Daten des Esa-Satelliten "Planck" Fingerabdruck von der Geburt des Kosmos

Die Flecken sind mehr als nur ein dekoratives Muster, sie sind ein Fingerabdruck von der Geburt des Kosmos: Gemäß den Modellen zur Entstehung des Universums gehen sie zurück auf Temperaturschwankungen, die durch zufällige Quantenprozesse etwa zehn Trillionstel einer Trillionstelsekunde nach dem Urknall entstanden sein müssen.

In dieser Phase hat sich das Universum schlagartig von der Größe eines Atomkerns auf die einer Apfelsine aufgeblasen - ein Vorgang, den Kosmologen Inflation nennen. "Planck bestätigt nun erstmals unser Bild, wie diese Inflation stattgefunden haben muss", sagt Enßlin.

Auch sonst kommen die Ergebnisse der 700 Millionen Euro teuren Mission, die bislang noch nicht wie sonst üblich von Kollegen begutachtet und in einer Fachzeitschrift veröffentlicht wurden, lediglich kleinen Korrekturen gleich: Das Universum ist demnach 13,82 Milliarden Jahre alt, also 80 Millionen Jahre älter als bislang gedacht, es dehnt sich etwas langsamer aus und es besteht zu 4,9 und nicht zu 4,5 Prozent aus sichtbarer Materie.

Auf der Spur der kosmischen Mikrowellen

In mühevoller Arbeit haben die Kosmologen den kosmischen Mikrowellenhintergrund aus den Daten des Planck-Satelliten herausgearbeitet. Sie identifizierten die Vordergrundstrahlung und zogen sie nach und nach ab - bis nur noch die Signale aus dem Hintergrund übrig blieben. mehr ...

Verantwortlich für den Rest sind die Dunkle Materie (26,8 Prozent), die für die Bildung von Galaxien zuständig sein soll, und die ominöse Dunkle Energie (68,3 Prozent), die das Universum mit Wucht auseinander treibt. Beide Phänomene sind zwar im All eindeutig messbar, aber bislang unerklärlich. Planck hilft an diesem Punkt leider auch nicht weiter, die Kosmologie steckt weiterhin in einer Sackgasse.

Die Forscher klammern sich daher an einige Ungereimtheiten in ihren Messdaten, die nicht so recht zu den bisherigen Modellen passen. Zum Beispiel sind die Fluktuationen im Mikrowellenhintergrund ungleich über die beiden Hälften des Himmels verteilt, große Flecken sind nicht so häufig wie gedacht und tief im Süden findet sich eine kalte Region. "Das könnten Hinweise auf eine unbekannte Physik sein", sagt Torsten Enßlin. "Es könnte sich aber auch um statistische Fluktuationen handeln", also Zufall.

Bislang sind erst die Hälfte der Daten des Planck-Teleskops ausgewertet, das 30 Monate lang den Himmel gescannt und dabei fünf komplette Panoramas mit 50 Millionen Bildpunkten erstellt hat. Die Forscher haben daher die Hoffnung noch nicht aufgegeben, in den Daten noch den Schlüssel zu finden, der den Zugang zu den großen Rätseln des Universums öffnet.

Surfen auf der Ursuppe

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