Klimawandel Warum 2015 ein entscheidendes Jahr für den Umweltschutz wird

Wenn alles gut läuft, verabreden die Staaten 2015 erstmals gemeinsame Ziele für eine nachhaltige Entwicklung. Aber werden sie wirklich lernen, mit knappen Ressourcen zu wirtschaften?

Von Michael Bauchmüller

Die Nacht zum 12. Dezember 2015 will einfach nicht enden. Stundenlang verhandeln Staats- und Regierungschefs über die letzten, entscheidenden Details: Wer macht was im Kampf gegen die Erderwärmung? Wie lässt sich das messen? Was passiert, wenn es bei schönen Worten bleibt? In den frühen Morgenstunden schließlich steht es: das "Paris-Protokoll" zum Klimaschutz. Es krönt ein Jahr, in dem sich die Staatengemeinschaft endlich dazu durchringen konnte, den Raubbau zu beenden.

So könnte es kommen, wenn alles gut läuft. Es könnte aber auch danebengehen.

Eines steht jetzt schon, Ende 2014, fest: Im nächsten Jahr wird es einen beispiellosen Kampf gegen all jene Probleme geben, die an Grenzen nicht haltmachen. Die Millenniumsziele laufen aus, mit denen die Vereinten Nationen im Jahr 2002 Hunger und Ungleichheit bekämpften. Sie sollen jetzt durch neue, noch umfassendere Vorgaben ersetzt werden: Bis 2030 sollen sich die Staaten auf "Ziele nachhaltiger Entwicklung" festlegen - die aber dann auch die Nutzung der Ozeane, die Bewirtschaftung von Böden oder verschwenderischen Konsum betreffen. Im September 2015, bei der Vollversammlung der Vereinten Nationen, sollen die Sustainable Development Goals, kurz SDG, verabschiedet werden.

Glauben Sie, dass 2015 eine globale, nachhaltige Klimapolitik möglich sein wird?

Beim Pariser Klimagipfel im Dezember 2015 könnten sich sowohl Entwicklungs- als auch Industrieländer in einem zukunftsweisendem Protokoll zu einer nachhaltigen Klimapolitik verpflichten. Diskutieren Sie mit uns. mehr ... Ihr Forum

Keine drei Monate später steht in Paris dann die Entscheidung über ein neues globales Klimaabkommen an. Erstmals soll es alle Staaten betreffen - und nicht mehr, wie einst das Kyoto-Protokoll, nur eine Handvoll Industriestaaten. Es wäre jenes Abkommen, das 2009 in Kopenhagen so krachend misslang - auch damals im Beisein der wichtigsten Staatenlenker.

Vorbereitungen für ein Klimaschutz-Abkommen gibt es bereits

"Das Jahr 2015 wird die Lebensumstände unserer Enkel und auch derer Enkel maßgeblich mitbestimmen", sagt Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK). 2015 könnte jenes Jahr werden, in dem Staats- und Regierungschefs beginnen, mit knappen Ressourcen sorgsam zu wirtschaften - oder aber endgültig vor den großen gemeinsamen Problemen kapitulieren.

An Vorbereitungen mangelt es nicht. Für die Nachhaltigkeitsziele, die sogenannte Post-2015-Agenda, trat eine "offene Arbeitsgruppe" der Staaten insgesamt 13 Mal zusammen. Sie entwickelte 17 Ziele mit 169 Unterzielen, vom "Ende der Armut überall" bis zur "nachhaltigen Energie für alle", vom Stopp der Wüstenbildung bis zur Gleichberechtigung von Mann und Frau. Diesen Mittwoch legt UN-Generalsekretär Ban Ki Moon offiziell ein Papier vor, in dem er die bisherigen Ergebnisse zusammenfasst; es ist übersetzt in alle sechs Sprachen der Vereinten Nationen.

"Nie zuvor hat es derart umfassende Beratungen gegeben", sagt Ban. "Das Jahr 2015 läutet eine nie da gewesene Chance ein, durch gemeinsames Handeln unser künftiges Wohlergehen zu sichern." Dazu freilich müssten sich die Staaten tatsächlich auf messbare Ziele verständigen - auf die sich erstmals nicht nur die Entwicklungsländer, sondern auch Industriestaaten verpflichten, in einer "globalen Partnerschaft". Das macht die Klärung der Ziele nicht leichter: Erstmals stehen auch Lebensstil und Wirtschaftsweise der Industrieländer auf dem Prüfstand, ebenso das Wachstumsmodell aufstrebender Staaten.