Die Evolutionstheorie musste wiederholt dafür herhalten, Diskriminierung und Rassismus zu rechtfertigen. Dabei stammt das berüchtigte Motto "Survival of the fittest" nicht einmal von Darwin.
Für viele Spielarten der menschlichen Kraftmeierei muss Charles Darwin bis heute herhalten. Das vermeintliche Recht des Stärkeren, der den Schwächeren unterjocht, wird vielfach auf die Evolutionslehre des britischen Naturforschers zurückgeführt - dazu zählen das Konkurrenzverhalten Einzelner ebenso wie gesellschaftliche Hierarchien und Ungerechtigkeiten aber auch Kämpfe und Kriege.
Ein Bild aus der Ausstellung "Tödliche Medizin. Rassenwahn im Nationalsozialismus" vom United States Holocaust Memorial Museum Washington. Die Nazinalsozialisten beriefen sich in ihrer Ideologie zu Unrecht auf Darwin. (© Foto: picture alliance)
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Darwin selbst hatte seine Theorie hauptsächlich auf die Tier- und Pflanzenwelt bezogen und sich von gesellschaftlichen Analogien wiederholt distanziert. Der Sozialdarwinismus übertrug die Darwinsche Lehre von der natürlichen Auslese nicht nur auf die Menschheitsgeschichte, sondern erklärte auch den Kampf zwischen Völkern, Rassen und Nationen zum Naturgesetz. Die Selektion durch "Struggle for life" und "Survival of the fittest" wurde schon bald als Grundkonstante der menschlichen Existenz und als bestimmende Ursache von Konkurrenz, Kampf und Krieg gesehen.
Der britische Philosoph und Soziologe Herbert Spencer und nicht Darwin prägte 1864 das berüchtigte Motto "Survival of the fittest". Darwin übernahm den Ausdruck in der fünften englischsprachigen Auflage seines Werkes "Die Entstehung der Arten", die 1869 erschien und benutzte ihn ergänzend zu seinem Fachbegriff von der natürlichen Selektion. Evolution bedeutete für Spencer vor allem Kampf ums Dasein. Spencer und nicht Darwin wurde damit zu einem der Begründer des Sozialdarwinismus, der das biologische Prinzip der natürlichen Auslese auch auf alle sozialen Beziehungen übertrug.
Spencer vertrat einen radikalen Liberalismus, in dem jeder seines Glückes Schmied, aber auch jeder an seinem Unglück selbst schuld war. Staatliche Wohlfahrtsleistungen lehnte er daher strikt ab. "Der Überlegene soll den Vorteil seiner Überlegenheit, der Unterlegene den Nachteil seiner Untergeordnetheit tragen. (...) Wenn nach dem Aufhören des kriegerischen Kampfes ums Dasein zwischen den einzelnen Gesellschaften nur noch der industrielle Kampf ums Dasein besteht, so muss das schließliche Überleben und die Ausbreitung jenen Gesellschaften vorbehalten bleiben, welche die größte Zahl der besten Individuen hervorbringen, d.h. solcher Individuen, die am besten dem Leben im industriellen Staate angepasst sind", schrieb er.
Kranke als "Ballastexistenzen"
Spencers Sozialdarwinismus ist vor allem eine radikalliberale Theorie der frühen Industriegesellschaft. Spätestens von 1900 an wurde das Prinzip des "Survival of the fittest" jedoch in die militärische Logik eines Rassenkrieges und in eine Vernichtung Kranker, Schwacher und Behinderter übersetzt - zunächst in der Theorie, nach der Machtergreifung der Nazis in der Praxis.
Schwache und Kranke sollten nicht länger von staatlicher Wohlfahrt oder privater Barmherzigkeit profitieren, sondern galten vielmehr als "Ballastexistenzen". Wollte eine Gesellschaft den Überlebenskampf der Nationen und Rassen gewinnen, musste sie sich demnach dieser Menschen entledigen. 1920 plädierten der Leipziger Straf- und Staatsrechtler Karl Binding und der Freiburger Psychiater Alfred Hoche für "die Freigabe der Vernichtung lebensunwerten Lebens". Darwins Ideen waren längst verunstaltet und umgeformt worden und mündeten in dieser pervertierten Form in die nationalsozialistische Euthanasiepolitik und Judenvernichtung.
In der Rezeption von Darwins Werk wurde das Schlagwort vom "Survival of the fittest" immer wieder als Überleben des Stärkeren oder des Tüchtigeren missgedeutet. Dabei verstand Darwin unter Fitness ausdrücklich die bessere Anpassung an die jeweiligen Lebensbedingungen. Nicht jenes Tier war zwangsläufig "fit", das über körperliche Größe oder Stärke verfügte, sondern jenes, das sich trotz widriger Umstände am besten fortpflanzen und die Art erhalten konnte. Der Erfolg stellte sich nicht in einem Sieg über den Kontrahenten ein, sondern war erst nach dem Tod der Kreatur abzulesen - in der Zahl der Nachkommen.
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Wo genau ist da der Widerspruch, Peter31?
Wer hat Ihnen denn Vernunft, Moral und Mitgefühl gegeben, wenn nicht die Natur?
Aber es gibt halt auch Grenzen des Mitgefühls. Dieser Planet ist kein Museum und kann auch nicht so gestaltet werden.
@ szl3636:
auch wenn sich das platt anhört:
es ist überhaupt keine Notwendigkeit, dass sich das Verhalten des Menschen und insbesondere einer Gesellschaft nach den Zwängen (oder Gesetzten) der Natur zu richten hat.
Ich bin sogar der Überzeugung, dass sie (Mensch und Gesellschaft) es sogar nicht darf, sondern vielmehr von Vernunft, Moral und Mitgefühl geleitet werden sollte.
Diesen Artikel kann man sich getrost sparen. Außer: "Es kann nicht sein, was nicht sein darf." steht da nichts drin, und wenn da am Rande doch mal was drin steht, wie "zunächst in der Theorie, nach der Machtergreifung der Názis in der Praxis", dann ist das auch noch falsch, denn Eugenik wurde bereits vor dieser Machtergreifung angewandt, z.B. auf Landstreicher, welche zwangssterilisiert wurden.
Auch ist die ganze Verteidigungslinie gegen den Sozialdarwinismus verfehlt. Das Problem besteht keineswegs darin, daß Sozialdarwinisten zu blöd wären, Darwins Theorien richtig anzuwenden, sondern darin, daß eine IST-Beschreibung es nicht nötig hat, in eine SOLL-Forderung überführt zu werden. Die Verhaltensweise der Menschen ist etwas Natürliches und selbst der Evolution unterworfen. Wenn die Menschen zu sozial für den natürlichen Maßstab wären, so würde sich die Natur dessen annehmen. Dasselbe gilt für Menschen, welche zu psychópathisch gesonnen sind. Wenn ein Volk nicht dem entspricht, was einige seiner Denker für lebenstüchtig halten, so steht es jenen Denkern ja frei, sich einem anderen Menschenschlag zuzuwenden. Der Richter bleibt stets die Natur und die Zukunft. Hingegen andere Menschen seinen eigenen Richtlinien zu unterwerfen ist nichts anderes als ein Angriff auf deren Substanz und nicht wesentlich von anderen Angriffen verschieden, welche z.B. auf das Eigentum des anderen zielen, in diesem Fall ist es eben das Recht zu entscheiden, auf welche Weise man leben möchte, welches geraubt wird und dafür gibt es keine Rechtfertigung.
Etwas anderes ist es natürlich, wenn man die natürlichen Entscheidungen akzeptiert und nicht aus falsch verstandener Verantwortung zu verhindert gedenkt.
Darwin war KEIN Rassist.
Darwins Evolutionstheorie, bezog sich ausschließlich auf die Tierwelt. Und dort ist der Begriff "RASSE" keineswegs rassistisch zu verstehen, sondern dient wie die Begriffe Art, Familie, Unterart etc. lediglich der KATALOGISIERUNG!!! der Fauna.
@radiman: So und diese Theorie von Darwin legen Sie nun als Rassismus aus? Im grunde war das ja nur ein gedankenspiel und Gedankenverbrechen gibt es nicht. Ausserdem heist so eine Aussage ja nicht das er es gut sndern nur Warscheinlich nennt. Wenn ich also sage "in 200 Jahren werden mit an Sicherheit grenzender Warscheinlchkeit Milliarden von menschen sterben da die neuen Ackerflächen langsamer Wachsen als die Wüsten und das Meer jetzt schon halb tot ist und sich trotzdem vermehrt wird wie die kaninchen." bin ich ja deshalb kein befürworter von Milliatrdenfachen verhungern und verteilungskämpfen oder?
Paging