Klima Lässt der Klimawandel Afrika ergrünen?

Ein Tuareg in Mali beobachtet ein nahendes Gewitter. Laut manchen Klimaprognosen könnte es hier bald deutlich mehr regnen.

(Foto: Luis Dafos/Getty)

Die Erderwärmung könnte der trockenen Sahel-Zone schon relativ bald segensreichen Monsunregen bescheren. Die Übergangszeit dürfte für die betroffenen Menschen aber hart werden.

Von Marlene Weiß

Es steht außer Frage, dass der Klimawandel das Potenzial hat, viel Leid nach Afrika zu bringen, auf diesen ohnehin gebeutelten Kontinent. Eine neue Studie von renommierten Forschern hat nun jedoch ausnahmsweise ein Ergebnis zutage gefördert, das - mit Einschränkungen - hoffen lässt: Möglicherweise kommt mit der weiteren Erwärmung der Monsun in der Sahelzone an. Aus den kargen Ausläufern der Sahara, wo Bauern und Viehhirten heute meist mit Trockenheit kämpfen, könnten so möglicherweise grüne Regionen werden, wenn sich das Klima über 1,5 bis zwei Grad hinaus erwärmt hat.

Freilich ist das nur eine von mehreren Möglichkeiten - aber keine, die ganz von der Hand zu weisen ist. 30 verschiedene Klimamodelle haben Jacob Schewe und Anders Levermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung analysiert. Im Durchschnitt zeigen sie für die Sahel-Zone nur einen schwachen Trend hin zu etwas mehr Regen in einem wärmeren Klima. Allerdings gibt es große Unterschiede: Immerhin sieben unter den 30 Modellen sagen der Region im Laufe dieses Jahrhunderts 40 bis 300 Prozent mehr Regen voraus, weil der westafrikanische Monsun nach Norden expandiert.

Das regenreiche Phänomen ist schon öfter plötzlich aufgetaucht

Das Spannende daran ist, dass es nicht etwa nach und nach mehr tröpfelt über der Sahelzone. Vielmehr zeigt das Klimasystem, so, wie es diese Modelle nachbauen, einen Kipp-Punkt: Steigt die Temperatur der Meeresoberfläche im tropischen Atlantik und im Mittelmeer über einen bestimmten Wert, verändert sich das Klima schlagartig. Solche Kipp-Punkte sind gefürchtet, weil sie heftige, schwer zu kalkulierende und irreversible Veränderungen mit sich bringen können.

Auch in diesem Fall ist schwer abzusehen, was der Kipp-Punkt bedeutet - sofern es ihn gibt. In der Übergangszeit könne es laut Co-Autor Anders Levermann Jahre der Schwankungen zwischen Dürre und Flut geben, mit denen schwer zurechtzukommen ist. Von Mauretanien bis zum Sudan könnten mehr als 100 Millionen Menschen betroffen sein. "Die Region ist schon heute instabil mit heftigen Auseinandersetzungen und Kriegen", sagt Levermann.

Langfristig aber könnte ein Monsunklima segensreich sein für die Menschen in der Region. Es wäre auch nicht das erste Mal, dass ein Monsun plötzlich auftaucht: In der Erdgeschichte ist das in Asien und Afrika schon mehrmals passiert. Mit Klimaveränderungen kam oder ging der Monsun abrupt, und das, obwohl frühere Klimaverschiebungen viel langsamer vonstatten gingen als der menschengemachte Klimawandel. Eine Art Kipp-Punkt scheint also zur Natur des Monsun-Phänomens dazuzugehören.