Klimawandel Schwarzer Schnee

(Foto: Marco Tedesco/Lamont-Doherty Earth Observatory)

In jedem warmen Sommer wird Grönlands Eispanzer dreckiger und dunkler. Das treibt die Schmelze weiter an.

Von Christian Endt

Niemand hielt den Klimawandel je für eine saubere Angelegenheit. Eine Studie in der Fachzeitschrift The Cryosphere zeigt jetzt, wie viel Schmutz er in Grönland mit sich bringt: Mit dem Schmelzen des dortigen Eisschildes sammelt sich auf der Oberfläche immer mehr Dreck an. Wenn die oberen Schichten abtauen, sinken darin eingeschlossene Schmutzpartikel, zum Beispiel Ruß, nach unten. Sobald das Schmelzwasser abgeflossen ist, bleibt der Dreck konzentriert zurück. Weil schmutziges Eis dunkler ist, reflektiert es weniger Sonnenstrahlung. Das ist eine der Ursachen dafür, dass das Grönland-Eis seit 1996 immer weniger Licht in den Himmel zurückstrahlt, wie Forscher um Marco Tedesco von der Columbia University in New York mithilfe von Satellitenfotos zeigen. Ein weiterer Grund ist: Wegen der Erderwärmung taut der Schnee an der Oberfläche untertags oft an. Abends gefriert er wieder. Bei jedem Schmelz- und Gefrierzyklus ändert der Schnee seine Beschaffenheit, die Kristalle werden größer. Und je größer sie sind, desto weniger Licht reflektieren sie. Beide Effekte führen dazu, dass sich die Schmelze des Eises selbst verstärkt. Das wiederum beschleunigt den Anstieg des Meeresspiegels.