Insekten Das Liebesleben der Biene

Eine Arbeiterbiene auf dem Rückweg zu ihrem Stock.

(Foto: dpa)

Bienen gelten als fleißige Nutztiere. Tatsächlich ist das Leben und Lieben der Arbeiter und ihrer Königin komplex, faszinierend - und für manche Drohne tödlich.

Von Johanna Adorján

Von den vielen interessanten Dingen, die es über Honigbienen zu erfahren gibt, ist die Sache mit der Paarung natürlich eine der interessantesten. Eine junge Königin verlässt dafür im zarten Alter von ein bis zwei Wochen erstmals ihren heimischen Stock und fliegt zu einen bestimmten Platz, vom Menschen behelfsmäßig Drohnensammelplatz genannt, über dem bereits mehrere tausend männliche Honigbienen, Drohnen, paarungsbereit ihre Bahnen ziehen. Diese haben sich aus unterschiedlichen Himmelsrichtungen hierher aufgemacht, mit dem einzigen Ziel: eine junge Königin zu besamen.

Etwa zwölf von ihnen werden zum Zug kommen, zwölf von 20.000, wozu einiges an Geschicklichkeit gehört, denn die Nummer vollzieht sich im Flug. Hochzeitflug haben das romantisch verklärend die Menschen getauft. Die anderen 19.988 haben das Nachsehen. Wobei: sie können sich auf ihrem Rückflug immerhin damit trösten, dass sie zurückfliegen können. Die zwölf glorreichen Sieger nämlich sind an dieser Stelle bereits tot. Nach dem Geschlechtsakt bleibt der Penis des Drohns in der Königin stecken und der Drohn fällt, als hinge sein Leben buchstäblich an seinem Penis, von ihr herab und stirbt.

Was die Heimkehrer vielleicht noch nicht wissen: die Arbeiterinnen, die sie in ihrem Volk immer so lieb füttern und pflegen, werden sie nach der Sommersonnenwende mitleidlos verhungern lassen, denn an Drohnen besteht dann kein Bedarf mehr, und ein Bienenvolk denkt effizient. Die Königin dagegen, der ein solcher Begattungsflug meist für ihr ganzes Leben lang reicht, wie man bei zwölf toten Liebhabern ja auch gut verstehen kann, wird für den Rest ihrer Tage die Nachkommen der Verstorbenen austragen, und wenn sie nicht gestorben ist (und das Ganze nicht länger her als vier Jahre ist), tut sie das möglicherweise noch heute.

Den Puristen unter den Bienenliebhabern wird diese Schilderung der Tatsachen, auch wenn alles daran wahr ist, zu vermenschlicht sein. Doch dann haben sie "Biene Maja" nicht gelesen, beziehungsweise "Die Biene Maja und ihre Abenteuer", wie das 1912 erschienene Kinderbuch von Waldemar Bonsels mit ganzem Titel heißt. Darin kann die Biene Maja sogar erröten. Und winken, mit zarten Fingerchen und pochendem Herzen. Und in ihren großen Augen stehen oft Tränen. Bonsels schrieb das Buch in Oberschleißheim, und genau dort lässt er seine Biene Maja auch herumfliegen, quer durch den Schlosspark und den angrenzenden Wald.

Und wie geht es den Bienen heute? Ein Besuch bei zwei Imkern in Oberschleißheim, um einmal nachzusehen, ob man dort in diesem Frühjahr etwas vom weltweiten Bienensterben mitbekommt, von dem immer häufiger die Rede ist. Was macht die Königin gerade? Und geht es den Drohnen noch gut?

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