Wendelin Wiedeking Öffentliche Schmach

Wendelin Wiedeking Superstar hat ausgedient: Im Kampf gegen den VW-Patron Ferdinand Piëch hat der Porsche-Chef nichts mehr zuzusetzen. Er hängt ganz von Eigentümer Wolfgang Porsche ab, doch auch der schwächelt. Bis der Abschied kommt, wird er von Piëch öffentlich gequält.

Ein Kommentar von Melanie Ahlemeier

Es ist eine quälende Vivisektion am lebenden Objekt. Das Ende des Porsche-Chefs Wendelin Wiedeking vollzieht sich in kleinen Abschnitten, Tag für Tag ein Abschied von der Macht mit öffentlichem Tumult. Die jüngste Volte: Ferdinand Piëch erscheint nicht zur entscheidenden Porsche-Aufsichtsratssitzung - es ist nicht der erste Affront gegen seinen Erzfeind Wiedeking.

Ferdinand Piëch und Wendelin Wiedeking - zwei Alphatiere unter sich.

(Foto: Montage: sueddeutsche.de, Fotos: dpa, AP)

Erst in der vergangenen Woche hatte der VW-Patron bei einem Pressetermin gegen den Porsche-Piloten gestichelt, dass Harald Schmidt seine Freude gehabt hätte. Die zweite öffentliche Demütigung Wiedekings binnen weniger Tage zeigt vor allem eines: Wiedeking gilt bei Piëch als Auslaufmodell - er hat den einst vom Erfolg verwöhnten Automanager längst abgeschrieben.

Piëch, inzwischen 72 Jahre, gibt immer noch den "Big Boss". Er zieht die Strippen - auch im Fall Wiedeking. Als VW-Aufsichtsratschef und Miteigentümer Porsches muss der Mann, der mit dem Ein-Liter-Auto scheiterte, vor allem ein Ziel verfolgen: Porsche zurück in die Erfolgsspur zu schicken. Mit seinem eigenen Modell - VW schluckt Porsche - konnte Piëch seinen Cousin und Porsche-Mehrheitseigner Wolfgang Porsche erst einmal nicht überzeugen. Zunächst ging es um ein Fusionsmodell.

Doch was für eine Farce, was für eine Schönmalerei! In der noch zu gründenden neuen Super-Auto-Holding reiht sich Porsche neben den vielen anderen Marken im VW-Verbund ein. Der Luxuswagenhersteller steigt ab auf das Niveau eines Billigherstellers wie Seat. Es ist eine Übernahme, für die nur ein schöneres Wort gefunden werden musste. In solchen Fällen ist die Vokabel "Integration" immer sehr beliebt.

Wiedeking wiederum ist mit seinem Plan, in Wolfsburg als Triumphator einzuziehen, grandios gescheitert. Die Schlagzeile "Mehr Gewinn als Umsatz", mit der sich Porsche feiern ließ, ist längst vergessen - die Aktienoptionsgeschäfte hatten zwar den Kurs der VW-Aktie befeuert, doch leider waren es nur Buchgewinne.

Inzwischen lassen rund neun Milliarden Euro Schulden Porsche kaum noch Luft zum Atmen. Und weil die Banken nach den Wiedeking'schen Zockergeschäften nicht mehr mitspielen, eine Kreditlinie aber bald ausläuft, verkommt der einstige Superstar Wiedeking zur Tragikfigur. Aus dem Himmelsstürmer, der 2008 rund 100 Millionen Euro verdiente, ist längst ein Himmelfahrtscommander geworden.

Dass der stets auf Wiedeking-Linie agierende Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück eine Anti-Piëch-Kundgebung organisiert, kann als pures Signal der Hilflosigkeit gesehen werden. Seit wann lässt sich eine Belegschaft so für die Egomanie eines Managers instrumentalisieren?

Nachvollziehbar ist, dass Tausende Porsche-Mitarbieter um ihren Job bangen, falls das Unternehmen im VW-Verbund einfach aufgeht. "Synergien heben" nennen Manager diesen Vorgang dann. Synergien gibt es auch heute schon zwischen VW und Porsche - die Cayenne-Karosserie wird beispielsweise von Volkswagen produziert. Vor allem brauchen sie in Zuffenhausen einen handlungsfähigen Chef, der Vertrauen bei den Anteilseignern genießt und nicht "verbrannt" ist angesichts der Intrigen zwischen Porsche und VW.

Nur konsequent wäre es, wenn sich Wiedeking von seinem Druck-Posten trennt. Anfang Mai, als die Fusion von VW und Porsche bekanntwurde, hätte er dazu die beste Gelegenheit gehabt. Doch Wiedeking kann nicht von der Macht lassen, sein Ego lässt das nicht zu. Seine Zukunft hängt sprichwörtlich am seidenen Faden. Wird der Druck Piëchs auf den Cousin Wolfgang Porsche zu groß, wird Wiedeking gehen müssen, denn auch für milliardenschwere Familienclans - und seien sie noch so zerstritten - gilt ein alter Satz: Blut ist dicker als Wasser.

Dann wäre Wiedeking frei für neue Abenteuer der Marktwirtschaft.

Der Konzern bin ich

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