Vielleicht ändert sich die Lage auf dem Medikamenten-Markt irgendwann in den nächsten Jahren oder Jahrzehnten. Alle großen Pharmafirmen arbeiten emsig an neuen Anti-Demenzmitteln für die vergreisende Gesellschaft, die Neurowissenschaft macht Fortschritte.
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Es ist nicht auszuschließen, dass dabei irgendwann tatsächlich ein nebenwirkungsfreier Schlaumacher, Wachhalter, Konzentrations-Booster oder Gedächtnisfestiger für gesunde Menschen abfällt. Das wäre dann in der Tat die Stunde der Medizinethiker.
Wundermittel unwahrscheinlich
Sie hätten viele Fragen zu diskutieren: Wie wäre der Zugang zu diesen Stoffen geregelt? Ist der Staat zuständig? Verzerren solche Mittel den akademischen und beruflichen Wettbewerb?Wie verhindert man einen gesellschaftlichen Zwang, sie einzunehmen, wie soziale Ungerechtigkeit?
Dürfen Eltern die Gehirne ihre Kinder dopen, oder sollten sie es sogar tun? Doch das ist spekulative Ethik, die zwar philosophisch interessant ist, der man aber derzeit nicht zuviel Forschungszeit und -geld widmen sollte.
In absehbarer Zeit ist es unwahrscheinlich, dass solche Wundermittel auf den Markt kommen. Gerade Gedächtnisforscher mussten in den letzten Jahren erkennen, dass sie die Schwierigkeiten unterschätzt hatten, Ergebnisse aus Mäuseversuchen auf das menschliche Gehirn zu übertragen. Insbesondere zeigte sich immer wieder, dass Stoffe, die einzelne kognitive Funktionen stärkten, andere beeinträchtigten.
Noch 2004 stellte Science vier neue Firmen vor, von denen effektive Gedächtnismittel zu erwarten seien. Mittlerweile sind sie alle gestrauchelt, darunter "Memory Pharmaceuticals", das von Nobelpreisträger Eric Kandel mitgegründet worden war. Hoffmann-La Roche kaufte die Firma im vergangenen Jahr für einen symbolischen Preis von weniger als einem Dollar.
Trotzdem wird die Neuropsychopharmakologie Fortschritte machen. Die Pharmafirmen werden neue Medikamente entwickeln, die bei bestimmten Störungen und Krankheiten helfen. Aber auch sie werden einige unerwünschte Nebenwirkungen haben, daher rezeptpflichtig bleiben.
Und da sie vermutlich auch einige leistungssteigernde Effekte bei Gesunden bewirken könnten, wird man auch sie im Internet kaufen oder von Ärzten ohne Indikation bekommen können, so wie es bei Ritalin, Modafinil und anderen Psychopharmaka bereits der Fall ist.
Hilfe durch psychoaktive Mittel
Gerade die Menschen in fortgeschrittenen Industriegesellschaften gieren nach Mitteln, die ihren Stress und ihre Angst mildern, ihre Unruhe beseitigen, Ruhe und Konzentration verschaffen. Studien besagen, dass bereits jetzt zehn Prozent der US-Studenten Ritalin aus nicht-medizinischen Gründen schlucken.
Für Deutschland berichtete die DAK in ihrem "Gesundheitsreport 2009", dass zwei Millionen aller Arbeitnehmer schon Psychopharmaka konsumiert haben, um ihre Leistungsfähigkeit zu steigern und im Job zu bestehen.
Es wäre naiv, wenn man deshalb einfach über die Wettbewerbsgesellschaft schimpft und alle Bürger zur Abstinenz verpflichten will. Menschen haben schon immer ihre Existenz mithilfe psychoaktiver Substanzen bewältigt, sei es nun Kaffee oder Kokain, Alkohol oder Nikotin.
Doch genauso utopisch ist die Hoffnung der Vertreter des Neuro-Enhancements, dass man die Vorteile leistungssteigernder Psychomittel ohne ihre Risiken wird haben können. Gesellschaft und Forschung werden nicht umhin kommen, sich das bestehende Arsenal der Drogen und Medikamente zu bewerten und über einen verantwortlichen Gebrauch zu diskutieren.
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(SZ vom 09.10.2009/gal)
wohl einfach zu tief ins Glas geschaut?
"Wir sollten neue Methoden, unsere Gehirne zu verbessern, begrüßen."
Klar, wir werden schlauer als es die Natur erlaubt. Fragt sich zu welchem Nebenwirkungspreis? Der anschließenden Abhängigkeit und der totalen Verblödung, weil das Hirn ohne Präparate mit normalen Reizen gar nicht mehr arbeitet.
Aber was solls, bis daß tatsächlich funktioniert und wir uns an dem Punkt kommen, daß wir fünf mal schneller laufen, denken, arbeiten als es die Natur erlaubt, landen wir mit 40 auf der Abwrackhalde sabbernder Zombies, bis dahin muß ich mir diesen Unsinn nicht mehr antun.
auweia.
Wenn es eine unwissenschaftliche Disziplin gibt, dann Psychologie.
Hier fehlen ganz einfach Grundlagen für eine Diskussion, solche Substanzen sind noch nicht einmal am Horizont erkennbar. Obwohl: Heerscharen von Süchtigen schlucken ja jetzt schon weitgehend wirkungsfreie (dafür nebenwirkungsreiche) Mittelchen, weil sie *meinen*, das zu müssen. Wohl doch ein psychologisches Problem, da schliesst sich der Kreis wieder;-)
DW
Ich denke, wir sollten alle nochmal tief durchatmen, denn diese Diskussion ist wohl eher ein paar Jahrzehnte zu früh dran. So lange wird es wohl noch dauern, bis gezielt wirkende Neuropharmaka tatsächlich entwickelt werden kann. Denn erst mal müssen die intra- und interzellulären Signalkaskaden umfassend verstanden werden. Und davon sind wir doch noch ein Stückchen entfernt...
In der Zwischenzeit sollte man aber auf jeden Fall die Finger von bekannten "Enhancern" wie Ritalin lassen. Das Zeug ist auf Dauer einfach nur gefährlich.
Liebe Sandra, Sie haben die Evolution nicht verstanden. Wir passen uns nicht an die Natur an, wir passen uns an die Umwelt an. Zu der Umwelt gehört auch das soziale Miteinander und was es an Denkleistungen von uns verlangt. Die von der Natur geschaffenen Grenzen zu durchbrechen und dafür mit dem Überleben belohnt zu werden, zeichnete stets den Menschen aus.
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