Der Fall eines Rapsfeldes in Schweden zeigt: Genveränderte Pflanzen können bis zu zehn Jahre im Boden überdauern. Und sie wieder loszuwerden, ist fast unmöglich.
Eigentlich hätte das Feld kahl sein müssen. Zehn Jahre lang hatten Mitarbeiter des schwedischen Landwirtschaftsministeriums Gift gespritzt, jährlich gepflügt und jede Rapspflanze ausgerupft, die sich trotz dieser Behandlung auf der 1200 Quadratmeter großen Versuchsfläche behaupten konnte.
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Äußerlich lassen die Pflanzen nicht erkennen, ob sie genverändert sind. Oft wissen es auch der Landwirt und die Verbraucher nicht. (© Foto: AP)
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Doch als die Pflanzenökologin Tina D'Hertefeldt und ihre Kollegen von der Universität in Lund das Feld ein letztes Mal abschritten, fanden sie 15 Rapspflanzen, die allem versprühten Gift zum Trotz aus der Erde lugten.
Wenige Stunden nach dem überraschenden Fund hatten es die Laboranalysen bestätigt. Die 15 Rapspflanzen trugen ein verändertes Erbgut in sich, das sie resistent gegen das Unkrautmittel Glufosinat machte (Biology Letters, online). Alles andere Leben auf dem Feld hatte das Gift dagegen erwartungsgemäß ausgerottet.
"Das Ergebnis hat uns enorm überrascht"
Die 15 Pflanzen waren die Reste einer Saat, die ein schwedisches Biotech-Unternehmen 1995 auf das Feld gebracht hatte. Die Wissenschaftler wollten herausfinden, wie lange gentechnisch veränderte Pflanzensamen im Boden überdauern können.
"Das Ergebnis hat uns enorm überrascht", sagt D'Hertefeldt. Dass gentechnisch veränderte Pflanzen auch nach vier Jahren noch spontan auf einem Feld auftauchen können, wo keiner mehr mit ihnen rechnet, war bekannt. Aber zehn Jahre?
Die Ergebnisse der schwedischen Forscher nähren die Befürchtung, dass sich die Ausbreitung gentechnisch veränderter Pflanzen kaum kontrollieren lässt. "Ich glaube nicht, dass wir genveränderte Rapspflanzen auf einem Feld jemals ganz los werden", sagt D'Hertefeldt.
Bisher warten Landwirte üblicherweise vier Jahre, ehe sie ein Gentech-Rapsfeld wieder für den konventionellen Anbau nutzen. In diesem Zeitraum werden zwar die meisten nachwachsenden genveränderten Pflanzen vernichtet. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass einige überleben und somit eine komplette Ernte verunreinigen können, ist groß.
"Raps ist eine schwer zu kontrollierende Pflanze", sagt D'Hertefeldt. Wollten die Bauern sich gegen Verunreinigungen absichern, müssten sie ein Feld, auf dem einmal gentechnisch veränderte Rapspflanzen standen, für etwa zwölf Jahre ungenutzt lassen - und enorme Kosten in Kauf nehmen.
Verbraucher sind kaum informiert
Raps ist nach Soja und Mais die Pflanze, die am dritthäufigsten gentechnisch verändert wird. Die eingeschleusten Gene machen die Pflanzen resistent gegen Insektizide und Herbizide. Der Landwirt kann großflächig Gift sprühen, das alles Leben außer den Gentech-Pflanzen vernichtet. Gentechnisch veränderter Raps, ist auch unter dem Namen Canola bekannt und wächst vor allem in den USA und Kanada.
Auch in Öl, das in Deutschland verkauft wird, können sich Spuren dieser Pflanzen finden. Dann lässt sich aber die genaue Herkunft der Pflanze nicht mehr nachvollziehen - der Verbraucher erfährt also nicht, ob das Öl im Supermarkt von unbeabsichtigt verunreinigten Pflanzen stammt.
Nicht nur genveränderter Raps landet auf diese Weise in deutschen Supermärkten. Dass in Deutschland selbst nur wenige Gentech-Pflanzen wachsen, wird dann zur Nebensache. Allein 40 Millionen Tonnen Soja gelangen jährlich als Futtermittel für Rinder und Schweine aus den USA und Südamerika in die Europäische Union.
Der Großteil davon ist gentechnisch verändert, doch im Normalfall erfährt der Verbraucher nichts davon. Fleisch und Milchprodukte von Tieren, die gentechnisch veränderten Mais oder Soja bekommen haben, müssen nicht gekennzeichnet werden.
Vor wenigen Tagen erst hat die Europäische Union die Einfuhr der gentechnisch veränderten Maissorte GA 21 erlaubt. In Futtermittel-Importen aus Argentinien hatten Kontrolleure in der Vergangenheit immer wieder Spuren dieser genveränderten Sorte gefunden. Die Schiffsladungen, die die Importeure bisher auf eigene Kosten vernichten mussten, dürfen sie nun zum normalen Preis verkaufen.
In welchen Lebensmitteln Gentechnik steckt und warum wir uns kaum dagegen wehren können, lesen Sie ausführlich im neuen SZ Wissen, erhältlich am Kiosk.
(SZ vom 03.04.2008/mcs)
Linke-Vize-Chefin Wawzyniak
Der Beitrag von Frau Blawat enthält viele Ungenauigkeiten.
ad 1: Das Feld wurde 10 Jahre ortsüblich genutzt, nur dass kein Raps angebaut wurde. Es wurde keinesfalls immer wieder gift gespritzt.
ad 2: Es wurden nicht nur 15, sondern 32 Rapspflanzen gefunden, von denen allerdings 15 resistent gegen das Herbizid waren.
ad 3: Das Herbizid richtet sich nur gegen höhere Pflanzen, Bodenorganismen etc. sind auch "Leben" und wurden natürlich nicht ausgerottet.
ad 4: Das Ergebnis kann nicht überraschen. Rapssamen überdauern sehr lange im Boden. Das ist seit vielen Jahren in der Branche bekannt, nur Laien lassen sich von solchen Artikeln ins Bockshorn jagen. Als erucasäurefreie Rapssorten Mitte/Ende der 70er Jahre eingeführt wurden, gingen die Erucasäuregehalte der Durchwuchspflanzen kontinuierlich bis auf heute 0 zurück.
ad 5: die deutschen Züchtungsunternehmen fordern deshalb seit langem Schwellen für gentechnische Kontamination. Die von Frau d'Hertefeldt gefundenen Anzahlen würden weit unter den Schwellenwerten liegen.
ad 6: Im Öl von herbizidtoleranten Rapspflanzen finden sich keine Spuren des Gens.
Seit der Jungsteinzeit mussten die Bauern gegen Unkräuter kämpfen, um ihre Ernten abzusichern. kämpfen bedeutete harte und schlecht bezahlte Arbeit. Die moderne Landwirtschaft mit ihren selektiv wirkenden Herbiziden hat die Bauern von dieser Fronarbeit befreit. Herbizidtolerante Kulturpflanzen (nicht notwendigerweise gentechnisch verändert!) befreien die Bauern von dieser Fronarbeit. Nicht zuletzt deshalb setzen sich die herbizidtoleranten Kulturpflanzen vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern immer mehr durch.
ist an die Freisetzung gentechnisch veränderter Pflanzen oder Organismen gebunden und hier entsteht ein großes Gefahrenpotential. Es fehlen jegliche Vorstellung und Risikoanalyse darüber, was unter Freilandbedingungen eintreten kann. Der einmal freigesetzte gentechnisch veränderte Organismus kann nie wieder eingefangen werden und seine Auswirkungen auf das ökologische Gleichgewicht des Biotops sind nicht einmal abschätzbar.
Die Flächen mit den drei wichtigsten gentechnisch modifizierten Sorten Soja, Mais und Raps sind deutlich gewachsen. Demgegenüber ist die insektenresistente Baumwolle in den Vereinigten Staaten rückläufig. Bei den genannten vier Pflanzenarten ist der Anteil der gentechnisch erzeugten Sorten am gesamten Saatgut auf knapp ein Viertel gestiegen. Fast schon ein Drittel der Sojabohnen werden weltweit mit biotechnologisch hergestelltem Ausgangsmaterial erzeugt.
"Fleisch und Milchprodukte von Tieren, die gentechnisch veränderten Mais oder Soja bekommen haben, müssen nicht gekennzeichnet werden."
So sieht der Verbraucherschutz halt bei uns aus. Danke, Herr Seehofer!
MONSANTO wird sich die Hände reiben, ihre Rechnung geht voll auf.
Jetzt macht halt auch Schweden die Erfahrung, daß man die Geister, die man rief, nicht so schnell wieder los wird...
BTW: auch der hierzulande geltende "Mindestabstand" von 150 Metern zwischen genverändertem und nicht genverändertemn Planzen ist ein Witz.
Aber sind wir ehrlich! Um was geht es bei der Gentechnik wirklich? Um nichts anderes als Ressourcenkontrolle.
In Beispielloser Weise treiben korrupte Politiker und skrupellose Advokaten den Ausverkauf des Planeten voran. Das Patentrecht auf gentechnisch veränderte Pflanzen/Tiere ist eine Farce und ein Affront gegen die gesamte Natur.
Ich wüßte nicht inwieweit Monsanto den Raps, die Baumwolle, den Weizen oder das Schwein erschaffen hätte. Und wie sich aus einigen genetischen Pfuschereien an diesen Organismen Rechte ableiten sollen. Dies ist zu hoher Wahrscheinlichkeit keinem vernunftbegabten und normal denkenden Menschen zu vermitteln.
Wir hätten die Macht diesen Spuk von heute auf morgen zu beenden! Nämlich indem wir die Patentierbarkeit von gentechnisch veränderten Planzen und Tieren einstellen würden. Wir würden damit gleichzeitig den USA ein wirtschaftliches Kontrollinstrument aus der Hand schlagen. Aber das ist das Problem mit unseren Politikern! Sie wollen dieses Instrument selbst!
Aber konstruieren wir doch mal einen extremen Fall! Was wenn ein gentechnischer Mensch erschaffen würde. Wer hat die Eigentumsrechte, Verwertungsrechte an diesem Individuum? Erschaffen wir damit den rechtlosen Industriesklaven? Nehmen wir einen Eingriff an in dem Monsato z.B. schon geübt ist, nämlich in der Einschränkung des Fortpflanzungsfähigkeit des "Produktes".
Schöne neue Welt!
Paging