Genveränderte Pflanzen Extrem widerspenstig

Der Fall eines Rapsfeldes in Schweden zeigt: Genveränderte Pflanzen können bis zu zehn Jahre im Boden überdauern. Und sie wieder loszuwerden, ist fast unmöglich.

Von Katrin Blawat

Eigentlich hätte das Feld kahl sein müssen. Zehn Jahre lang hatten Mitarbeiter des schwedischen Landwirtschaftsministeriums Gift gespritzt, jährlich gepflügt und jede Rapspflanze ausgerupft, die sich trotz dieser Behandlung auf der 1200 Quadratmeter großen Versuchsfläche behaupten konnte.

Äußerlich lassen die Pflanzen nicht erkennen, ob sie genverändert sind. Oft wissen es auch der Landwirt und die Verbraucher nicht.

(Foto: Foto: AP)

Doch als die Pflanzenökologin Tina D'Hertefeldt und ihre Kollegen von der Universität in Lund das Feld ein letztes Mal abschritten, fanden sie 15 Rapspflanzen, die allem versprühten Gift zum Trotz aus der Erde lugten.

Wenige Stunden nach dem überraschenden Fund hatten es die Laboranalysen bestätigt. Die 15 Rapspflanzen trugen ein verändertes Erbgut in sich, das sie resistent gegen das Unkrautmittel Glufosinat machte (Biology Letters, online). Alles andere Leben auf dem Feld hatte das Gift dagegen erwartungsgemäß ausgerottet.

"Das Ergebnis hat uns enorm überrascht"

Die 15 Pflanzen waren die Reste einer Saat, die ein schwedisches Biotech-Unternehmen 1995 auf das Feld gebracht hatte. Die Wissenschaftler wollten herausfinden, wie lange gentechnisch veränderte Pflanzensamen im Boden überdauern können.

"Das Ergebnis hat uns enorm überrascht", sagt D'Hertefeldt. Dass gentechnisch veränderte Pflanzen auch nach vier Jahren noch spontan auf einem Feld auftauchen können, wo keiner mehr mit ihnen rechnet, war bekannt. Aber zehn Jahre?

Die Ergebnisse der schwedischen Forscher nähren die Befürchtung, dass sich die Ausbreitung gentechnisch veränderter Pflanzen kaum kontrollieren lässt. "Ich glaube nicht, dass wir genveränderte Rapspflanzen auf einem Feld jemals ganz los werden", sagt D'Hertefeldt.

Bisher warten Landwirte üblicherweise vier Jahre, ehe sie ein Gentech-Rapsfeld wieder für den konventionellen Anbau nutzen. In diesem Zeitraum werden zwar die meisten nachwachsenden genveränderten Pflanzen vernichtet. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass einige überleben und somit eine komplette Ernte verunreinigen können, ist groß.

"Raps ist eine schwer zu kontrollierende Pflanze", sagt D'Hertefeldt. Wollten die Bauern sich gegen Verunreinigungen absichern, müssten sie ein Feld, auf dem einmal gentechnisch veränderte Rapspflanzen standen, für etwa zwölf Jahre ungenutzt lassen - und enorme Kosten in Kauf nehmen.

Verbraucher sind kaum informiert

Raps ist nach Soja und Mais die Pflanze, die am dritthäufigsten gentechnisch verändert wird. Die eingeschleusten Gene machen die Pflanzen resistent gegen Insektizide und Herbizide. Der Landwirt kann großflächig Gift sprühen, das alles Leben außer den Gentech-Pflanzen vernichtet. Gentechnisch veränderter Raps, ist auch unter dem Namen Canola bekannt und wächst vor allem in den USA und Kanada.

Auch in Öl, das in Deutschland verkauft wird, können sich Spuren dieser Pflanzen finden. Dann lässt sich aber die genaue Herkunft der Pflanze nicht mehr nachvollziehen - der Verbraucher erfährt also nicht, ob das Öl im Supermarkt von unbeabsichtigt verunreinigten Pflanzen stammt.

Nicht nur genveränderter Raps landet auf diese Weise in deutschen Supermärkten. Dass in Deutschland selbst nur wenige Gentech-Pflanzen wachsen, wird dann zur Nebensache. Allein 40 Millionen Tonnen Soja gelangen jährlich als Futtermittel für Rinder und Schweine aus den USA und Südamerika in die Europäische Union.

Der Großteil davon ist gentechnisch verändert, doch im Normalfall erfährt der Verbraucher nichts davon. Fleisch und Milchprodukte von Tieren, die gentechnisch veränderten Mais oder Soja bekommen haben, müssen nicht gekennzeichnet werden.

Vor wenigen Tagen erst hat die Europäische Union die Einfuhr der gentechnisch veränderten Maissorte GA 21 erlaubt. In Futtermittel-Importen aus Argentinien hatten Kontrolleure in der Vergangenheit immer wieder Spuren dieser genveränderten Sorte gefunden. Die Schiffsladungen, die die Importeure bisher auf eigene Kosten vernichten mussten, dürfen sie nun zum normalen Preis verkaufen.

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