Lichtnahrung Tödliche Esoterik

Können Menschen sich von Licht ernähren? Ein angeblicher Dokumentarfilm, der diesen Eindruck erweckt, hat eine Schweizerin offenbar dazu gebracht, sich zu Tode zu hungern.

"Am Anfang war das Licht", heißt ein Film, der als Dokumentation auftritt. Am Ende steht nun der Tod einer Zuschauerin, die die Behauptungen der Protagonisten des Streifens geglaubt hat und ihrem Vorbild folgen wollte: Wie die Schweizer Zeitung Tagesanzeiger berichtet, hat sich im Osten des Landes eine Frau zu Tode gehungert, weil sie davon überzeugt war, man könne sich von Licht allein ernähren.

In dem Werk werden vor allem der Schweizer Anthroposoph und Chemiker Michael Werner, der indische Yogi Prahlad Jani und die Australierin Ellen Greve alias Jashmuheen vorgestellt. Unter anderem mit Verweisen auf die Quantenphysik dürfen Esoteriker in dem Film behaupten, Menschen könnten sich von "feinstofflicher Energie" ernähren. Gemeint ist Licht, Lebensenergie, Qi, Prana - jedenfalls keine feste Nahrung.

Nachdem sie den Film gesehen hatte, versuchte die Schweizerin offenbar, den Empfehlungen des "Mediums" Jasmuheen zu folgen. Dreiwöchiges Fasten und Meditieren, so berichtet der Journalist Hugo Stamm vom Tagesanzeiger, sollen der Australierin zufolge im Körper einen Umwandlungsprozess hervorrufen, der zur Aufnahme von Prana führt. Doch bei der Mitfünzigerin funktionierte das nicht. Ihre Kinder fanden sie verhungert in ihrer Wohnung vor.

Sie ist nicht das erste Opfer der absurden Vorstellung, der menschliche Körper könnte über Lichtstrahlen anstatt über Nahrung Energie aufnehmen, die für den Stoffwechsel notwendig ist. 1997 starb in München ein 31-Jähriger an den mittelbaren Folgen des Versuchs, seinen Körper auf "Lichtnahrung" umzuproprammieren. Zwei Jahre später fand man eine 48-jährige Australierin in Schottland, die sich bei einem ähnlichen Versuch offenbar zu Tode gehungert hatte.

Der österreischische Regisseur von "Am Anfang war das Licht", Peter-Arthur Straubinger, hat auf Kritik bereits früher geantwortet, dass sein Film die Zuschauer nicht zu dem Versuch animieren soll, sich über Licht zu ernähren. Er warne sogar vor leichtfertigen Selbstversuchen. Eigenen Aussagen zufolge ist er allerdings davon überzeugt, dass die Lichtdiät funktionieren kann - obwohl alle bisherigen Untersuchungen der Vertreter der Lichtnahrung gezeigt haben, dass sie Gewicht verlieren, wenn sie bei ihrer Diät genau beobachtet werden.

So berichteten Forscher der Universität Bern bereits 2008, dass Michael Werner in einer zehntägigen überwachten Isoliation 0,260 Kilogramm pro Tag abnahm - insgesamt also 2,6 Kilo. Ihr Fazit: Die Ergebnisse widerlegten die Behauptung, man könne sich von Licht und Wasser ernähren. Beobachtet hätten sie einen normalen Fastenprozess.

Fakten, die die Möglichkeit einer Lichtdiät widerlegen, wurden von Straubinger zu wenig berücksichtigt. Skeptiker durften sich zwar äußern - gingen aber, so Stamm, "im vielstimmigen Chor der begeisterten Verfechter der Methode unter und wirken wie ein Feigenblatt".

Dass es bei der Ernährung mittels Licht nicht mit rechten Dingen zugeht, scheint inzwischen auch das angebliche Medium Jasmuheen erkannt zu haben. Sie distanziert sich selbst von ihren früheren Empfehlungen - aber natürlich nur, weil die Leute ihren Anweisungen nicht richtig folgen würden. Wer Schaden nimmt, trägt demnach selbst die Schuld.