Europäische Raumfahrt "Ariane 5" und ISS haben eine Zukunft

Es waren harte Verhandlungen zwischen Deutschland und Frankreich, doch nun hat der Esa-Ministerrat sich auf ein Raumfahrtprogramm für die kommenden Jahre geeinigt.

Von Alexander Stirn

Eine Ariane 5 startet von der Esa-Weltraumbahnhof in Kourou in Französisch Guyana. Der Raketentyp soll weiterentwickelt werden.

(Foto: AFP)

Nach zähem Ringen haben sich Deutschland und Frankreich auf einen Kompromiss zur Zukunft der europäischen Raumfahrt geeinigt. Während einer zweitägigen Konferenz der europäischen Weltraumorganisation Esa, die am Mittwoch in Neapel zu Ende ging, verständigten sich beide Seiten darauf, sowohl die aktuelle Trägerrakete Ariane 5 zu verbessern als auch die Entwicklung eines Nachfolgemodells ins Auge zu fassen. Der Fortbestand der Internationalen Raumstation ISS ist ebenfalls bis ins Jahr 2020 gesichert.

Damit haben sich die Deutschen fast auf ganzer Linie mit ihren Forderungen durchsetzen können. "Es war eine Konferenz der kurzen Nächte und der harten Verhandlungen, aber es war eine sehr erfolgreiche Konferenz", sagt Peter Hintze, Raumfahrtkoordinator der Bundesregierung und deutscher Verhandlungsführer in Neapel.

Etwa 2,6 Milliarden Euro wird Deutschland demnach in den kommenden Jahren für Europas Raumfahrt ausgeben. Das Geld soll - eine der wichtigen Spielregeln der Esa - in Form von Industrieaufträgen wieder ins Land fließen.

Größter Streitpunkt war die Zukunft der europäischen Trägerrakete Ariane 5. Bereits vor vier Jahren hatten die Esa-Mitgliedstaaten beschlossen, ihr Arbeitspferd weiterzuentwickeln: Bei der Ariane 5 ME (Midlife Evolution) soll die Nutzlast auf knapp zwölf Tonnen vergrößert werden, die Oberstufe soll sich mehrmals zünden lassen, was flexiblere Missionen verspricht.

Der Fortbestand der Internationalen Raumstation ISS ist bis ins Jahr 2020 gesichert.

(Foto: dpa)

Die deutsche Delegation war in die Verhandlungen mit dem Ziel gegangen, unbedingt am hauptsächlich in Deutschland angesiedelten Ariane-5-ME-Programm festzuhalten. Die Franzosen hatten sich dagegen vorgenommen, federführend mit dem Bau der neuen Ariane 6 zu beginnen und kein Geld mehr mit einer verbesserten Altrakete zu verschwenden.

Die Positionen waren verhärtet. Teilnehmer der Tagung, bei der das europäische Raumfahrtprogramm der nächsten drei Jahre beschlossen werden sollte, wollten sogar ein Scheitern nicht ausschließen. Bei langwierigen Verhandlungen im Tagungshotel am Yachthafen von Neapel konnte letztlich aber eine Lösung gefunden werden.

Hintze spricht von einem "Kompromiss", die Lösung entspricht aber in weiten Zügen den deutschen Forderungen: Die Ariane 5 ME wird demnach weitergebaut und soll 2017 oder 2018 fliegen. Für die neue Ariane 6 sollen dagegen nur die Anforderungen definiert und der Markt ausgelotet werden. Definitive Entscheidung: 2014, Erstflug: nicht vor 2021. Einziges kleines Zugeständnis an Frankreich: Die neue Oberstufe für die Ariane 5 ME soll so entwickelt werden, dass sie theoretisch auch in die 6er-Version der Rakete eingebaut werden kann. Das ist teuer und dauert länger.

Während viele Länder in Neapel Schwierigkeiten hatten, ihre bisherigen Zahlungen an die Esa aufrechtzuerhalten, trat das ansonsten europakritische Großbritannien ausgesprochen selbstbewusst auf. Das Land, das bei der bemannten Raumfahrt bislang sehr zurückhaltend war, will sich in den nächsten vier Jahren mit 15 Millionen Euro am Wissenschaftsprogramm beteiligen. Hinzu kommt eine Einmalzahlung von 20 Millionen Euro, die in die Entwicklung des Service-Moduls der US-Raumkapsel Orion fließen soll.

Mit der Antriebseinheit bezahlen die Europäer ihren Anteil an den Betriebskosten des fliegenden Außenpostens ISS. Nachdem Frankreich sich geweigert hatte, die Kosten dafür in der bisherigen Höhe zu übernehmen, war eine Lücke entstanden. England, Belgien und Luxemburg wollen diesen Anteil nun übernehmen. "Erst dadurch konnte das ganze Paket vorangebracht werden", sagte der britische Wissenschaftsminister David Willetts in Neapel.

An anderer Stelle wird dagegen gespart: Nachdem eine von Deutschland vorangetriebene Mondmission schon im Vorfeld gestrichen wurde, wird es nun auch kein eigenes europäisches Radar für die Erkennung von Weltraumschrott geben. Zudem soll das Wissenschaftsbudget der Esa auf dem Wert von 2013 eingefroren und nicht an die Inflation angepasst werden. Unterm Strich bleibt damit in Zukunft weniger für die Forschung übrig.