.

Ähnlich beurteilt Walter auch die häufig zitierten Erklärungen von Gerald Hawkins, einem emeritierten Astronom aus Boston. Der befand, die komplexen Geometrien der Figuren könnten nicht innerhalb weniger Stunden, noch dazu im Dunklen, in die Getreidefelder gelegt werden. Circlemakers wie John Lundberg haben Hawkins inzwischen widerlegt.

Doch für die Überlegungen des Astronoms hat Walter Verständnis: "Es ist nicht unüblich, dass außenstehende Wissenschaftler von solchen Dingen verblüfft werden und sich die Dinge komplizierter Denken als sie sind." Die gleichen Erfahrungen hat Walter auch mit dem Phänomen der UFOs gemacht, wo "Wissenschaftler sich ebenfalls häufig alles komplizierter machen, als es tatsächlich ist."

Wind und Regen

Rätselhaft bleibt allerdings der Text eines britischen Freizeitforschers aus dem Jahre 1880. In einem Brief an die renomierte Zeitschrift Nature beschrieb Rand Capron damals die Beobachtung von Kreisen in einem Kornfeld. Zuvor, so Capron, hatten in der Gegend heftige Gewitter gewütet. Danach fand er mehr oder weniger kreisförmig niedergedrücktes Getreide, was auf ihn "wirkte wie die Folge einer Art Wirbelsturm". Capron bemühte sich bereits damals, eine wissenschaftliche Erklärung wie Wind und Regen zu finden. An Außerirdische dachte er nicht.

"Natürliche Wind-Schäden mag es da und dort schon mal gegeben haben, die wirklich rund ausschauten", erklärt Werner Walter zu den weniger spektakulären Kornkreisen. Aber: "Der Kornkreis-Spuk", so sein vernichtendes Urteil, "ist die modern eingepackte Wiederkehr des alten britischen Spiritismus." Im 19. Jahrhundert wurden in den höheren gesellschaftlichen Kreisen gerne Tische gerückt und spiritistische Sitzungen abgehalten. Ominöse Ouija-Bretter gaben Antworten auf alle Fragen. Wenn man schon von "Wundern" sprechen will, so Walter weiter, "ist das größte Wunder die Fasziniation, die die Kunstwerke im Korn auf die Menschen ausüben."