400 Millionen Jahre alte Plattenhäuter Urzeit-Fische erfanden Sex

Wegen seiner Anatomie muss Microbrachius dicki sich wohl seitlich gepaart haben

(Foto: Brian Choo, Flinders University)

Forscher präsentieren das Fossil eines Tieres, das vor 400 Millionen Jahren zum ersten Mal kopuliert haben soll - und das wohl nur seitwärts. Die Entdeckung könnte bedeuten, dass Sex zunächst eine evolutionäre Sackgasse war.

Panzerfische sollen die ersten Lebensformen gewesen sein, die Sex hatten. Das berichtet ein Forscherteam um den Paläontologen John Long von der australischen Flinders University im Fachblatt Nature. Die fischähnlichen Wirbeltiere der Gattung Microbrachius lebten im Erdaltertum vor rund 385 Millionen Jahren. Fossilien der frühen Fische hatten Wissenschaftler in schottischen Seen gefunden.

Dass die Art Microbrachius dicki ein spezielles Körperteil besaß, sei ihm beim Durchstöbern einer Schachtel mit Fisch-Fossilien aufgefallen, sagte Long der BBC. Mithilfe dieser knochenartigen Ausstülpung habe Microbrachius seinen Samen in weibliche Exemplare übertragen und damit Eizellen befruchtet. Die Geschlechtsorgane, sogenannte Klasper, ähneln demnach denen heute lebender Haie und Knorpelfische. Bei weiblichen Fossilien fanden die Paläontologen das Gegenstück, eine knöcherne Struktur am Hintern, die den Klasper wohl bei der Paarung an Ort und Stelle hielt. Wegen der Anordnung der Körperteile paarten sich die Panzerfische seitlich, mutmaßen die Forscher. Mithilfe kleiner Flossen hätten sich die Fische dabei untergehakt, um in Position zu bleiben.

War der Sex zunächst eine evolutionäre Sackgasse?

Die Panzerfische wären demnach die erste Art, die zur Fortpflanzung auf eine innere Befruchtung gesetzt hat. Dabei werden die Spermien direkt in den Körper des Weibchens übertragen. Alle Säugetiere, aber auch Vögel und manche Insekten vermehren sich auf diese Art.

Fossil von Microbrachius

(Foto: Roger Jones, London, UK)

Gerade bei Panzerfischen die Anlagen für eine innere Befruchtung vorzufinden, ist evolutionär betrachtet überraschend. Die heute lebenden Fische stammen von den Panzerfischen ab; die modernen Arten vermehren sich jedoch meist durch äußere Befruchtung. Weibchen legen an geschützten Stellen ihre Eier ab und Männchen befruchten diese von außen. Daher vermuten die Forscher, dass die Kopulation zunächst wieder ausstarb. Erst einige Millionen Jahre später entwickelte sie sich dann vermutlich erneut.