Wo der Stachel nichts taugt: Bienen auf Zypern haben eine ungewöhnliche Methode entwickelt, angreifende Hornissen abzuwehren.
Wenn ihnen der Stachel nicht hilft, um Feinde abzuwehren, setzen Honigbienen auf Zypern auf eine ungewöhnliche Methode: Sie umringen und bedrängen angreifende Hornissen so lange, bis diese ersticken.
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Honigbienen bedrängen eine Hornisse. (© Foto: Current Biology)
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Das berichten Biologen im Fachjournal Current Biology (Bd. 17, S. 795, 2007). Die Bienen blockieren mit ihren Körpern die Atemöffnungen Orientalischer Hornissen (Vespa orientalis) an deren Hinterteil.
"Sie haben anscheinend die Achilles-Ferse entdeckt", erklärt Alexandros Papachristoforou von der Aristoteles Universität in Thessaloniki.
Die Orientalische Hornisse gilt im südlichen Europa als einer der schlimmsten Imkereischädlinge. Die Räuber fangen Bienen am Flugloch ab und dringen sogar in die Stöcke ein, um deren Honig zu rauben.
Dass sich Honigbienen um Eindringlinge ballen, sei zuvor schon entdeckt worden, schreibt die Gruppe um Papachristoforou.
Dies geschehe immer dann, wenn die Abwehr mit dem Stachel nicht möglich sei - beispielsweise bei Insekten mit hartem Außenpanzer. Ziel sei meist, den Angreifer bis zum Hitzetod "hochzuheizen".
Video 1: Bienen haben sich auf eine Hornisse gestürzt
Bei Orientalischen Hornissen sei dies aber schwer möglich, da diese sehr hitzetolerant seien, erklären die Forscher. Die Temperatur im "Verteidigungsball" erreicht etwa 44 Grad, die Hornissen können aber bis zu 51 Grad vertragen.
Deshalb hätten die Bienen ihre Strategie abgewandelt und zielten auf die Atemöffnungen der Insekten ab. Bis der Angreifer erstickt sei, vergehe etwa eine Stunde, schreiben die Forscher.
Video 2: Zusammen ersticken die Bienen den Angreifer
Hornissen pumpen mit Muskelbewegungen des in Segmente gegliederten Hinterleibs Luft in spezielle Atemröhren, die ins Körperinnere führen. Beim Zusammenziehen strömt verbrauchte Luft aus, beim Entspannen frische Luft ein.
Die Bienen verhindern das Nachströmen frischen Sauerstoffs, indem sie sich um den Hinterleib der Hornissen drängen und diesen so daran hindern, sich wieder auszudehnen.
In einem Laborversuch fixierten die Forscher Hornissen nach dem "Ausatmen", also dem Zusammenziehen der hinteren Segmente. Sie wiesen nach, dass schon das Blockieren zweier Segmente die Luftaufnahme um ein Drittel verringert. Bei vier fixierten Segmenten werde die Atmung gar um 87 Prozent reduziert.
(dpa)
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Ein ähnlicher Gedanke (Zwecks geplant ungeplant) kam mir beim lesen auch. Ich denke man muss allerdings differenzieren: Während für mich klar ist, dass die Bienen nicht "geplant" handeln, kann ich mir schon vorstellen, dass Sie neurdings etwas anders vorgehen wie früher: Die Erklärung wäre allerdings in evolutionären Prozessen zu suchen: Falls sich die Bienen eines Bienenstocks aufgrund einer genetischen änderung Ihres Verhaltensmusters etwas anders Verhalten (die Hornisse so Bedrängen, dass sie nicht nur heiß wird, sondern auch keine Luft kriegt) ist dies ja für den Stock von Vorteil, so dass sich die Bienenstöcke mit dieser Veränderung langfristig einen immer größeren Anteil an der Gesamtpopulation einnehmen.
Hmm, ich hoffe das war halbwegs einleuchtend.
Gruß Sean
Im Artikel steht, dass die Bienen Hornissen ersticken, indem Sie das Zusammenziehen der hinteren Hornissen-Segmente einschränken. Ich behaupte jetzt einfach einmal, das ist lediglich eine Folge davon, dass sich die Bienen im Cluster um die Hornisse scharen. Ich denke nicht, dass sich die Bienen im Stock verabreden und sagen, "Du, da ist eine Hornisse draußen, also die bringen wir heute nicht per Hitzetod um, sondern ersticken Sie. Wir wissen ja, Ersticken, bringt bei dem Kerl nichts. Also auf geht's, macht Ihre Segmente unbeweglich!" Ich finde, die Videos zeigen das genaue Gegenteil. Sie wirken auf mich so, als ob sich die Bienen plan- und strategielos an die Wespe hängen und nicht nur an die hinteren Segmente, sondern überall, d.h. ich behaupte, für irgendwelche Strategiewechsel in der Bienekriegsführung, nämlich "von Hitzetod zu Ersticken" bringt der Artikel keinerlei Beleg. Wie gesagt, die Videos sehen, so aus, als ob der Tod der Hornisse einfach nur das Ergebnis blinder Raserei ist. Vielleicht mal umgekehrt gefragt: Wie könnte man denn zwingend zeigen, dass die Bienen planvoll, als Gruppe und mit der Erfahrung, dass die Hitzetodstrategie zwecklos ist, dann mit dem Ziel des Hornissen-Erstickungstodes losfliegen? Also wie jetzt? Zielgerichtete Strategieabwägung, oder doch eher blinde Raserei?
Prinzipiell richtig, allerdings geht man bei einer Reihe höherer Säugetiere wie Schimpansen und Delfinen inzwischen davon aus, dass die gezielte Tötung "aus niederem Beweggrund" durchaus keine Seltenheit darstellt; das Gleiche gilt z.B. auch für (Gruppen-)Vergewaltigung.
Der Professor sagt anscheinend, weil es NIE eine 100%ige Sicherheit in biologischen Studien gibt. Selbst statistische "Beweise" sind nur eine Abschätzung von Wahrscheinlichkeiten.
Dementsprechend geht er genau richtig vor, wenn er sagt, dass es so scheint. Alles andere wäre unwissenschaftlich! Es muss in der Wissensenschaft grundsätzlich Raum für die Widerlegung bereits erbrachter Ergebnisse geben. Sonst erhält man Dogmen die den eigentlichen Fortschritt, nämlich die ständige Überarbeitung bereits erbrachter Thesen, verhindern!
Des weiteren wird im Tierreich nicht von Mord oder Totschlag geredet, da ein solches, gerichtetes Denken den Tieren immernoch abgeprochen wird (was sich allerdings noch ändern kann).
Viel eher geht man von Schutzverhalten aus, ob der Angreifer vertrieben oder getötet wird ist in diesem Zusammenhang zweitrangig - es geht viel mehr um das Ergebnis - die Gefahr hört auf!
Wenn die Hornisse nun aber nicht flieht, dann stirbt sie eben.
Woraus wiederum ein evolutiver Vorteil für alle Hornissen entstehen wird die besagtes tun.
Ich frage mich gerade: Was ist das denn genau, was wir hier sehen? Ist das Mord, d.h. geplant, mit allem drum und dran. Oder ist das Totschlag, d.h. im Affekt, weil die Bienen vielleicht nur wütend sind, sich um den Angreifer scharen und und der Angreifer "zufällig" der Raserei zum Opfer fällt?
Die Absicht zu töten, das impliziert zwar der Titel des Artikels, nicht aber die Forschungsbefunde. Der Professer, der zitiert wird, sagt auch "anscheinend", also weiß er's auch nicht.