Eine Frage der Intelligenz Wie dumm sind Delphine?

Die Intelligenz von Walen und Delphinen werde völlig überschätzt, behauptet ein südafrikanischer Wissenschaftler. Delphinforscher wollen nun die Ehre ihrer Testobjekte retten.

Von Marcus Anhäuser

Wal- und Delphinforscher sorgen sich um das Renommee ihrer Studienobjekte. Sind sie am Ende weniger klug als Ratten? Aus der Größe des Gehirns lasse sich die angeblich hohe Intelligenz der Meeressäuger nicht begründen - damit hatte im August 2006 der südafrikanische Hirnanatom Paul Manger weltweit großes Medienecho ausgelöst. Die Intelligenz von Walen und Delphinen werde völlig überschätzt, behauptete er.

Das große Gehirn der Cetaceen sei lediglich eine evolutionäre Anpassung an das Leben in kaltem Meereswasser und nicht an das komplexe Sozialleben. Zudem seien die Ergebnisse für die kognitiven Leistungen wissenschaftlich schlecht belegt. Hätte Manger recht, dann bekämen viele Wissenschaftler Probleme, auch künftig eine Finanzierung für ihre Forschungen an den Meeressäugern zu finden.

Eine Gruppe von 16 Wal- und Delphinforschern um die Psychologin Lori Marino von der Emory University in Atlanta ist deshalb jetzt angetreten, das Image der Meeressäuger aufzupolieren.

Kälteschutz oder Denkapparat

In der Mai-Ausgabe des frei im Internet zugänglichen Fachmagazins PLoS Biology verteidigt sie ihre Lieblinge: Ergebnisse aus unterschiedlichsten Forschungszweigen sprächen dafür, dass sich die großen Gehirne von Delphinen und Walen entwickelt haben, um ihre komplexen kognitiven Fähigkeiten zu unterstützen und nicht als Kälteschutz.

Die Belege für die außerordentliche Intelligenz der Cetaceen seien vielfältig. "Sie verstehen Symbole, sie begreifen, wie Dinge funktionieren, sie erkennen sich selbst im Spiegel und zeigen außerordentlich komplexes Sozialverhalten", so die Forscher.

Es gebe sogar Hinweise für erlerntes Verhalten, das an die nächste Generation weiter gegeben werde, was viele Forscher als Zeichen für kulturelles Verhalten deuten.

Das Gehirn von Walen und Delphinen sei zwar anders aufgebaut als das von Landsäugern: "Aber gerade das macht es so spannend herauszufinden, warum die Tiere kognitive Leistungen zeigen, die zum Teil weit über denen anderer Säuger liegen und mit denen von Primaten und dem Menschen vergleichbar sind."

Paul Manger findet den Beitrag aber wenig überzeugend. "Die meisten Beispiele für intelligentes Verhalten, die sie anführen, stammen von sozial lebenden Delphinen, andere Cetaceen werden gar nicht berücksichtigt." Aber auch die einzeln lebenden Arten hätten ja große Gehirne.

Viele Belege beschränkten sich zudem nur auf die Leistungen einzelner Tiere: "Das Selbst-Erkennen im Spiegel wurde an lediglich zwei Delphinen gezeigt und noch nicht bestätigt. Dass Orcas ihre Jungtieren etwas lehren, ist lediglich von einem Exemplar bekannt", kritisiert Manger ein bekanntes Problem der Intelligenz-Forschung an Meeressäugern. Seine Skepsis gegenüber deren Geistesgaben bleibe.

Den Delphinforschern geht es ohnehin weniger darum, Paul Manger und andere Wissenschaftler zu überzeugen. "Wir wollten den weltweiten Schlagzeilen über Delphine entgegentreten", erklärt Lori Marino.