Whisky Cheers!

Große Auswahl: Besucherin in einem Whisky-Museum in Edinburgh.

(Foto: Jeff J. Mitchell/Getty Images)

Whisky aus Schottland ist weltweit gefragt. Die Ausfuhren hübschen die ansonsten desolate britische Exportbilanz auf.

Von Björn Finke

Die Autoindustrie Ihrer Majestät jubiliert über eine neue Bestmarke. Im vergangenen Jahr lieferten die britischen Fabriken 1 227 881 Fahrzeuge ins Ausland. Das sind erfreuliche Nachrichten für die Regierung, die das Minus in der chronisch defizitären Handelsbilanz verringern will - das Königreich führt insgesamt viel mehr ein als aus. Doch ein anderes Exportgut der Insel ist deutlich wichtiger als Autos: schottischer Whisky. Das legt zumindest eine Studie des Branchenverbands nahe.

Die Scotch Whisky Association rechnet vor, dass kein anderes Produkt der Handelsbilanz so sehr nutzt. Im Jahr 2014 exportierten Destillerien in Schottland - nur ihre Erzeugnisse dürfen sich Scotch nennen - Getreideschnaps im Wert von 3,95 Milliarden Pfund. Zugleich führt die Branche kaum etwas aus dem Ausland ein; das allermeiste, was für das Brennen und Abfüllen nötig ist, ordern die Unternehmen in der Heimat.

Daraus ergibt sich, dass die hochprozentigen Hersteller die Handelsbilanz mit einem Beitrag von 3,8 Milliarden Pfund unterstützten. Ohne diesen Beitrag wäre das Handelsdefizit des Königreichs glatt um ein Zehntel höher gewesen. Na dann: Cheers, oder vielleicht besser "slàinte mhath" - so prosten sich die Schotten zu.

Andere Branchen, etwa Maschinenbauer, Pharmafirmen oder Autohersteller, exportieren viel mehr als die 115 Scotch-Destillerien mit ihren 10 800 Beschäftigten. Aber da diese Industrien auch einiges importieren, ist der positive Beitrag zur Handelsbilanz kleiner.

Whisky-Verbandschef David Frost nimmt die Ergebnisse prompt zum Anlass, mehr Hilfe der Regierung für das schottische Exportwunder zu fordern. "Diese Zahlen zeigen wieder, wie wichtig die Branche für die schottische und britische Wirtschaft ist", sagt er. Darum möge der Schatzkanzler doch bitte die Alkoholsteuern erneut senken.

Bereits im vergangenen Jahr kappte der Konservative George Osborne die Steuern leicht, nachdem sie seit 2008 stetig gestiegen waren. Abgaben machen bei einer Flasche Scotch allerdings immer noch drei Viertel des Preises aus. Ärger bereitet den Schnapsbrennern auch die schottische Regionalregierung. Die erließ schon 2012 einen Mindestpreis für Alkohol, der umso höher ist, je hochprozentiger die Getränke sind. Bei Whisky wirkt sich das Gesetz gegen die Sucht darum besonders stark aus. Die Branche klagte und bekam kurz vor Weihnachten vor dem Europäischen Gerichtshof Recht: Die EU-Juristen halten die Regelung für unverhältnismäßig.

Bei all dem Ungemach in der Heimat konnten sich die Destillerien wenigstens lange über einen Boom im Ausland freuen. Die Exporte nahmen seit der Jahrtausendwende rasant zu, weil mehr Trinker in Schwellenländern auf den Scotch-Geschmack kamen. Seit 2013 sinken die Ausfuhren jedoch wieder. Als Gründe führt der Branchenverband die Abkühlung der Weltwirtschaft und das starke britische Pfund an, das die Spirituose im Vergleich zu Whisky aus anderen Ländern verteuert. Außerdem leiden die Schnapsbrenner unter der neuen Nüchternheit in China. Die Regierung dort geht stärker gegen Korruption vor und legt Funktionären ein bescheidenes Auftreten nahe. Scotch galt offenbar als beliebtes Schmiermittel für unbescheidene Bonzen. Trotz des Dämpfers ist der Wert der Ausfuhren immer noch doppelt so hoch wie vor 15 Jahren.

Darum investieren die Firmen kräftig. In den vergangenen zwei Jahren gingen neun Destillerien in Betrieb, bis zu 40 weitere sind geplant. Auch südlich der innerbritischen Grenze, in England und Wales, eröffneten Brennereien. Die dürfen ihren Whisky allerdings nicht Scotch nennen. Ein Mangel an Hochprozentigem steht der Insel also nicht bevor.