Der steigende Wohlstand gefährdet die maritimen Ökosysteme in Europa, warnen Forscher: Die Meere seien "in einem ernsthaften Stadium des Niedergangs", die weltweite Öl- und Gasförderung berge große Risiken.
Über 100 Wissenschaftler aus 15 Ländern waren der Studie "European Lifestyles and Marine Ecosystems" beteiligt, die zum heutigen Tag des Meeres im Auftrag der EU veröffentlicht wurde. Über einen Zeitraum von drei Jahren beobachteten sie, wie sich der Zustand der Europa umgebenden Meere entwickelte.
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Französische Atlantikküste: Hoher Druck, sinkende Bestände (© Foto: dpa)
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Die Ergebnisse sind alles andere als positiv: "Wir haben in jedem der Meere Schäden gefunden, die mit der Entwicklung der Küstenregionen, unseres Transportwesens und der Art und Weise, wie wir unsere Nahrung produzieren zusammenhängen", erklärte der Projekt-Koordinator Laurence Mee der BBC.
Die Gründe für den schlechten Zustand von Nordsee, Schwarzem Meer, Mittelmeer und Ostsee sehen die Forscher in dem wachsenden Wohlstand des erweiterten Europas. "Wir müssen uns darüber klar werden, dass Wohlstand für eine Menge zusätzlichen Druck auf die Umwelt sorgt", sagte Mee, "wir müssen diese Probleme angehen." So dienten die Küstengebiete des Mittelmeers vielen Europäern als Zweitwohnsitz - die dichtere Besiedlung wiederum belastet das Gewässer.
Der gestiegene Fleischbedarf der Europäer sorgt der Studie zufolge für einen höheren Druck auf die Agrarindustrie. Dies führt zum Einsatz von mehr Kunstdünger, der wiederum über die Flüsse in die Meere gespült wird.
Der Einfluss des Menschen auf das Ökosystem Meer hat noch andere Folgen: So verlieren durch die Überfischung der Nordsee wichtige Seevögel ihre Nahrungsgrundlage, die Population geht zurück. Unerwünschte Nährstoffe im Schwarzen Meer sorgen für die Bildung schädlicher Algen, im Mittelmeer siedeln sich neue Tierarten an, die für Veränderungen in der natürlichen Nahrungskette der Meeresbewohner sorgen.
Dennoch verbessert sich in einigen Gegenden der Zustand des Meeres langsam: So erholte sich das Ökosystem der Nordsee in den vergangenen Jahren. Grund hierfür sind auf der einen Seite steigende Umweltstandards, auf der anderen die Verändungen durch die Globalisierung: Da sich viele umweltschädliche Industriezweige in asiatischen Schwellenländern niederließen, nehme der Druck auf die hiesigen Gewässer ab. Letztendlich jedoch würden langfristig die europäischen Probleme nur auf andere Meere umverteilt.
Neue Dimension der Zerstörung
Auch die Umweltorganisation WWF mahnt zum Tag des Meeres einen besseren Schutz der Ozeane an. Drei Viertel der weltweiten Fischbestände seien bereits bis an ihre Grenzen oder darüber hinaus geplündert.
Aus dem in Hamburg veröffentlichten WWF- Report "Unsere Ozeane: Geplündert, verschmutzt und zerstört" geht zudem hervor, dass 274 Meeresarten seit 1970 um mehr als 25 Prozent abgenommen haben. Die Bestände großer Fische wie Tunfisch, Marlin, Schwertfisch, Hai oder Kabeljau seien sogar um rund 90 Prozent geschrumpft.
"Der globale Meeresschutz entwickelt sich im Schneckentempo, während zeitgleich die Plünderung und Zerstörung immer neue Dimensionen erreicht", warnte die WWF-Meeresexpertin Karoline Schacht. Durch die Fischerei werden dem Bericht zufolge ganze Ökosysteme zerstört.
So seien bis zu 50 Prozent der Kaltwasser- Korallenriffe im Nordostatlantik geschädigt. "Die Hauptschuld tragen Bodenschleppnetze, die mit ihren tonnenschweren Ketten, Netzen und Stahlplatten die Riffe umpflügen", sagte Schacht.
Tropische Korallenriffe seien besonders durch die schleichende Versauerung der Meere durch den steigenden Kohlendioxidgehalt der Atmosphäre und steigende Wassertemperaturen gefährdet.
Das Great Barrier Reef könnte bald zu 95 Prozent zerstört sein
Das Great Barrier Reef in Australien könnte bis zur Mitte des Jahrhunderts zu 95 Prozent geschädigt sein, erwartet der WWF. Auch der vorhergesagte Meeresspiegelanstieg bis zu 56 Zentimeter bis zum Jahr 2100 gefährde viele artenreiche Küstenregionen, darunter wertvolle Mangrovenwälder.
"Nur mit einem globalen Rettungsprogramm kann die Artenvielfalt der Ozeane bewahrt werden", betonte Meeresexpertin Schacht. Der WWF (World Wide Fund For Nature) fordert, 80 Prozent der artenreichen Korallenriffe, Mangroven- und Küstenfeuchtwälder, Flussmündungen, Seegraswiesen und Seeberge zu schützen.
In 40 Prozent der Hochseegebiete müsse zudem die Öl- und Gasförderung sowie die Fischerei verboten werden. Bisher seien nur 0,6 Prozent der Meere unter Schutz gestellt. Um die Folgen des Klimawandels auf die Meere einzudämmen, fordert der WWF, die weltweiten Emissionen des Treibhausgases Kohlendioxid bis 2050 um die Hälfte zu reduzieren.
Den Tag des Meeres am 8. Juni gibt es jährlich seit dem UN- Erdgipfel 1992 in Rio de Janeiro.
(sueddeutsche.de/dpa)
Linke-Vize-Chefin Wawzyniak
Fortsetzung:
...zum Beispiel Laysan-Albatrosse, sind oft beim Hochwürgen unverdaulicher Plastikbrocken beobachtet worden. Viele Tiere verenden qualvoll an den verschluckten Teilen. Im Magen verendeter Tiere finden sich oft zahlreiche Plastikteile.
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Wie lange dauert es, bis eine Spielzeug-Ente aus konventionellem Kunststoff durch UV-Strahlung und Oxidation in ihre Moleküle zerlegt wird? 10 Jahre? 100 Jahre? Gar 300 Jahre? Nein. Schlappe 500 Jahre können vergehen, bis dieser Fall eintritt.
Die produzierende Industrie unserer technisierten Welt fertigt immer mehr synthetische Teile und selten wird dabei danach gefragt, wo diese Produkte verbleiben, wenn sie vom Verbraucher nicht mehr benötigt werden. Natürlich gibt es jede Menge Sondermüllverbrennungs- und Recyclingsanlagen, dennoch landet dort nur ein Teil unserer Plastikmüllschwemme. Viele, nur langsam verrottende Teile gelangen über Wind, Stürme, Regen, Flüsse und ebenso beabsichtigt ins Meer. So hat sich in den letzten Jahrzehnten im Nordpazifik ein riesiger schwimmender Teppich aus Plastik gebildet. Dieser nahezu zusammenhängende Plastikteppich ist ca. 3.000.000 Tonnen schwer und hat etwa die Größe Mitteleuropas. Diese Abfälle stammen aus der weltweiten Produktion von jährlich 125.000.000 Tonnen Kunststoff. Wissenschaftler um Charles Moore von der Algalita Marine Research Foundation haben errechnet, dass für das betroffene Gebiet mittlerweile auf jedes Kilo tierischen Planktons sechs Kilo Plastikabfall kommen.
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