Diabetesmedikament Avandia Häufung von Interessenkonflikten

US-Forscher haben Studien über ein umstrittenes Diabetes-Medikament ausgewertet. Bei fast allen Befürwortern fanden sie einen finanziellen Interessenkonflikt.

Seit 2007 steht das Diabetesmedikament Rosiglitazon (Handelsname Avandia) im Verdacht, das Risiko für einen Herzinfarkt zu erhöhen. Seither debattieren Wissenschaftler über den Wahrheitsgehalt dieser Vermutung. Forscher der Mayo-Klinik im US-amerikanischen Rochester heizen die Debatte nun mit einer neuen Studie an. Allerdings nahmen sie nicht das Medikament, sondern die Interessenkonflikte der bisherigen Studienautoren unter die Lupe.

In ihrer im British Medical Journal veröffentlichten Arbeit werteten die Forscher 202 wissenschaftliche Artikel von 180 Autoren zu dem Medikament aus und recherchierten mögliche Interessenkonflikte der Verfasser. Sie bezogen einerseits die Hinweise auf Verbindungen zu Unternehmen und Verbänden ein, die die Autoren in den Rosiglitazon-Studien direkt anführten, nahmen aber auch Angaben aus weiteren Veröffentlichungen der Autoren in die Auswertung auf.

Die US-Forscher fanden, dass in mehr als der Hälfte aller Artikel ein Interessenkonflikt vorlag. Bei 45 Prozent aller Veröffentlichungen war der Konflikt finanzieller Natur.

Insgesamt 31 Autoren sprachen sich in den untersuchten Publikationen für das Medikament aus. 29 dieser Befürworter - also nahezu alle - unterhielten finanzielle Verbindungen zu pharmazeutischen Unternehmen, 27 der Autoren hatten monetäre Bindungen an den Hersteller von Rosiglitazon, GlaxoSmithKline, oder an Hersteller verwandter Diabetesmedikamente.

Dagegen sahen insgesamt 65 Autoren das Medikament kritisch. Von ihnen hatten nur 18 - das entspricht 28 Prozent - ein mögliches finanzielles Interesse. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Autor mit Interessenkonflikt das Medikament wohlwollend bewertete, lag drei bis vier Mal höher als bei einem Forscher ohne Bindung an ein Unternehmen, schrieben die Forscher.

Die Debatte um die Gefährlichkeit des Diabetesmedikaments wurde durch eine 2007 im New England Journal of Medicine veröffentlichte Studie ausgelöst. Darin kamen die Autoren zu dem Schluss, dass Rosiglitazon das Herzinfarktrisiko um 43 Prozent erhöhe. Die Aussagekraft dieser Studie ist allerdings umstritten. Das Medikament ist in Europa und den USA weiterhin auf dem Markt.