Astronomie Planeten-Suchmaschine

Die Sonde Transiting Exoplanet Survey Satellite beim Start.

(Foto: Red Huber/dpa)

Das Weltraumteleskop "Kepler" hat ausgedient, der Sprit ist alle. Nun hat die Nasa den Nachfolger des Spähers ins All geschossen: "Tess" soll dort nach fernen Sonnensystemen fahnden.

Von Patrick Illinger

Die Jagd nach fernen Planeten, nach möglichen zweiten Erden in anderen Sternensystemen, vielleicht gar außerirdischen Lebensräumen, kann weitergehen. Nachdem das Weltraumteleskop Kepler aufgrund des zur Neige gehenden Treibstoffs aufgegeben werden muss - es hatte in den vergangenen Jahren rund 2700 sogenannte Exoplaneten entdeckt - ist nun ein Nachfolger gestartet. In der Nacht zum Donnerstag hob die Sonde Tess von Cape Canaveral in Florida aus an Bord einer Falcon-9-Rakete der Firma Space-X ab. Die Solarpaneele sind bereits aufgefaltet, und der Späher ist unterwegs zum Mond, in dessen Schwerefeld er Schwung holen soll, um seinen endgültigen Orbit zu erreichen. Dort soll Tess die Erde alle 13,7 Tage umrunden und mit Weitwinkelkameras ständig hochauflösende Bilder aus dem All schießen.

Die Existenz ferner Planeten wird Tess an Helligkeitsschwankungen von Sternen erkennen. Diese entstehen, wenn ein Exoplanet auf seiner Bahn vor seinem Zentralgestirn vorüberzieht und dieses etwas verdunkelt. Solche Schwankungen, Transits genannt, sind zum Teil winzig, aber mit empfindlichen Messgeräten lassen sie sich aufspüren. Die meisten der 3700 bekannten Exoplaneten wurden mit dieser Methode gefunden. Auch die Raumsonde Kepler nutzte diese Technik. Tess wird sich dabei besonders auf etwa 200 000 vergleichsweise helle und nahe Sterne in Entfernungen zwischen 30 und 300 Lichtjahren spezialisieren. Nasa-Projektleiter Stephen Rinehart spricht von einer "neuen Ära der Exoplanetenforschung".

Astrophysiker erwarten, dass Tess Tausende neuer Sternensysteme im All aufspüren wird. Seine Messgeräte sollen 85 Prozent des Himmels abscannen. Tess wird es aber vorwiegend bei der Entdeckung der neuen Sternensysteme belassen. Diese genauer zu vermessen, um etwa die Existenz von Wasser, Sauerstoff oder gar komplexeren, womöglich biologisch relevanten Molekülen nachzuweisen, diese Aufgabe wird dem James-Webb-Teleskop (JWST) überlassen bleiben. Dieses Milliarden Dollar teure, mehr als sechs Tonnen schwere Weltraumteleskop wird seit mehr als 15 Jahren entwickelt und sollte bereits 2014 starten. Doch die Kosten waren aus dem Ruder gelaufen, und das Projekt wäre beinahe gestoppt worden. Nun soll das JWST frühestens in zwei Jahren starten. Bis dahin dürfte Tess eine beträchtliche Zahl spannender Kandidaten für extraterrestrisches Leben aufgespürt haben.