Zukauf in den USA Infineon überrascht mit Milliardenübernahme

Der Chiphersteller Infineon kauft seinen US-Rivalen International Rectifier - für drei Milliarden Dollar. Die Kalifornier haben bereits ihr Plazet gegeben. Die Kartellbehörden müssen allerdings noch zustimmen.

  • Der bayerische Halbleiterhersteller will seinen US-Rivalen International Rectifier übernehmen; nur noch die Kartellbehörden müssen nach Angaben der Neubiberger dem Deal im Wert von drei Milliarden Dollar zustimmen.
  • Noch ist unklar, wo künftig welche Produkte hergestellt werden sollen.
  • Zur Finanzierung des Geschäfts nimmt Infineon einen Kredit in Höhe von 1,5 Milliarden Euro auf.

Infineon übernimmt US-Rivalen

Der Chipkonzern Infineon hat überraschend eine Milliardenübernahme angekündigt. Das bayerische Unternehmen wolle den US-Rivalen International Rectifier aus Kalifornien für drei Milliarden Dollar übernehmen, teilte die Konzernzentrale in Neubiberg bei München mit. Die Aufsichtsgremien beider Firmen hätten dem Zukauf bereits zugestimmt, sagte Infineon-Chef Reinhard Ploss. Sollten die Kartellbehörden das auch tun, könnte die Fusion Ende dieses oder Anfang kommenden Jahres abgeschlossen sein.

Produktionsaufteilung unbekannt

International Rectifier habe eine starke Position in den USA und werde die Präsenz von Infineon in Asien wesentlich erweitern, sagte Ploss. Zudem schaffe die Integration der Amerikaner Kostenvorteile und beschleunige die Umstellung der Fertigung auf größeren Siliziumscheiben, die für die Branche mit Preisvorteilen einhergeht.

Wo künftig welche Produkte hergestellt werden, sei offen, sagte Infineon-Finanzchef Dominik Asam. Die Amerikaner seien stark in Technologien und Regionen, in denen Infineon sich bislang zurückgehalten habe.

Infineon nimmt Kredit zur Finanzierung auf

Für die Übernahme will Inifineon 40 Dollar je Aktie zahlen - das entspricht einem Wert von etwa drei Milliarden Dollar. Durch den bisherigen Aktienrückkauf der Amerikaner beläuft sich der Unternehmenswert netto auf 2,4 Milliarden Dollar. Der Aufschlag zum Schlusskurs fiel am Dienstag mit etwa 50 Prozent selbst für die Hightech-Branche üppig aus.

Für den Kaufpreis nimmt Infineon neue Schulden über 1,5 Milliarden Euro auf, der Rest stammt aus Barmitteln des größten deutschen Halbleiterkonzerns. "Ganz klar, wir hätten International Rectifier gerne billiger bekommen", sagte Finanzchef Asam. Der Aufschlag bewege sich aber im Mittel der Branche.

Unternehmensprognose

Die Übernahme soll sich bereits im ersten Jahr für die Neubiberger auszahlen: Infineon wolle das US-Unternehmen, das derzeit eine operative Marge von gut acht Prozent erwirtschafte, schnell auf Vordermann bringen. Daher halte Infineon an seinem mittelfristigen Margenziel von 15 Prozent fest, sagte Asam. Vorstandschef Reinhard Ploss hatte angesichts guter Geschäfte erst jüngst die Prognose für das laufende Geschäftsjahr 2013/14 leicht angehoben.

Deal mit Seltenheitswert

Große Zusammenschlüsse sind in der Chipindustrie aufgrund der großen Spezialisierung und der starken Schwankungsanfälligkeit selten. Erst jüngst war ein deutlich kleinerer Zusammenschluss zwischen dem Apple-Zulieferer Dialog Semiconductor und der österreichischen AMS gescheitert.

Die Übernahme ist für Infineon die mit Abstand größte seit der Abspaltung von Siemens vor 15 Jahren. Lange Zeit hatte die einstige Tochter mit Verlusten und Misserfolgen zu kämpfen. Erst seit wenigen Jahren erwirtschaftet Infineon nachhaltig Gewinne. Der Großteil des Kaufpreises für Rectifier stammt ohnehin aus dem Erlös des Verkaufs der Mobilfunktechnik an Intel.

Infineon profitiert von einem starken Geschäft mit der Autoindustrie, aber auch vom Geschäft mit erneuerbarer Energien, elektrischen Industrieantrieben und Haushaltsgeräten. Dieses Jahr soll der Umsatz auf mehr als vier Milliarden Euro klettern.