19. Februar 2013 09:27 TV-Konsum Zu viel Fernsehen im Kindesalter macht antisozial

Fachleute warnen schon lange vor zu intensivem TV-Konsum beim Nachwuchs. Eine Langzeitstudie bestätigt nun, dass sich Kinder, die exzessiv fernsehen, im Erwachsenenalter mit größerer Wahrscheinlichkeit antisozial oder sogar kriminell verhalten.

Von Christian Weber

Der Verdacht besteht seit Langem, eine neue große Studie hat ihn nun bestätigt: Wenn Kinder exzessiv fernsehen, dann werden sie sich im Erwachsenenalter mit einer größeren Wahrscheinlichkeit antisozial oder sogar kriminell verhalten.

So lautet ein neues Ergebnis aus einer seit Jahrzehnten in Neuseeland laufenden Langzeitstudie, die ein Forscherteam um den Mediziner Bob Hancox von der University of Otago jetzt im Fachmagazin Pediatrics (Bd. 131, S.439, 2013)) publiziert hat.

Die Forscher berufen sich auf Daten einer berühmten Langzeituntersuchung, bei der eine Gruppe von ursprünglich 1000 Kindern beobachtet wird, die alle 1972/73 in der neuseeländischen Stadt Dunedin geboren wurden. Diese wurden unter anderem im Alter von fünf bis 15 Jahren regelmäßig befragt, wie oft und wie lange sie vor dem Fernseher sitzen.

Die Analyse der Forscher ergab, dass ein früher, hoher TV-Konsum mit aggressiven Persönlichkeitszügen im Erwachsenenalter korreliert - die Betroffenen litten häufiger unter negativen Emotionen, bei ihnen würde häufiger eine antisoziale Persönlichkeitsstörung diagnostiziert. Mit jeder Stunde mehr Fernsehen durchschnittlich pro Tag, so die Zahlen, stiegt das Risiko einer strafrechtlichen Verurteilung im jungen Erwachsenenalter um 30 Prozent.

Dabei betonen die Wissenschaftler, dass die Ergebnisse nicht durch andere Faktoren wie den sozioökonomischen Status und Erziehungsfehler der Eltern oder durch eine bereits bestehende kindliche Aggressivität erklärt werden könnten.

Es sei eben nicht beobachtet worden, dass bereits zuvor antisoziale Kinder mehr fernsahen, sagt Co-Autorin Lindsay Robertson: "Es ist vielmehr so, dass sich häufiges Fernsehen in antisozialen Verhaltensweisen und Persönlichkeitszügen manifestiert."

Allerdings gestehen die Forscher, dass die Otago-Untersuchung als reine Beobachtungsstudie die Kausalitäten nicht einwandfrei belegen kann und ihre Analyse mögliche weitere Einflussgrößen nicht erfasst.

So geht auch die Medienwirkungsforschung seit Jahren davon aus, dass der Konsum elektronischer Medien wie Fernsehen und Computerspielen zwar ein relevanter Faktor für aggressives Verhalten ist, aber eben nur einer unter vielen. Dennoch reicht die Beweislage, um der Empfehlung der meisten einschlägigen Gremien zu folgen: Kinder sollten keinesfalls mehr als ein bis zwei Stunden am Tag vor Bildschirmen verbringen.

Was und wie viel darf mein Kind sehen? Hier finden Sie Tipps von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien.