Kaum größer als der Mond Astronomen entdecken kleinsten Exoplaneten

So groß sind die Planeten von Kepler-37 im Vergleich zum Mond, zum Merkur, zum Mars und zur Erde.

(Foto: REUTERS)

Mit einem Durchmesser von 3860 Kilometern ist Kepler-37b der kleinste Planet, den Astronomen bislang aufgespürt haben. Je mehr Exoplaneten entdeckt werden, die so groß wie die Erde oder kleiner sind, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, auf Spuren außerirdischen Lebens zu stoßen.

Noch nie wurde eine Planet entdeckt, der kleiner ist als jener, von dem Astronomen jetzt im Fachblatt Nature berichten: Kepler-37b besitzt nach den Berechnungen seiner Entdecker einen Durchmesser von nur 3860 Kilometern. Damit ist er nur etwa zehn Prozent größer als unser Mond, der am Äquator auf 3476 Kilometer kommt.

Der Winzling umkreist seinen Heimatstern einmal innerhalb von 13 Tagen. Die ferne Sonne besitzt noch zwei weitere Planeten, von denen einer etwas kleiner als die Erde ist, der andere etwa doppelt so groß. Kepler-37b befindet sich auf der innersten Bahn um seine Sonne Kepler-37.

Die Fachleute vermuten, dass es sich um eine luft- und wasserlose Gesteinswelt handelt, ähnlich dem Planeten Merkur in unserem System. Leben, so berichtet das internationale Forschertean um Thomas Barclay von der US-Raumfahrtbehörde Nasa, dürfte auf dem Mini-Planeten nicht möglich sein.

Bislang waren keine Planeten bekannt, die kleiner sind als diejenigen in unserem Sonnensystem.

Entdeckt hatten die Forscher den Kleinplaneten mit dem Nasa-Weltraumteleskop Kepler. Dieses beobachtet seit 2009 mehr als 150.000 Sterne daraufhin, ob Objekte ihr Licht verfinstern, wenn diese von der Erde aus gesehen direkt davor vorbeiziehen. Astronomen sprechen von einem Durchgang oder Transit und schließen daraus auf mögliche Planeten, die die Sterne umkreisen. Um die Größe des Planeten zu bestimmen, brauchen die Forscher allerdings auch möglichst genaue Informationen über seiner Sonne.

In diesem Fall nutzten die Fachleute die sogenannte Astroseismologie: Die Prozesse im Inneren von Sonnen führen zu Schwingungen auf ihrer Oberfläche, die sich als periodische Ab- und Zunahme des ausgestrahlten Lichts beobachten lassen. Die Frequenzen dieser Oszillationen geben den Wissenschaftlern Hinweise auf die Größe, den Aufbau und die chemische Zusammensetzung eines Sterns.

So stellen sich die Forscher Kepler-37b vor. Sie  gehen davon aus, dass er dem Merkur ähnelt - aber deutlich kleiner ist.

(Foto: Reuters)

Beim Stern mit der Katalognummer Kepler-37, der unserer Sonne ähnelt, jedoch etwas kühler ist, konnten die Wissenschaftler den Mini-Planeten und seine beiden Geschwister so aufspüren und ihre Größe schätzen.

Die Entdeckung des Planeten in einer Entfernung von 220 Lichtjahren zeige einmal mehr, dass ferne Planetensysteme sich deutlich von unserem unterscheiden können, heißt es in Nature. "Obwohl das Aufspüren eines einzigen Planeten nicht ausreicht, um Häufigkeiten zu bestimmen, stützt es die Annahme, dass die Zahl der Planeten mit abnehmender Größe exponentiell zunimmt", schreiben die Wissenschaftler.

Bislang sind mehr als 860 Exoplaneten entdeckt worden. Die meisten davon sind große Gasplaneten, die ihren Heimatstern eng umkreisen. Die Erde gehört dagegen eher zu den kleineren Himmelskörpern. Und je mehr kleine Planeten entdeckt werden, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass darunter eines Tages einer ist, auf dem sich - wie auf der Erde - Leben entwickeln konnte.

Ob der Himmelskörper Kepler-37b die strengen Bedingungen erfüllt, die in unserem Sonnensystem an einen Planeten gestellt werden, lässt sich gegenwärtig kaum überprüfen. Im Jahr 2006 hatte die Internationale Astronomische Union (IAU) den Begriff Planet erstmals wissenschaftlich definiert, was zur Degradierung von Pluto in die neue Kategorie Zwergplanet führte. Immerhin ist Kepler-37b etwa 60 Prozent größer als Pluto.

Die IAU-Definition gilt streng genommen jedoch nur für unser Sonnensystem, denn ein Planet ist demnach ein Himmelskörper, der um die Sonne kreist, unter seiner eigenen Schwerkraft annähernd kugelförmig zusammengedrückt wird und seine Umlaufbahn von anderen Objekten freigeräumt hat. Planeten anderer Sterne als der Sonne werden zur Unterscheidung als extrasolare Planeten oder kurz als Exoplaneten bezeichnet. Ob Kepler-37b einmal das Pluto-Schicksal teilen und seinen (Exo-)Planetenstatus verlieren könnte, ist noch unklar.